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Crystal-Prozess: Was sagt das Dealer-Paar?

Die Polizei hat im Dezember eine Drogen-Küche in Seifhennersdorf ausgehoben und eine Waffe gefunden. Wie es so weit gekommen ist.

Das ungleiche Paar hatte 2016 geheiratet, der Mann war aber sofort zu einer Geliebten gezogen.
Das ungleiche Paar hatte 2016 geheiratet, der Mann war aber sofort zu einer Geliebten gezogen. © Danilo Dittrich

Dieser Einsatz früh um 6 Uhr in einem Seifhennersdorfer Einfamilienhaus hat für Aufsehen gesorgt. In dem beschaulichen Städtchen an der tschechischen Grenze war das Sondereinsatzkommando der Polizei (SEK) angerückt, hatte das Haustürschloss mit einem Pistolenschuss geöffnet und das Gebäude gestürmt – wie man es aus Kriminalfilmen kennt. Gefunden wurden eine Drogenküche zur Crystal-Herstellung, rund elf Gramm Crystal und ein Revolver. Die Bewohner – ein tschechisches Ehepaar, sie 65 Jahre alt, er 52 – wurden festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Diesen Donnerstag, fast ein halbes Jahr später, begann vor dem Görlitzer Landgericht der Strafprozess gegen die beiden.

Dabei wurde auch klar, wie die Polizei den beiden Tschechen auf die Spur gekommen war, nämlich durch einen Hinweis der tschechischen Polizei, die bei einem Arbeitstreffen darüber informierte, dass an dieser Seifhennersdorfer Adresse kiloweise Crystal hergestellt und verkauft würde. Und, dass der Mann stets bewaffnet sei und hochgefährlich. Das berichtete der stellvertretende Ermittlungsleiter dieses Falles von der Polizeidirektion Görlitz als Zeuge im Gericht.

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Die hiesige Polizei nahm sofort die Ermittlungen auf, vor allem über eine Telefonüberwachung. Schnell wurde dabei klar, dass der Verdacht stimmt. Als Code für Verkaufsmengen wurden Geburtstage benutzt. Zum Beispiel stand "Wir werden den 10. Geburtstag feiern" für den Verkauf von zehn Gramm Crystal, schildert der Hauptkommissar, der sich im Nachhinein gewünscht hätte, das verdächtige Paar länger überwachen zu können, um so zu weiteren Ermittlungsansätzen zu kommen und diesen Fall gerichtsfester zu machen. "Wegen der Waffe und der Gefährlichkeit des Mannes hatten wir aber nicht die Zeit dazu. Man weiß ja nie, was im Kopf eines selbst Konsumierenden losgeht", sagte der Hauptkommissar vor Gericht. Und wegen der potenziellen Gefahr wurde das SEK angefordert, das den Einsatz am 4. Dezember schnell und ohne Verletzte beendete.

Suizidgefahr beim Angeklagten?

Vor Gericht gestand der angeklagte Tscheche die Tat im Wesentlichen. Laut Anklage solle er im Oktober/November 200 Gramm Crystal in der Drogenküche auf dem Dachboden des Hauses hergestellt haben, 150 Gramm für den Verkauf, 50 Gramm für Eigenverbrauch und Freunde. Die 150 Gramm verkaufte der Tscheche an einen Kunden für 150.000 tschechische Kronen (rund 5.700 Euro), musste aber 70.000 Euro für die Vorfinanzierung der Rohstoffe davon abziehen. Das Geld verwendete er unter anderem, um Waffen ("mein Hobby") zu kaufen. Die beim Zugriff gefundenen elf Gramm stammten laut Aussage des Angeklagten aus jenem Herstellungsprozess, auch zehn Gramm, die er laut Telefonüberwachung einem entfernten Verwandten verkaufte.

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei stürmte ihr Haus in Seifhennersdorf.
Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei stürmte ihr Haus in Seifhennersdorf. © xcitepress

Den geladenen und schussfähigen Revolver fand das SEK in einem Schränkchen am Bett im Schlafzimmer. Der Angeklagte versicherte vor Gericht, dass dieser Revolver nicht für die Bedrohung anderer gedacht war, sondern sein "Hauptschalter" war, falls es ihm auf dieser Welt nicht mehr gefalle. Der einst kräftige und vitale Tscheche erlitt vor zwei Jahren einen Schlaganfall, ist seitdem nach eigenen Angaben halbseitig gelähmt, inkontinent und habe "nur noch bunte Knete im Kopf". Der psychiatrische Gutachter wird darüber und über seine Schuldfähigkeit noch in den folgenden Prozesstagen berichten.

Im Prozess ging es dem Angeklagten vor allem darum, seine Frau zu entlasten. Auch da gibt es eine Vorgeschichte: Das ungleiche Paar hatte 2016 geheiratet, der Mann war aber sofort zu einer Geliebten gezogen. Nach dem Schlaganfall und dem Versiegen der Geldquelle sei er von dieser verstoßen worden. Dass seine Ehefrau ihn wieder aufnahm, bezeichnete der Tscheche als Gnade. Allerdings hätten die beiden in dem Haus quasi getrennt gelebt, die Frau von den Crystalgeschäften und dem Revolver nichts gewusst.

Darum wird es an den weiteren Verhandlungstagen gehen. Die Ehefrau, die teilweise tränenüberströmt der Aussage ihres Mannes folgte und bei der Polizei ihre Tatbeteiligung in Abrede gestellt hatte, machte am Donnerstag keine weiteren Angaben. Geplant sind drei weitere Verhandlungstage, der nächste am 23. Juni.

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