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Der "Königsadler" der Forstenschanze wird 70

Skispringer, Schanzenbauer, Trainer, Funktionär: Friedhart Seidel aus Spitzkunnersdorf lebt für den Wintersport. Und hält bis heute einen Rekord.

Friedhart Seidel - hier ein Bild von 2016 - ist seit über 60 Jahren aktiver Skispringer. Gegenwärtig bereitet er gemeinsam mit seinen Vereinskameraden die 20. Deutsche Meisterschaft der Masters an der Forstenschanze in Spitzkunnersdorf vor.
Friedhart Seidel - hier ein Bild von 2016 - ist seit über 60 Jahren aktiver Skispringer. Gegenwärtig bereitet er gemeinsam mit seinen Vereinskameraden die 20. Deutsche Meisterschaft der Masters an der Forstenschanze in Spitzkunnersdorf vor. © Matthias Weber (Archiv)

Von Reiner Seifert

"Friedel", wie ihn seine Freunde nennen, kann das Skispringen und den Schanzenbau einfach nicht lassen. Der älteste aktive Skispringer der Lausitz ist nach wie vor topfit und für "seine" Schanzenanlage in Spitzkunnersdorf, eine der schönsten in Sachsen noch voller Ideen. Am 20. August feiert der "Königsadler" und "Vater" der Forstenschanze in Spitzkunnersdorf seinen 70. Geburtstag.

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Der Skispringer

Seit mehr als 60 Jahren aktiver Skispringer hat Seidel keine Saison verpasst und auf den rund zwölf Schanzen, die zu seiner Zeit in der Lausitz existierten, auch überall Wettkämpfe bestritten. In der Chronik der 1981 abgebauten Hofebergschanze in Groß-schönau ist Friedhart Seidel als Schanzenrekordhalter mit 22,5 Metern verewigt. Auf der 1969 neu gebauten und mit Kunststoffmatten belegten Forstenschanze hat er in den vergangenen 52 Jahren kaum einen Sprunglauf ausgelassen. "Ich war immer nur Frei-zeit- und Vereinsspringer, bevorzugte kleine und mittlere Schanzen und bin auch nie über 50 Meter weit gesprungen. Vielleicht bin ich auch deshalb von ernsthaften Verletzungen verschont geblieben. Ich springe auch noch so, wie ich es als Kind gelernt habe, mit paralleler Skiführung und am Körper angelegten Armen", erzählt Seidel.

Zu den Höhepunkten seiner Karriere gehört unter anderem die Teilnahme an den Senioren-Weltmeisterschaften in Harrachov (2002), Reit im Winkel (2005) und Ruhpolding (2009). Gegenwärtig bereitet er gemeinsam mit seinen Vereinskameraden die 20. Deutsche Meisterschaft der Masters vor, die vom 27. bis 29. August auf der Forstenschanze stattfinden wird. Zum Starterfeld gehört dann natürlich auch Friedhart Seidel.

Der Schanzenbauer

Friedhart Seidel fühlte sich schon als Kind und Jugendlicher zu praktischen Arbeiten hingezogen, half 1958 beim Abriss der Schanze am Kiesberg und leistete als 16-Jähriger beim Bau der Forstenschanze knapp 300 freiwillige Arbeitsstunden. Keine Baumaßnahme in den vergangenen 50 Jahren, ob der Bau und spätere Neubau des Kampfrichterturmes, der Verlegung des Elektrokabels und der Wasserleitung zur Schanze, der Bau der Skihütte, der Verlängerung des Anlaufes, die Auswechslung des Mattenbelages oder der Um- bzw. Neubau der mittleren und kleinen sowie Mini-Forstenschanze, die unter seiner maßgeblichen Mitwirkung bzw. von ihm initiiert ausgeführt wurden.

Heute zählt das Skiareal am Forsten mit seinen vier Schanzen und der Flutlichtanlage, einer Abfahrts- und Rodelstrecke, dem "Feuerlöschteich" mit Sprungturm und einer gemütlichen Skihütte mit zu den schönsten Anlagen in Sachsen. "All das war und ist aber nur durch die freiwilligen Arbeitseinsätze unserer Vereinsmitglieder und vielen Helfer sowie mit der Unterstützung der Gemeinde, des Landes Sachsen und unserer Sponsoren möglich", weiß Seidel, wem besonderer Dank gebührt.

Der Trainer und Abteilungsleiter

Den ersten Übungsleiterlehrgang besuchte Friedhart als 14-Jähriger bei Rochus Wagner in Waltersdorf. Noch heute kümmert er sich mindestens einmal in der Woche um den Skispringernachwuchs. Früher für die praktischen Arbeiten an der Schanzenanlage verantwortlich übernahm Friedhart Seidel 1990 als Abteilungsleiter die volle und alleinige Verantwortung für den Wintersport beim TSV Spitzkunnersdorf. "Ohne die vielen Helfer und die Unterstützung meiner Familie, die bei Veranstaltungen in voller Besetzung zum Einsatz kommt, läuft natürlich gar nichts", weiß Seidel auf wen er sich bei der Organisation und Durchführung der jährlich rund zwölf Veranstaltungen verlassen kann. Die Palette reicht dabei von vier Wettkämpfen Spezialsprunglauf/ Nordische Kombination über den Karaseklauf bis zum Wintersport- und Drachenfest.

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Mindestens zwei- dreimal in der Woche ist Seidel an der Forstenschanze anzutreffen, wo es immer etwas zu tun gibt. Dabei hat der Spitzkunnersdorfer eigentlich beruflich genug um die Ohren. Der gelernte Maurer machte sich nach der Meisterprüfung im Jahre 2000 mit seiner Firma "Bauhandwerk Seidel" selbstständig.

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