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Roter Stern Leipzig sauer über Neonazis im Stadion Oderwitz

Bei der als Risikospiel eingestuften Fußball-Begegnung soll es rassistische Fangesänge gegeben haben. Auch der FSV Oderwitz beklagt sich über Drohungen.

Der Fanblock von Roter Stern Leipzig beim Sachsenpokal-Spiel gegen den FSV Oderwitz 02.
Der Fanblock von Roter Stern Leipzig beim Sachsenpokal-Spiel gegen den FSV Oderwitz 02. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Im Nachgang des Sachsenpokal-Spiels am vergangenen Sonntag, 5. September, beim FSV Oderwitz beklagt der Verein Roter Stern Leipzig, dass eine Gruppierung Neonazis im Stadion gewesen sei. "Im Spielverlauf kam es neben diversen individuellen Beleidigungen antisemitischen und rassistischen Charakters zu frauenverachtenden und homofeindlichen Fangesängen", schreibt der Pressesprecher von Roter Stern, Jens Frohburg an SZ. Trotz Aufforderung an den Ordnungsdienst seien diese Gesänge durch den FSV Oderwitz nicht sanktioniert worden. Doch auch der FSV Oderwitz hat am Verhalten der Gästefans etwas zu beklagen.

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Das Pokalspiel war im Vorfeld von der Polizei als Sicherheitsspiel eingestuft worden, weil Randale befürchtet wurden. Deshalb war die Polizei mit etwa 60 Beamten im Einsatz und der FSV Oderwitz musste zahlreiche Sicherheits-Auflagen erfüllen. Jens Frohburg erklärt, dass es nicht das Verhalten der Leipzig-Fans sei, weswegen das Spiel als Sicherheitsspiel eingestuft worden sei. "Vielmehr sind unsere Auswärtsspiele immer wieder von Bedrohungen durch teils organisierte Neonazigruppen geprägt. Dies liegt weder in unserem Interesse, noch können wir allein dies beeinflussen oder verhindern", schreibt er.

Neonazis im Stadion

Auch beim Spiel in Oderwitz sei es zu einer Bedrohungslage durch etwa 15 organisierte Neonazis gekommen. "Am Spieltag selbst wurde das Team von Roter Stern in Oderwitz schon vorm Stadion durch jene Gruppe Neonazis in Empfang genommen, bedroht und beleidigt, woraufhin die gesamte Gruppe der Neonazis von der Polizei kontrolliert wurde", schreibt der Pressesprecher. Leipzig habe gefordert, dieser Gruppe den Zugang zum Stadion zu verwehren, was nicht geschehen sei.

Jens Czeczine, Ordnungsführer beim FSV Oderwitz, bestätigt diesen Vorgang auf SZ-Anfrage. "Die Polizei hat gesagt, sie hätten diese Gruppe im Griff und es sei unter Abwägung der Risiken das kleinere Übel, sie ins Stadion zu lassen, als ihr den Zutritt zu verwehren", sagt er. Nach Angaben der Polizei wurden bei der Einlasskontrolle von drei Oderwitz-Fans Sturmhauben eingezogen, die der Vermummung hätten dienen können. Außerdem erstellte die Polizei gegen eine Person eine Anzeige wegen Verwendens eines verfassungsfeindlichen Kennzeichens. Der Mann trug an der Wade eine hakenkreuzähnliche Tätowierung. Bei den rund 80 angereisten Leipzig-Fans gab es seitens der Polizei keine Beanstandungen.

Toilettenhäuschen von Fans beschmiert

Was Fangesänge mit rassistischen oder antisemitischen Inhalten angeht, will Jens Czeczine gar nicht ausschließen, dass es beleidigende Gesänge gab. "Aber für uns war es ein ganz normales Spiel ohne besondere Vorkommnisse. Auch der Schiedsrichterbericht enthält nichts über Vorkommnisse dieser Art", sagt er. Roter Stern jedenfalls kündigt an, "die Vorfälle rund um diese Partie und insbesondere das Auftreten von Neonazis sowie die diskriminierenden Fangesänge durch den Sächsischen Fußballverband prüfen zu lassen."

Aber der FSV beklagt auch seinerseits ein bedrohliches Auftreten von Leipzig-Fans. "Ich musste nach der Partie beim Verlassen des Spielfelds zwei unserer Spieler herausnehmen, weil sie von Leipzig-Fans verbal bedroht wurden. Diese Fans haben gesagt: ,Wir sehen uns wieder' und ,Ich weiß, wo Du wohnst'", schildert Czeczine. Außerdem hätten Leipzig-Fans Toilettenhäuschen mit Eddingstift mit ihrem Vereinslogo beschmiert. "Diese Toilettenhäuschen waren extra für das Spiel gemietet und es kostet uns jetzt viel Geld, diese Schmierereien wieder zu entfernen", so Czeczine.

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