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Drei mal Gold, drei mal Glücksgefühle im Hitzekessel

Der Zittauer Parasportler Dariusz Ziniewicz holt bei den Deutschen Titelkämpfen in Regensburg drei Titel. Dabei sah es im Dezember noch ganz schlecht aus.

Von Frank Thümmler
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Dariusz Ziniewicz (rechts) mit Begleitläufer Frank Püschel: Beide sind durch ein Band verbunden, dass dem fast blinden Läufer auch beim Orientieren hilft.
Dariusz Ziniewicz (rechts) mit Begleitläufer Frank Püschel: Beide sind durch ein Band verbunden, dass dem fast blinden Läufer auch beim Orientieren hilft. © Verein

Regensburg/Zittau. Welch ein Riesenerfolg für den nahezu blinden Zittauer Para-Läufer Dariusz Ziniewicz: Bei den deutschen Meisterschaften der Para-Leichtathleten in Regensburg gewann der 56-jährige Zittauer drei Goldmedaillen – über 800 Meter, 1.500 Meter und 5.0000 Meter. So erfolgreich war der an einer unheilbaren Augenkrankheit leidende Turbine-Athlet noch nie. Vor einigen Jahren war er schon einmal Deutscher Meister über 800 Meter – aber nun gelang ihm der Dreifacherfolg. Dabei sah es Ende vergangenen Jahres noch ganz schlecht um seine Läuferkarriere aus.

„Nach einem Training im Dezember hatte ich einen Bandscheibenvorfall, war im Krankenhaus und musste danach ganz von Neuem anfangen zu gehen, später langsam wieder zu laufen“, erklärt der Zittauer. Quasi aus dem Kalten startete Ziniewicz im April beim Ostritzer Frühjahrslauf, wo es relativ gut ging, obwohl er noch nicht ganz wiederhergestellt ist. Damals fiel auch die Entscheidung, doch noch einen Start bei den deutschen Parameisterschaften in Regensburg ins Auge zu fassen. „Mein Traum war es, trotz dieser Vorgeschichte eine Medaille zu gewinnen“, sagt Dariusz Ziniewicz. Turbine-Trainer Mario Renner erstellte ein spezielles Trainingsprogramm mit Intervallläufen im Stadion und langen Läufen am Olbersdorfer See, begleitet von Georg Rabe, der sich dafür viel Zeit nahm.

Sorgen vor den ersten 100 Metern

So vorbereitet fuhr Frank Püschel mit Dariusz Ziniewicz nach Regensburg. Dort angekommen blieben kaum zwei Stunden Zeit zur Vorbereitung auf den ersten Start – bei über 40 Grad Hitze im Stadion. Das Hauptproblem für das Läufer-Begleitläufer-Paar über 800 Meter: Die ersten 100 Meter durch die erste Kurve müssen in Bahnen gelaufen werden. Ein Übertreten bedeutet sofortige Disqualifikation. „Wir hatten vorher nicht die Zeit, das zu trainieren, sind deshalb extrem vorsichtig angegangen und haben einige Sekunden verloren. Danach konnten wir schneller laufen, wobei die Abstimmung durch Zurufe erfolgt. Mein Begleitläufer, der ja auch ein bisschen jünger ist, ruft immer ,Schneller!‘, ich eher ,Langsamer!‘“, sagt Dariusz Ziniewicz schmunzelnd.

Im Ziel, nach 2:59 Minuten, war die Freude über den ersten Titel groß. Die Siegerehrung mit Hymne war sehr emotional und wurde sogar doppelt durchgeführt, weil bei der ersten Auflage vergessen wurde, den Begleitläufer mitzuehren. „Da haben die Bayern das wiederholt, das fand ich total cool“, sagt der Zittauer.

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Die Aufregung beim eigentlich erfahrenen Läufer war trotz des ersten Titelgewinns noch lange nicht weg. Er war im „psychologischen Tunnel“, während sein Begleitläufer verfolgte, wie der Star der Veranstaltung, Johannes Floors – der beidseitig unterschenkelamputierte Leverkusener ist Weltmeister und Olympiasieger im Sprint und Langsprint – die 200 Meter lief.

Motiviert durch den Stadionsprecher

Drei Stunden nach dem ersten Start begann für Ziniewicz der 1.500-Meter-Lauf. Frank Püschel gab ein Tempo wie im Training vor und behielt die Konkurrenz im Blick. 6:32 Minuten genügten erneut zum klaren Sieg.

Die Siegerehrung hielt auch diesmal eine Überraschung bereit. „Johannes Floors nahm sie vor und sagte, dass er den Hut zieht, weil er diese Strecke erst recht bei dieser Hitze gewiss nicht geschafft hätte“, erinnert sich der Zittauer, der sich im Anschluss auch mit dem Paralympics-Star unterhalten konnte.

Nach einer Übernachtung stand noch der Start über 5.000 Meter an. „Bei dieser Riesenhitze hatte ich Zweifel, ob ich überhaupt durchhalten würde. Jede Runde war eine Qual, aber als der Stadionsprecher mich 300 Meter vor dem Ziel nannte und darauf hinwies, dass ich meinem dritten Gold entgegenlaufe, hat mich das nochmal beflügelt“, sagt Dariusz Ziniewicz, der eine Weile brauchte, diesen Riesenerfolg zu verarbeiten – erst recht nach dem schlechten Start ins Jahr.

Das nächste Ziel: Berlin

Dariusz Ziniewicz ist ein sehr bescheidener Mensch, der im Gespräch immer wieder darauf hinweist, dass seine Erfolge als Parasportler ohne die selbstlose Hilfe anderer niemals möglich wären. Nach dem Dreifachgold bedankte er sich mit Kaffee und Kuchen bei Turbine-Trainer Mario Renner, den Begleitläufern Georg Rabe und Frank Püschel, bei Organisator und Unterstützer Jens Schöning und Marion Wenzel, die unzählige Fahrdienste zum Training leistet.

Sein nächstes großes Ziel: Der Halbmarathon in Berlin im nächsten Jahr, mitten im Riesenfeld der nichtbehinderten Läufer.