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Streit um Stadtanzeiger

Die Stadt Zittau will deutlich weniger Exemplare des Amtsblattes drucken lassen. Das stößt in den Ortschaften auf Widerstand.

Der letzte Stadtanzeiger erschien am 10. Oktober.
Der letzte Stadtanzeiger erschien am 10. Oktober. ©  Repro: SZ

Die Aufregung ist groß, der Ärger spürbar. Die Stadt Zittau will bei ihrem Amtsblatt, dem Zittauer Stadtanzeiger, sparen. Damit gehe ein Stück Identität verloren, findet Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller (FUW). Seine Amtskollegin aus Hartau, Carola Zimmer (Freie Wählervereinigung), hat sogar an den Oberbürgermeister und die Stadträte geschrieben. Der Ortschaftsrat Hartau kritisiere, so heißt es in dem Schreiben, den Plan aufs Schärfste. Über das Vorhaben wurden die Ortschefs bei ihrem Treffen im Oktober informiert. Alle hätten es abgelehnt, berichtet Schlegels "erster Mann", Frank Sieber (CDU). 

Dass es gerade in den Zittauer Ortschaften eine breite Front gegen die Einsparung gibt, erklärt sich leicht: In den sieben Orten wird das Amtsblatt anders als in der Kernstadt in jeden Haushalt geliefert. Die Verteilung soll nun eingestellt werden. Künftig, so der Plan der Verwaltung, soll das Amtsblatt hier an einer zentralen Stelle ausliegen. Müller sieht darin ein Problem: Das Gemeindeamt liege zwar in der Ortsmitte, mache aber keinen Sinn, da es nur dienstags geöffnet ist. Alternativ könnte er in Hirschfelder Geschäften ausgelegt werden, aber deren Inhaber müssten dazu bereit sein, sagt Müller. 

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In Hartau gebe es keine Möglichkeit, das Blatt auszulegen, bemerkt Frau Zimmer. Wenn das Amtsblatt nur in der Stadt ausliege, können es die Hartauer nicht mehr lesen, glaubt sie. "Für viele Einwohner ist dies die einzige Informationsmöglichkeit der Stadt Zittau." 

Nur noch 600 statt 5.000 Exemplaren

Nicht nur die Verteilung in den Ortsteilen will die Stadtverwaltung einstellen, die Anzahl soll zudem von 5.000 auf 600 Exemplare reduziert werden. Die jährlichen Gesamtkosten würden dadurch von gut 20.000 auf 4.500 Euro sinken. Allein durch die geringere Anzahl werden nicht mehr alle Bürger erreicht, befürchtet Carola Zimmer. Den Stadtanzeiger online zu lesen, sei vielen nicht möglich. "Gerade die ältere Bevölkerung verfügt nicht über einen Internetzugang oder ihr fehlt das nötige Knowhow, um den Stadtanzeiger online abzurufen." Durch die Reduzierung der gedruckten Auflage fühlen sich auch die ehrenamtlichen Austräger vor den Kopf gestoßen, die diese Aufgabe jahrelang mit Stolz ausgeübt haben, meint die Hartauer Ortschefin.

Sie findet den Zeitpunkt inmitten der Corona-Pandemie mehr als ungünstig. "Die Bürger werden dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben und Kontakte mit anderen zu meiden."

Der Stadtanzeiger werde ihrer Meinung nach an Gehalt und Fülle verlieren. Denn von den Ortsteilen werden keine Zuarbeiten mehr erfolgen, wenn das Amtsblatt nicht die Orte erreiche. Bernd Müller sieht es genauso. Für die Vereine sei es eine Möglichkeit, über ihre Arbeit zu berichten und zu werben. Wenn nur noch ein kleiner Bruchteil der Einwohner in den Ortsteilen erreicht werde, brauche es keine Reklame mehr, meint Müller.

"Wir finden es fragwürdig, dass einer der Haushaltsposten der Stadt Zittau, der mit die geringsten Kosten verursacht, nun gekürzt werden soll", schreibt Carola Zimmer. Das Problem, den Stadthaushalt zu konsolidieren, solle nach Meinung der Hartauer nicht auf dem Rücken der kleinen Ortschaften ausgetragen werden.

Abgelehnt werden die Veränderungen am Stadtanzeiger nicht nur von den Ortsteilen. Auch der Verwaltungs- und Finanzausschuss stimmte der Vorlage mehrheitlich nicht zu. Der Stadtrat, der Ende Oktober abstimmen sollte, hat die Vorlage verschoben. 

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