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Eine Prise "Ostalgie"

Sebastian Strauß begeistert sich für das DDR-Kultauto Trabant. Dessen ungewöhnliches Fahrgefühl will er auch anderen ermöglichen.

Sebastian Strauß (mit Freundin Melinda und Tochter Amelie) mit dem ersten Trabi, den er zur Vermietung angeboten hat.
Sebastian Strauß (mit Freundin Melinda und Tochter Amelie) mit dem ersten Trabi, den er zur Vermietung angeboten hat. © Foto: Jan Lange

Wirklich bequem ist die Fahrt in einem Trabi nicht. Jedes Schlagloch, jede Unebenheit auf der Straße ist zu spüren. Fahrer werden hin- und hergeschaukelt. Und dennoch ist Sebastian Strauß von diesem besonderen Trabi-Feeling begeistert. "Man fährt darin so schlecht, dass es schon wieder Spaß macht", meint der 33-Jährige. Er freut sich bereits auf die warme Jahreszeit, wenn er wieder in seine "Rennpappe" steigen kann und übers Land knattert.

Dass er sich als junger Mann überhaupt für den Trabant begeistert, verdankt er auch seiner Mutter. Die hatte 1993 den Führerschein gemacht und sich damals - die Produktion des DDR-Wagens war seit zwei Jahren eingestellt - einen Trabant gekauft, weil der günstig war. So erlebte er schon als kleiner Junge das besondere Trabi-Feeling.

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Ungewöhnliches Fahrgefühl sollen auch andere erleben

Das ungewöhnliche Fahrgefühl mit dem kultigen DDR-Wagen will Sebastian Strauß auch anderen ermöglichen. Er vermietet Trabants. Drei der "Ost-Oldtimer" können bei ihm ausgeliehen werden - für mindestens vier Stunden, aber auch länger. "Fast alle entscheiden sich für die Vier-Stunden-Variante", berichtet der junge Mann. Seine Kunden wollen mal das Trabi-Feeling erleben und Fotos mit der "Rennpappe" machen - dafür reiche die Zeit aus, meint der 33-Jährige.

Niemand leihe sich einen Trabant aus, weil er ihn für eine längere Fahrt brauche. Er sei ja auch kein Langstreckenauto, ergänzt Sebastian Strauß. Wobei man mit einer vollen Tankfüllung immerhin 350 Kilometer fahren kann. Bisher sei noch kein Kunde weiter gefahren. Möglich ist das natürlich - für den entsprechenden Preis.

Allen, die länger unterwegs sein wollen, gibt Sebastian Strauß einen Kanister mit dem fertigen Benzingemisch mit. Noch vor Jahren habe es mehrere Tankstellen gegeben, die das Gemisch auch angeboten haben, weiß der 33-Jährige. Aber inzwischen gebe es ganz wenige "Anlaufstellen" - unter anderem in Strahwalde.

Allererster Trabi aus Strahwalde

In dem Herrnhuter Stadtteil erwarb Strauß auch seinen allerersten Trabant. Da war er gerade mal 16. Der dortige Autohandel hatte einen großen Trabi-"Friedhof", von dem er sich zusammen mit zwei Freunden ein Fahrzeug für wenig Geld mitnehmen konnte. Da einer seiner Freunde bereits den Führerschein besaß, war es kein Problem, die "Rennpappe" von Strahwalde nach Görlitz, ihrer Heimatstadt, zu überführen.

"Unser Ziel war es, den Trabant wieder für die Straße fit zu machen", erzählt Sebastian Strauß. In der väterlichen Garage des Freundes sollte an dem Wagen herumgeschraubt werden. Doch der Vater gab die Garage ab und die drei Freunde konnten sich mangels Geld keine eigene mieten. So war das Kapitel erst einmal abgeschlossen.

Sebastian Strauß ging dann zur Bundeswehr, wo er zwölf Jahre diente. Damit war das Kapitel Trabant für ihn erst mal erledigt, obwohl er seinerzeit auch in Baden-Württemberg nach dem DDR-Kultauto Ausschau hielt. Hier war es natürlich nicht so verbreitet wie im Osten Deutschlands. Und so war sein erster Wagen, den er selber fuhr, auch ein 3er BMW.

Nach der Bundeswehr-Zeit kehrte er in den Osten zurück und die Trabi-Begeisterung wurde sofort wieder geweckt. Mit Freunden suchte er nach einem Stellplatz, wo er alte Trabis parken und an ihnen schrauben konnte. Da sie in Görlitz nichts Passendes fanden, gingen sie in der Umgebung auf Suche und wurden im Ostritzer Ortsteil Leuba fündig. An der ehemaligen Apelt-Mühle in Leuba richteten sich die vier Freunde vor vier Jahren eine Werkstatt ein.

An der ehemaligen Apelt-Mühle in Leuba hat sich Sebastian Strauß sein Trabi-"Reich" geschaffen.
An der ehemaligen Apelt-Mühle in Leuba hat sich Sebastian Strauß sein Trabi-"Reich" geschaffen. ©  privat

Trabis kann man ab März mieten

Zuerst war das Ganze ein reines Hobby. 2020 meldete Sebastian Strauß dann ein Nebengewerbe an. Er bietet Ost-Fahrzeuge oder einzelne Fahrzeugteile zum Verkauf an und führt kleine Reparaturen durch. Das Gewerbe umfasst ebenso die Vermietung der Trabis. Ausleihen kann man sich die "kleinen Stinker" in der Zeit von März bis November - über den Winter sind sie stillgelegt.

Der Motor des ersten Trabis, den er zur Vermietung angeboten hat, stammt aus einer Fahrzeug-"Ruine". Dieser abgetakelte Trabant stand 25 Jahre im Garten, hatte aber kurz vor dem Abstellen noch einen frisch regenerierten Motor bekommen. "Der Motor von diesem Haufen Rost war tatsächlich mit wenigen Handgriffen zum Laufen zu bringen und lief wie am ersten Tag", erzählt Sebastian Strauß. Nun hat er sein "zweites Leben" in einem anderen, gletscherblauen Trabi bekommen.

Auch wenn er mittlerweile drei Trabis vermietet - der erste werde immer erste Wahl bleiben, gerade für Trabant-Anfänger, meint Strauß.

Ein Blick in das Innere des gletscherblauen Trabis, den Sebastian Strauß zur Vermietung anbietet.
Ein Blick in das Innere des gletscherblauen Trabis, den Sebastian Strauß zur Vermietung anbietet. ©  privat

Einfach Lust, mit dem Trabi zu fahren

Bedenken, dass die Kunden die Trabis kaputt machen, habe er überhaupt nicht. "Diejenigen, die sie mieten, gehen ganz vorsichtig mit ihnen um. Sie haben einfach Lust, mit ihnen zu fahren", berichtet Sebastian Strauß. Noch haben sich nur wenige einen Trabant gemietet, er habe aber auch noch keine große Werbung dafür gemacht.

Zu den bisherigen Kunden gehörte eine Frauengruppe, die sich die "Rennpappe" für ihren Junggesellinnen-Abschied anmietete. Überhaupt stelle das weibliche Geschlecht den Großteil der Kunden, berichtet der 33-Jährige. Er sei schon gefragt worden, ob er die Trabis auch für zwei Stunden vermieten könne. Da er aber die Fahrzeuge für jeden Kunden vorbereiten müsse, und das Geschäft zumindest kein Minus machen soll, hält er an der Mindestmietzeit von vier Stunden fest.

Über seine Facebook-Seite "Ostträume" will er Freunde des Trabis und anderer Ost-Autos miteinander vernetzen. Denn auch wenn es die DDR seit nunmehr 30 Jahren nicht mehr gibt, so sind doch die im Osten gebauten Autos heute Kult - auch in der Generation, die die Produktion selbst nicht mehr erlebt hat.

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