SZ + Zittau
Merken

Gespalten: Hauptsponsor trennt sich vom O-See-Verein

Der Leutersdorfer Unternehmer André Werder zieht sein Engagement für die O-See-Challenge zurück. Als Grund nennt er eine Spaltung durch die Corona-Politik.

Von Jana Ulbrich
 4 Min.
Teilen
Folgen
Unternehmer André Werder (r.) zieht sich als Hauptsponsor von der O-See-Challenge zurück. Vereinschef Klaus Schwager (l.) macht das sehr betroffen.
Unternehmer André Werder (r.) zieht sich als Hauptsponsor von der O-See-Challenge zurück. Vereinschef Klaus Schwager (l.) macht das sehr betroffen. © Fotos: Matthias Weber/Montage: SZ

Der über soziale Medien und den Messenger-Dienst Telegram verbreitete Brief schlägt beim O-See-Sports-Verein in Zittau ein wie eine Bombe. "Ich fühle mich wie aus heiterem Himmel vom Blitz getroffen", so beschreibt es Vereinschef Klaus "Benno" Schwager. "Und ehrlich gesagt: Ich verstehe das alles überhaupt nicht." Dabei ist die Mitteilung des Leutersdorfer Unternehmers André Werder an den O-See-Verein vollkommen unmissverständlich:

Werder zieht sein finanzielles Engagement für die O-See Challenge zurück. Für den Ausrichterverein ist diese Ankündigung ein harter Schlag: Werder Bedachungen ist einer der Hauptsponsoren der größten und international bedeutendsten Profi- und Amateur-Sportveranstaltung in der Oberlausitz. Es geht nicht um ein paar Hundert Euro, es geht um eine fünfstellige Summe. "Das ist für uns nicht einfach mal schnell zu ersetzen", weiß Klaus Schwager.

Was genau André Werder letztlich zu diesem Schritt bewogen hat, kann sich der O-See-Chef nur schwer erklären. In seinem drei Seiten langen Brief spricht der Leutersdorfer Bauunternehmer von der Spaltung der Gesellschaft durch die Corona-Politik. "Unsere Wege trennen sich; sie laufen offensichtlich in gänzlich gegensätzliche Richtungen", schreibt er. Mit gegensätzlich meint Werder auf der einen Seite diejenigen, die das Corona-Virus ernst nehmen, die sich impfen lassen und die politischen Maßnahmen akzeptieren, auf der anderen Seite diejenigen, die dem Ganzen kritisch, skeptisch und ablehnend gegenüber stehen und in der Corona-Politik eine große Verschwörung sehen.

André Werder macht keinen Hehl daraus, zu Letzteren zu gehören. Seinem Sportfreund "Benno" wirft er vor, auf der anderen Seite zu stehen. So gehört Klaus Schwager beispielsweise zu den Unterzeichnern der Petition gegen die Montagsdemonstrationen in Zittau. André Werder steht klar auf der Seite der Demonstranten. Als Ungeimpfter und Kritiker der Corona-Politik fühle er sich ausgegrenzt und kriminalisiert, erklärt der 49-Jährige. Er könne es nicht hinnehmen, dass er sich ausweisen müsse, ein gesunder Mensch zu sein.

Klaus Schwager und der O-See-Verein würden da mitmachen, so sieht es Werder. Es würde zugelassen, die O-See Challenge für die Corona-Politik zu missbrauchen und den Politikern eine Bühne zu bieten. Da wolle er nicht mehr mitmachen und den Namen seines Unternehmens nicht mehr hergeben. Klaus Schwager kann diese Sicht nicht nachvollziehen. "Wir tun alles dafür, dass der Sport eben nicht spaltet, sondern verbindet", sagt er. Für die Veranstaltung im vergangenen August habe er wochenlang an einem Hygienekonzept für alle gearbeitet. Niemand sei da diskriminiert oder ausgegrenzt worden. Und das solle auch in Zukunft so sein.

André Werder ist da skeptisch. "Jeder muss das Recht haben, frei zu entscheiden", sagt er aus tiefster Überzeugung. Es dürfe nicht sein, dass alle Andersdenkenden vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt werden - und mit G-Regeln womöglich eben auch von der nächsten O-See Challenge.

Klaus Schwager sieht sich hier aber völlig zu Unrecht kritisiert. "Wir haben doch alles getan, alle zusammenzubringen und eben nicht zu spalten", sagt er. "Hier werden doch die Dinge völlig vermengt. Das ist schon bitter." Die O-See Challenge 2022 soll am Rückzug des Sponsors Werder aber nicht scheitern. "Wir werden alles versuchen, da einen Ausgleich zu finden", kündigt Schwager an. Das traditionell am 3. Augustwochenende veranstaltete Sport-Event im Cross-Triathlon wird wieder als Deutsche Meisterschaft ausgetragen. Die Vorbereitungen laufen.

Mit André Werder persönlich hat Klaus Schwager noch nicht gesprochen. Der Unternehmer ist derzeit schwer zu erreichen. Er muss sich darum kümmern, die Arbeitsplätze für seine 160 Mitarbeiter zu erhalten. Die Auftragslage ist gut, sagt er, aber die Baupreise, die in der Corona-Pandemie zum Teil um das Anderthalbfache gestiegen seien, würden das Wirtschaften für die Firmen immer schwieriger machen. "2021 war das wirtschaftlich schlechteste Jahr in unserer 23-jährigen Firmengeschichte", sagt er. Auch das habe mit Corona zu tun - sei aber nicht der Grund für seinen Rückzug aus dem Engagement für die O-See-Challenge.