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Leichtes Spiel für dreiste Bauernfänger

1845 gab es Trickbetrüger in der Oberlausitz, denen man nicht das Handwerk legen konnte. Sie hatten ihre bösartige Gaunerei vertraglich abgesichert.

Die Betrüger versprachen beste Preise für Feldfrüchte.
Die Betrüger versprachen beste Preise für Feldfrüchte. © Dietmar Thomas

Trickbetrug hat es zu allen Zeiten gegeben. Heute sind Enkeltrick & Co. in aller Munde, vor 170 Jahren indes trat in Brandenburg und Mecklenburg eine bis dahin unbekannte Gaunerei auf, die zum Jahreswechsel 1845/1846 dann die Oberlausitz erreichte. Die lokalen Zeitungen schilderten damit verbundene Fälle und warnten "vor allem die Bewohner auf dem platten Lande". Denn genau dort trieben die neuen Trickbetrüger so manchen gutgläubigen Landmann in den Ruin.

Und das ging so: Die Betrüger reisten in elegantem Aufzug an, nahmen in den Gasthöfen das möglichst beste Quartier und zeigten sich abends in den Lokalen recht freigiebig. Sie erzählten jedem, im Auftrag von bedeutenden Handels- oder gar Regierungsstellen zu reisen, um Verträge abzuschließen: Ankauf von Feldfrüchten oder Handwerkerprodukten. Die Herren versprachen beste Preise, so dass sich Bauern und Handwerker bald um einen Liefervertrag mit den Reisenden drängelten. Da wurden Liefermengen notiert und den Lieferanten glückselige Kaufsummen eingetragen. Jeder Vertrag endete so: "Dem Käufer bleibt der Tag der Übergabe vorbehalten, bei Gutskäufen auch Zeit und Ort der Aufnahme des gerichtlichen Vertrages, und die Verkäufer übernehmen Stempel und Kosten." Letzteres bedeutete, den Vertrag zwischen beiden Partnern gelten zu lassen. Wollte ihn sich der Verkäufer dagegen im Amt, also von einem Notar beglaubigen lassen, zahlte er die dafür notwendigen Gebühren allein.

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Das böse Erwachen kam später. Die Verkäufer erhielten Briefe vom Käufer: "Laut Vertrag bestimme ich den Tag der Übergabe. Ich komme in zehn Jahren vorbei. Dann leiste ich auch die Zahlung auf die vertraglich gekaufte Ware und warne eindringlich davor, sie bis dahin anderweitig zu veräußern." Wer also seine gesamte Ernte verkauft hatte, sollte sie zehn Jahre liegenlassen und erst dann Geld bekommen? Andere wurden "als Ort der Übergabe nach London" gebeten. Vor Gericht waren die Verträge nicht anfechtbar. Den Geprellten blieb nur eins: eine auszuhandelnde Summe zu zahlen, um vom Vertrag zurückzutreten. Darauf hatten die Trickbetrüger nur gewartet. Sie kassierten gehörig ab – und finanzierten damit ihre nächste Gaunerei.

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