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Friedens-Flaggen wehen vor dem Zittauer Rathaus

Um ein Zeichen im Ukraine-Krieg zu setzen, hat OB Thomas Zenker die "Schwerter zu Pflugscharen" aufziehen lassen. Was hinter dem Motiv steckt.

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Die Flagge der Ukraine und  Friedensbewegung der DDR wehen vor dem Zittauer Rathaus.
Die Flagge der Ukraine und Friedensbewegung der DDR wehen vor dem Zittauer Rathaus. © Matthias Weber/photoweber.de

Friedenssymbole schmücken jetzt das Zittauer Rathaus: Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) hat Flaggen der Ukraine, der Stadt und eine mit dem markanten Symbol "Schwerter zu Pflugscharen" aufziehen lassen. Das Motiv stand einst für die Friedensbewegung in der DDR. "Gerade jetzt, gerade heute, gerade hier bei uns ist es wieder ein angemessenes Zeichen gegen den Krieg, ein Zeichen für den Willen der Menschen zum Frieden in der Welt", teilt Stadtsprecher Kai Grebasch mit.

Die Geschichte des Motivs reicht bis 1959 zurück. Damals schenkte die Sowjetunion der Uno eine Bronzeskulptur, die diese vor ihrem Sitz in New York aufstellte. Sie stammt von Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch aus dem heutigen Dnipro (Ukraine).

Im November 1980 - geprägt von neuen militärischen Konfrontationen und der atomaren Aufrüstung - ließ der sächsische Landesjugendpfarrer Harald Bretschneider ein Logo zur ersten Friedensdekade in der DDR entwerfen. Dafür wählte er die politisch eigentlich nicht anfechtbare sowjetische Statue, die nach einem Bibelzitat entstanden ist. Der ehemalige Wittgendorfer Pfarrer ließ die Zeichen in Herrnhut auf Vlies drucken, weil der Druck auf Textil genehmigungsfrei möglich war und die Abschnitte als Lesezeichen verwendet werden konnten. Viele Jugendliche nähten sich die runden Logos auf die Ärmel ihrer Parkas, symbolisierten so ihre Verbundenheit mit der Friedensbewegung und den Wunsch nach Abrüstung in Ost und West.

Das stieß bei der Staatspartei SED besonders vor dem Hintergrund der stark forcierten Militarisierung des Alltags junger Menschen nicht auf Gegenliebe. Viele mussten die Zeichen entfernen. Doch mit dieser Selbstenttarnung erreichten die Machthaber das Gegenteil: "Schwerter zu Pflugscharen" entwickelten sich immer mehr zu einem Symbol für die friedliche Opposition, die dann maßgeblich die friedliche Revolution 1989 einleitete.

"Damit in der Ukraine möglichst schnell wieder Frieden in Freiheit herrscht, scheint es aktuell notwendig zu sein, dass die Regierung Putin nicht nur außenpolitisch unter Druck gerät, sondern auch das eigene Volk hoffentlich immer stärker den Friedenswunsch formuliert", so Kai Grebasch. (SZ)