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Die ersten Händler ziehen weg

Ein Teilstück der Inneren Weberstraße in Zittau ist saniert. Kritiker fordern dennoch weiter eine neue Planung. Und es gibt schon Konsequenzen.

Der erste Abschnitt der Inneren Weberstraße ist fertig.
Der erste Abschnitt der Inneren Weberstraße ist fertig. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Andrè Matthausch ist froh: Vor der Tür seiner "Seeger Schänke" gibt es keine Baustelle mehr. Vor allem aber freut er sich über die neue Straße. Das Statement des Zittauer Gastronomen bei Facebook unterscheidet sich so ganz von den bisherigen Meinungen der Händler und Gewerbetreibenden der Inneren Weberstraße. Die waren eher als Kritiker der Umgestaltung in Erscheinung getreten. Mehrere Hundert Unterschriften wurden für eine Planungsänderung gesammelt.

André Matthausch ist froh, dass die Bauarbeiten vor seinem Restaurant beendet sind.
André Matthausch ist froh, dass die Bauarbeiten vor seinem Restaurant beendet sind. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Auch politisch gibt es Unterstützung für die Kritiker: Die Alternative für Deutschland (AfD) hatte einen Antrag in den Stadtrat eingebracht, die Straßenplanung der Inneren Weberstraße auf Grundlage der Einwendung der Bürger zu ändern. Über den Antrag sollte ursprünglich schon im November beraten und abgestimmt werden. Doch er wurde kurzfristig vertagt. Die Stadträte seiner Fraktion hätten erst kurz vor der Sitzung Akteneinsicht erhalten, begründete AfD-Fraktionschef Jörg Domsgen damals die Verschiebung. Es sei nicht ausreichend Zeit gewesen, sich als Fraktion selbst eine Meinung zu bilden.

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Im Dezember stand der Antrag dann wieder auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung, wurde aber erneut vertagt. "Wegen des Lockdowns konnten wir uns nicht mehr mit den Bürgern kurzschließen, die die treibenden Kräfte sind", erklärt Domsgen die zweite Verschiebung. Der Antrag solle nun im Januar behandelt werden, so der AfD-Fraktionschef. Er könne der Idee einer verkehrsberuhigten Zone, wie sie von Stadtrat Matthias Böhm (CFG) angeregt wurde, einiges abgewinnen. Ihm fehle, so Domsgen, in der bisherigen Straßenplanung der perspektivische Blick, wie die Innere Weberstraße neu belebt werden kann.

AfD hält an Antrag fest

An ihrem Antrag hält die AfD trotz des fortgeschrittenen Straßenbaus - der erste Abschnitt ist abgeschlossen - weiter fest. Ziel des Antrags sei es, den Bürgern noch mal ein Sprachrohr zu geben, sagt Domsgen. Dass am unteren Teilstück der Inneren Weberstraße nichts mehr verändert werden könne, sei der AfD klar. Die geforderten Änderungen reduzieren sich auf den mittleren und oberen Abschnitt der Inneren Weberstraße.

Die AfD fordert in ihrem Antrag unter anderem eine neue Planung mit mindestens 35 Parkplätzen. Die Gehwege sollen dafür auf eine Breite von 1,60 bis 1,80 Meter reduziert werden. Nur auf der nördlichen Straßenseite sollen die Gehwege eine Breite von bis zu 2,50 Meter oder sogar mehr haben, ohne dass dafür Parkplätze entfallen müssen.

Die derzeitige Planung sieht etwas mehr als 20 Parkplätze auf der gesamten Inneren Weberstraße vor. Auch die Gehwege sollen deutlich breiter werden, teilweise vier Meter und breiter.

Ob die geforderten Änderungen überhaupt eine Mehrheit unter den Zittauer Stadträten finden, da ist sich Jörg Domsgen nicht sicher. Sollte der Antrag mehrheitlich abgelehnt werden, nehme man die Demokratie so hin, erklärt der AfD-Fraktionschef.

Nicht mehr die allerbeste Lage

Unabhängig von der Entscheidung im Stadtrat gibt es die ersten Konsequenzen in der Händlerschaft. Eine Kosmetikerin hat den Mietvertrag für ihren Laden gekündigt. Der Straßenbau soll aber nicht der einzige Grund für die Entscheidung gewesen sein. Auch andere Händler überlegen, wegzuziehen. "Es ist nicht mehr die allerbeste Lage", findet Optiker Wolfgang Huth. Er habe sich schon mal nach Alternativen umgesehen. Aber er werde nicht sofort die Segel streichen, es müsse passen, betont Wolfgang Huth. Dass die Fußwege vor seinem Optikergeschäft verbreitert und die Straße dafür enger werden soll, findet er nicht gut.

Breitere Gehwege stören Gastronom André Matthausch nicht. Vor seinem Restaurant seien sie schon immer breiter als im mittleren Abschnitt der Inneren Weberstraße, sagt er. Auch Parken können die Gäste direkt vor der "Seeger Schänke". "Die Parkplätze sind jetzt bereits voll, das kann noch problematisch werden", meint Matthausch.

Fahrtrichtung ändern

Er freut sich darauf, wenn die komplette Straße fertig ist. "Wenn sie neu gemacht ist, nehmen Touristen sie mehr wahr", glaubt der Gastronom. Er habe zwar viele Stammgäste, würde es aber auch merken, wenn Läden wegbrechen. Denn Touristen ziehe es nur in Straßen, in denen etwas los ist, ist sich André Matthausch sicher.

Einen Wunsch hat der Chef der "Seeger Schänke" dennoch: Die Fahrtrichtung solle umgedreht werden. Nicht stadtauswärts sondern stadteinwärts solle der Verkehr über die Innere Weberstraße geführt werden. Als er vor 23 Jahren sein Restaurant eröffnet habe, ging der Verkehr noch in Richtung Stadtzentrum, so Matthausch.

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