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Fahrerlaubnisbehörde ist wochenlang ausgebucht

Die Zittauerin Ilona Tauchmann muss ihren alten Führerschein umtauschen. Dafür muss sie einen Termin im Landratsamt buchen - was aber gar nicht so einfach ist.

Ilona Tauchmann aus Hartau möchte gern ihren alten Führerschein umtauschen. Doch dafür einen Termin zu bekommen, ist gar nicht so einfach.
Ilona Tauchmann aus Hartau möchte gern ihren alten Führerschein umtauschen. Doch dafür einen Termin zu bekommen, ist gar nicht so einfach. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Tage des alten Papier-Führerscheins sind gezählt: Tausende Kraftfahrer müssen in den kommenden Jahren ihre bisherige Fahrerlaubnis gegen einen neuen EU-Führerschein umtauschen. Dass das nicht so einfach ist, erlebt gerade Ilona Tauchmann. Ihren 1981 ausgestellten Führerschein muss die Zittauerin bis spätestens Januar 2022 wechseln. "Jetzt habe ich noch etwa ein halbes Jahr Zeit und wollte mich deshalb nun um einen Termin für den Umtausch kümmern", berichtet sie.

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Termine in der Führerscheinbehörde müssen derzeit vorab online oder telefonisch gebucht werden. Ohne eine solche Terminbuchung sind Erledigungen im Landratsamt nicht möglich. Ilona Tauchmann und ihr Mann versuchten zuerst online einen Termin zu bekommen. Der einzige, der ihnen nach mehrfachen Versuchen angeboten wurde, war Mitte September um 17.50 Uhr, also zehn Minuten vor Schließung des Amtes. "Wie soll man in einer so kurzen Zeit seinen Führerschein umtauschen", fragt sich die Zittauerin und hatte den Termin letztlich nicht gebucht.

Vielmehr versuchte sie es nun telefonisch über das Bürgertelefon. Nach 15 bis 20 Minuten Wartezeit meldete sich eine Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung. Sie sei absolut nett gewesen, meint Ilona Tauchmann, doch einen Termin konnte sie ihr nicht geben. Denn für den Standort Zittau waren in den nächsten zwei bis drei Wochen alle Termine ausgebucht. Ilona Tauchmann sollte es am nächsten Tag noch mal versuchen, empfahl ihr die Landkreis-Mitarbeiterin.

Die Zittauerin versuchte es also am darauffolgenden Tag erneut. Und erlebte das gleiche Spiel: Erst musste sie ewig in der Telefonschleife warten, um dann zu erfahren, dass alle Termine bereits vergeben sind. Vier Tage bemühte sich die Zittauerin, telefonisch einen Termin zu bekommen. Vergebens.

Vergeben werden Termine immer nur für die nächsten zwei bis drei Wochen. So bekam Ilona Tauchmann also auch keinen späteren Zeitpunkt vorgeschlagen.

Die Mitarbeiter hätten ihr allerdings einen freien Termin in den Führerscheinbehörden in Görlitz oder Löbau anbieten können. "Als Bürgerin mit dem Wohnsitz in Zittau erwarte ich, dass ich meinen Führerschein in Zittau umtauschen kann und nicht noch Zeit und Fahrtkosten nach Löbau oder Görlitz investieren muss", meint sie.

Ilona Tauchmann hat erst mal aufgegeben. Stattdessen schrieb sie einen offenen Brief an den Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU), in dem sie ihn um eine Stellungnahme bittet, wie die betroffenen Zittauer Bürger einen zeitnahen Termin in Zittau bekommen können. Denn sie ist sich sicher, dass sie mit ihrem Problem nicht allein ist.

Und liegt damit wohl nicht so falsch. Wie die SZ erfahren hat, ist auch die Terminvergabe für die Erteilung eines Führerscheins schwierig. Eine junge Fahranfängerin berichtete der SZ, dass sie seit Tagen versucht, online einen Termin zu bekommen, um ihre Anmeldung für den Führerschein abzugeben. Immer wieder gibt es die gleiche Information: "Keine freien Termine gefunden." Telefonisch hatte man sie zuvor auf die Online-Buchung verwiesen. Ohne Anmeldung kann die Fahrschülerin auch keine Prüfung ablegen.

Behörde ist seit Mai überlastet

Die Kfz-Zulassungsbehörde und die Fahrerlaubnisbehörde sind seit Mai stark überlastet, teilt Kreissprecherin Franziska Glaubitz mit. Es seien weniger Termine verfügbar als benötigt werden. "Nachholeffekte der pandemiebedingten Mindernachfrage aus dem ersten Quartal 2021 sowie von Ende 2020 treffen mit Aufgabenzuwächsen besonders im Führerscheinbereich und einem hohen Krankenstand zusammen", erklärt Frau Glaubitz. "Die erhoffte saisonale Entspannung im August ist nicht eingetreten."

Ebenfalls komme es immer wieder vor, dass nicht mehr benötigte Termine nicht storniert und damit nicht anderweitig vergeben werden können. Die Stornierung von gebuchten Terminen kann online oder über die Telefon-Hotline 03581 663 5300 erfolgen.

Ilona Tauchmann wüsste eine Lösung: "Nehmen Sie sich ein Beispiel am Klinikum Zittau", schreibt sie an den Landrat. "In der Corona-Pandemie war das gesamte Personal durch unzählige Überstunden bereit, die Patienten zu versorgen und den Betrieb aufrechtzuerhalten. Da wurde nicht nach freien Tagen gefragt oder persönliche Interessen in den Vordergrund gezerrt. Die Geschäftsleitung war sehr kreativ! So etwas kann ein Bürger auch von Verwaltungsangestellten des Landratsamtes erwarten!"

Der Landkreis arbeitet an einer Lösung. Derzeit wird die Abteilung Bürgerservice durch Auszubildende des Landratsamtes verstärkt – dies werde schrittweise weiter intensiviert, so die Kreissprecherin. Außerdem werden zur Vertretung von langzeiterkrankten Mitarbeitern zwei zusätzliche Stellen geschaffen. Einzelne, bereits seit Längerem vakante Stellen im Führerscheinbereich sind dagegen trotz mehrfacher öffentlicher Ausschreibung aus Mangel an geeigneten Bewerbern noch immer unbesetzt und wurden erneut ausgeschrieben.

Die Zahl der bearbeiteten Anträge lag für die Zulassungsbehörde im Juni und Juli 2021 auf dem Niveau der Jahre 2018 und 2019. Im Fahrerlaubnisbereich wurden in diesen Monaten sogar 30 Prozent mehr Anträge bearbeitet als im Vergleichszeitraum. "Dass das Leistungsniveau trotz Personalausfalls gehalten beziehungsweise deutlich gesteigert werden konnte, liegt an der Rationalisierung durch die Einführung des Terminvergabesystems sowie die Ermöglichung der gebündelten Abgabe von Zulassungsanträgen durch Autohäuser und Zulassungsdienste", erklärt Frau Glaubitz.

Ilona Tauchmann hofft, in den nächsten zwei Wochen eine persönliche Antwort des Landrates zu bekommen. Erst dann will sie sich wieder um einen Termin für den Führerschein-Umtausch bemühen. Die Chance, dann einen Termin zu bekommen, ist da. Laut Kreis werden täglich neue Termine mit Vorläufen von einer bis vier Wochen freigeschaltet. Die Verfügbarkeit von Terminen werde ständig an den Personalbestand angepasst. "Das Landratsamt ist dringend bemüht, die Terminvorlaufzeiten wieder zu verkürzen", verspricht Frau Glaubitz.

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