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Wenn der Schulweg jetzt zu gefährlich ist

Schlegler Kinder müssen seit der Änderung des Busplans eine Bundesstraße überqueren. Dass dies eine Gefahr ist, bestätigen auch Verkehrskontrollen.

Für die auswärtigen Schüler der Ostritzer Schkola ist es seit der Fahrplanumstellung nicht mehr so einfach, ihre Schule zu erreichen.
Für die auswärtigen Schüler der Ostritzer Schkola ist es seit der Fahrplanumstellung nicht mehr so einfach, ihre Schule zu erreichen. © Matthias Weber (Archiv)

Dass ihre Kinder sicher zur Schule kommen, ist der Wunsch aller Eltern. Auch der von Sören Frenzel. Der Schulweg seines Sohnes ist aber keinesfalls sicher, findet der Schlegler. Sein Sohn besucht die vierte Klasse der Ostritzer Schkola. Um zu der freien Schule zu kommen, muss der Viertklässler mit öffentlichen Bussen fahren.

Das war bislang kein Problem, sagt Sören Frenzel. Sein Sohn fuhr mit dem Bus über Dittersbach, wo er umsteigen musste, nach Ostritz. Seit der Fahrplanumstellung Anfang des Jahres gibt es diese Verbindung nicht mehr. Aufgefallen ist das der Schlegler Familie jedoch erst jetzt, da seit Montag die Grundschüler in Sachsen wieder zur Schule gehen.

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Laut Sören Frenzel gibt es jetzt zwei Möglichkeiten. Sein Sohn steigt an der Haltestelle Schlegel-Niederdorf in die Linie 13 nach Hirschfelde. Am Diska-Markt muss er in die Linie 12 in Richtung Görlitz umsteigen. "Die Wartezeit beträgt hier 20 Minuten", berichtet der Schlegler. Das an sich ist nicht das größte Problem - bei gutem Wetter. Bei minus 18 Grad, wie am Montagmorgen, sei es aber schon eine Zumutung für die Grundschüler, findet der besorgte Vater.

Raser gefährden Schüler

Viel schlimmer sei aus seiner Sicht, dass die Grundschüler die viel befahrene Bundesstraße 99 überqueren müssen. Das gelte ebenso für die Haltestelle Schlegler Weg. Hier könnte sein Sohn alternativ einsteigen, müsste in diesem Fall aber mehr als drei Kilometer bis zu dieser Haltestelle laufen - und zugleich die B99 queren.

"An dieser Stelle gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung", kritisiert Sören Frenzel. Bis vor einiger Zeit galt am B99-Abzweig nach Schlegel eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern. Nach dem Bau der separaten Linksabbiegerspur wurde diese Beschränkung aufgehoben. Seitdem darf in dem Abschnitt wieder 100 Kilometer pro Stunde gefahren werden.

Nur halten sich nicht alle daran. "Hier gibt es regelmäßig erhebliche Übertretungen der Geschwindigkeit", meint Sören Frenzel. Die Übersicht der schlimmsten Raser im Landkreis im Jahr 2020 gibt seinem Eindruck recht: Mit Tempo 174 ist demnach ein Autofahrer auf der B99 am Abzweig Schlegel vorbeigerast - also 74 Kilometer pro Stunde zu schnell. Dafür musste der Raser ein Bußgeld in Höhe von 600 Euro zahlen, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.

Es wird aber nicht nur zu schnell gefahren, in der Vergangenheit sind auch immer wieder Unfälle an dieser Stelle passiert. Schon zu DDR-Zeiten verunglückten am Schlegler Abzweig zwei Schüler. Im August 2000 wurde ein 13-Jähriger von einem Fahrzeug erfasst und starb. Drei Schwerverletzte und 15.000 Euro Schaden waren die Folge eines Zusammenstoßes zweier Pkw im Jahr 2005. Es sollte nicht der letzte Unfall bleiben.

Späterer Schulbeginn

"Es kommt zu einer massiven Gefährdung der Schüler", findet Sören Frenzel. Und ist sich darin mit anderen Eltern aus Schlegel einig. Die wollen ihre Kinder auch nicht an der B99 einsteigen lassen. Viele bringen ihren Nachwuchs lieber selbst zur Schule. Sören Frenzel ist das nicht möglich. Sein Arbeitsbeginn ist um 6.15 Uhr in Görlitz, auch seine Frau startet um 7 Uhr in Großhennersdorf. Ihr Sohn würde dann ewig vor der Schule stehen, weil noch niemand da ist.

Und die Wartezeit bis zur ersten Stunde ist noch viel länger. Denn der Unterrichtsbeginn hat sich durch die Fahrplanumstellung nach hinten verschoben. Statt wie vorher 7.45 Uhr, geht es jetzt erst 8.30 Uhr los.

Dass der Landkreis mit den Betroffenen vorab nicht geredet hätte, kann man ihm nicht vorwerfen. Im zweiten Quartal 2019 habe es laut Kreissprecherin Julia Bjar ein erstes Treffen mit Städten und Gemeinden sowie Schulen - auch freien - gegeben, bei dem die geplanten Änderungen am Fahrplan vorgestellt wurden. Eine weitere Vorstellung fand im April 2020 statt. Auch damals waren Vertreter der Kommunen und Schulen eingeladen. "Alle Städte, Gemeinden und Schulen erhielten im Nachgang der Veranstaltung alle Fahrpläne inklusive Schülerlinien als Dateien, sowie den neuen, schematischen Liniennetzplan zur weiteren Verwendung", weist die Kreissprecherin hin.

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