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Wie sich die "Villa" verändert hat

In der Oberlausitz gibt es Häuser, die viele Menschen kennen – aber nicht deren Geschichte. Die SZ stellt einige wie das Zittaus Kinder- und Jugendhaus vor.

Das Eingangsportal des Zittauer Kinder- und Jugendhauses „Villa“ an der Hochwaldstraße. Elemente des Bauhausstiles sind deutlich erkennbar.
Das Eingangsportal des Zittauer Kinder- und Jugendhauses „Villa“ an der Hochwaldstraße. Elemente des Bauhausstiles sind deutlich erkennbar. © Rolf Hill

Zu den dominierenden Gebäuden im Süden der Großen Kreisstadt Zittau gehört seit nunmehr 90 Jahren der Komplex der 1930 eingeweihten ehemaligen Handwerkerschule an der Hochwaldstraße mit dem sich anschließenden Städtischen Kinder- und Jugendhaus „Villa“. Schon das äußere Bild lässt vermuten, dass dieses Ensemble etwa zur gleichen Zeit entstand. So geht aus den Unterlagen des Bauarchivs hervor, dass die Stadt am 6. Juni 1929 beantragte, an der damaligen Ebertstraße ein Jugendheim zu errichten. Mit der Bauplanung und späteren Ausführung wurde die Firma J. W. Rothe AG Neugersdorf beauftragt. Aus den beigefügten Plänen ist ersichtlich, dass es sich hier zunächst tatsächlich um ein Heim, also eine Unterkunft mit abgeschlossenen Wohnungen gehandelt haben muss.

Ein neuer Abschnitt begann am 7. Oktober 1950, als das Gebäude zum ersten Jahrestag der Gründung der DDR feierlich als „Haus der Jungen Pioniere“ eingeweiht wurde. Damals befand es sich noch in der Rekonstruktion. 1955 gab es laut Aktenlage einen weiteren Antrag zum Neubau eines Jugendklubhauses. Aber auch hier dürfte es sich um einen Um- bzw. Anbau gehandelt haben. Interessant ist übrigens auch, wie oft die anliegende Straße ihren Namen wechselte. Auf Feldstraße im Jahre 1890 folgten Königstraße, Ebertstraße, Adolf-Hitler-Straße, Hochwaldstraße, Straße der Jungen Pioniere (dem Haus angemessen) und nun wieder die Hochwaldstraße.

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Das Haus selbst unterstand als Bildungs- und Freizeiteinrichtung dem Landkreis. Betrieben wurde es in erster Linie durch ehemalige Lehrer und Pädagogen. Es entfaltete sich eine rege Zirkeltätigkeit. Eine der auch über Zittau bekannt gewordenen Arbeitsgemeinschaften war das am 1. Oktober 1965 gegründete Fanfarenorchester „Otto Grotewohl“ unter Leitung von Helmut Ewers. Vielseitige Kontakte per Ätherwellen pflegten die Amateurfunker der UKW-Klubstation um Eberhard Neumann. Immer wieder gab es Umprofilierungen und bauliche Veränderungen, wie Arbeits- und Werkstatträume für den Hausmeister.

Neue Kellerräume entdeckt

Natürlich brachte das Jahr 1990 in diesem Bereich ebenso tiefgreifende Veränderungen mit sich wie überall. Seit dieser Zeit liegt die Zuständigkeit wieder bei der Stadtverwaltung, Referat Schulen, Sport & Kitas. Viel Neues entstand, so z. B. 1992 eine Schank- und Speisewirtschaft mit Tanzveranstaltungen und Imbissangebot sowie ein Jahr danach die kommerziell betriebene Disco. In diese Zeit fällt auch der Tanzclub „New City Villa“, auf den vermutlich der heutige Name „Villa“ zurückzuführen ist. Zwar ist das Betreibermodell inzwischen ein völlig anderes geworden, aber das Haus erfreut sich noch immer großer Beliebtheit.

Referatsleiter Dr. Volker Beer verweist in diesem Zusammenhang auf die Vielzahl der Angebote. Druckerei, Töpferei, ein mobiler Spielplatz, Computerkabinett, Experimentierwerkstatt, Kreativ-Eck und Verkehrsgarten gehören ebenso dazu wie die Kinderstadt Zittopia. Leider bringt die gegenwärtige Corona-Situation tiefe Einschnitte mit sich. Die Zeit ohne Besucher wird zur Trockenlegung des gesamten Untergeschosses genutzt. Dabei wurden durch die Bauleute zwei bisher völlig unbekannte Kellerräume entdeckt und freigelegt. Da aber deren Nutzung nicht vorgesehen ist, wurden sie inzwischen wieder verfüllt. Nun gilt es also abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.

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