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Neue Chance für geschichtsträchtiges Haus

Zuerst sollte die Breite Straße 2 in Zittau Technisches Rathaus werden, dann gastronomisch und touristisch genutzt werden. Nun gibt es neue Ideen.

Martinus van Paridon (rechts) und Christian Kunath wollten die Breite Straße 2 in Zittau mit Leben erfüllen. Sie haben sich allerdings von dem Projekt zurückgezogen.
Martinus van Paridon (rechts) und Christian Kunath wollten die Breite Straße 2 in Zittau mit Leben erfüllen. Sie haben sich allerdings von dem Projekt zurückgezogen. ©  privat

Wie sich die Situationen gleichen: Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Zittauer Stadtrates dem Verkauf der Breite Straße 2 an die Kunath & van Paridon GbR beschlossen. Einstimmig und ohne große Diskussion. Nun sollte der Ausschuss erneut über den Verkauf der Breite Straße 2, dem sogenannten Vollbrecht'schen Haus, beschließen. Und auch diesmal fackelten die Räte nicht lange. Nach wenigen Minuten war die Vorlage abgehandelt, die große Mehrheit stimmte für den Verkauf.

Dass das Thema überhaupt wieder auf der Tagesordnung stand, hängt mit dem Rückzug von Martinus van Paridon und Christian Kunath, den bisherigen Kaufinteressenten, zusammen. Sie haben von dem Vorhaben, die Breite Straße 2 zu sanieren und zu bewirtschaften, Abstand genommen. Die Betreiber des Zittauer Burgerrestaurants "Mr. Bales" wollten das leer stehende Gebäude gastronomisch und touristisch nutzen.

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"Corona hat alles geändert"

"Corona hat alles geändert", begründet Martinus van Paridon den Rückzug. Eine gastronomische Nutzung zu planen, sei derzeit sehr schwierig. Als sie ihr Nutzungskonzept bei der Stadt eingereicht hatten, war Corona noch kein Thema. Kurz vor dem Notartermin, bei dem der Kauf des Hauses besiegelt worden wäre, gab es im Frühjahr 2020 den ersten Corona-Lockdown. Sie haben daraufhin die Reißleine gezogen. "Wir konnten das Projekt nicht mehr guten Gewissens angehen", findet van Paridon.

Er bedaure den Rückzug sehr, findet es schade, das Vorhaben nicht umsetzen zu können. Die potenziellen Investoren wollten sich aber auch nicht unglücklich machen. Denn Kauf und Sanierung der Breite Straße 2 hätten sie über einen Kredit finanzieren müssen.

Martinus van Paridon ist aber auch froh, dass das geschichtsträchtige Haus eine weitere Chance zur Belebung bekommt. Die Firma "büroplan" will das Objekt künftig nutzen. Das Unternehmen hatte aus Sicht der Stadtverwaltung und der Räte das konkreteste Nutzungskonzept vorgelegt. Die Breite Straße 2 soll demnach zu einem Geschäfts- und Wohnhaus umgebaut werden. Geplante Investition: 2,1 Millionen Euro.

Insgesamt vier Kaufinteressenten hatten nach der erneuten Ausschreibung der Immobilie Angebote eingereicht. Sie wollten die Räume unter anderem für Kleinst- und Einzelhandel, als Restaurant, als Büro und Ferienwohnungen oder Galerie und Infozentrum nutzen.

Neue Käufer sind keine Unbekannten

Die neuen Käufer sind wie die "Burger-Meister" Martinus van Paridon und Christian Kunath keine Unbekannten in Zittau. Ina Ultsch leitet seit 2016 die Firma "büroplan". Ihre Mutter, Karin Fehrmann, hatte diese 2001 gegründet, damals war das Unternehmen noch an der Bahnhofstraße ansässig. 2014 zog "büroplan" an den Töpferberg. Hier platzt die Firma inzwischen aus alle Nähten. Deshalb suche man schon seit einigen Monaten nach größeren Räumlichkeiten, berichtet Ina Ultsch.

In der Innenstadt fand sich bislang keine geeignete Immobilie, die sich für diese Nutzung eigne und alle Bedingungen erfülle. Die Büromöbel-Firma braucht unter anderem einen behindertengerechten Zugang, viel Lagerfläche, Ausstellungsräume sowie eine Be- und Entladezone, die nicht den Fußgänger- und Straßenverkehr behindere.

Da sich in der Innenstadt nicht Passendes fand, gab es Überlegungen, am Stadtrand neu zu bauen. Bevor die Option konkreter wurde, bot sich die Breite Straße 2 als mögliches Objekt an. Lange war diskutiert worden, das Gebäude als Technisches Rathaus zu nutzen. 2019 wurde das Vorhaben beerdigt und das Haus zum Verkauf ausgeschrieben.

"Als ich mir das Haus das erste Mal angeguckt habe, musste ich es erst mal setzen lassen", meint Ina Ultsch. Obwohl sie sich den Bauzustand noch schlimmer vorgestellt hätte. "Es muss aber viel gemacht werden und das wird ein Kraftakt", sagt die "büroplan"-Chefin. Sie hofft, dass die Sanierung Ende 2022 abgeschlossen ist.

Geplant sei, so Frau Ultsch, das komplette Erdgeschoss sowie einen Teil der oberen Etage für die Firma zu nutzen. Die anderen Räume sollen zu Wohnungen umgebaut und vermietet werden. Im Erdgeschoss sei auch ein kleines gastronomisches Angebot vorstellbar. Damit könnten unter anderem Studenten vom nahen Campus angesprochen, aber auch den Kunden der Firma die Wartezeit verkürzt werden.

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