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Keine Wärme - und bald kein Wasser mehr

Weil der Hausbesitzer nicht zahlt, bleibt das Wasser in der Klosterstraße 2 in Zittau seit Tagen kalt. Nun droht die nächste Sperrung - und es gibt weitere Probleme.

Monika Penkert zeigt das Schreiben der Stadtwerke, mit dem die Sperrung der Wasserversorgung angekündigt wird.
Monika Penkert zeigt das Schreiben der Stadtwerke, mit dem die Sperrung der Wasserversorgung angekündigt wird. © Foto: Jan Lange

Warmes Wasser - darauf muss Monika Penkert seit über einer Woche unfreiwillig verzichten. Die Zittauer Stadtwerke haben die Wärmeversorgung für das Haus Klosterstraße 2 gesperrt. Trotz mehrfacher Mahnungen sind offene Rechnungen vom Vermieter nicht beglichen worden, teilt die Geschäftsführerin Sandra Tempel mit. Deshalb wurde am 3. Juni die Wärmeversorgung unterbrochen.

Als wenn das nicht schlimm genug wäre, droht den Bewohnern der Klosterstraße 2 wegen der Zahlungsrückstände ihres Vermieters nun auch die Sperrung der Wasserversorgung. Der Hauptwasserzähler sollte eigentlich am Donnerstag gesperrt werden. Aus aktuellen Gründen wurde sie aber verschoben, erklärt Sandra Tempel. Nun soll die Sperrung am kommenden Montag erfolgen.

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Monika Penkert und ihre Nachbarn sind keineswegs auf den städtischen Versorger wütend. Vielmehr richtet sich ihr ganzer Ärger auf ihren Vermieter. Der habe die Abschläge der Hausbewohner erhalten, aber nicht an die Stadtwerke weitergeleitet. Und das nicht zum ersten Mal.

Wie die Zittauer Stadtwerke bestätigen, mussten bereits früher Sperrungen bei der Klosterstraße 2 vorgenommen werden. Ende März saßen die Bewohner schon einmal ohne warmes Wasser und mit kalter Heizung da. Die Temperatur in ihrer Wohnung sei auf neun Grad gefallen, meint Monika Penkert. Tina Hentschel, die im Erdgeschoss ein Büro für Familienrecht und Meditation betreibt, kann das nur bestätigten. "Die Temperatur lag knapp über null. Es war belastend", meint sie.

Über zwei Wochen mussten sie mit der Situation leben - erst Mitte April erfolgte die Entsperrung, nachdem Hauseigentümer und Energieversorger eine einvernehmliche Lösung erzielt hatten.

Mehrfach versucht, Kontakt herzustellen

Monika Penkert war von dem Verhalten ihres Vermieters nicht überrascht. Sie wohnt seit 2011 in der Klosterstraße 2 - und seitdem habe sich der Eigentümer nicht wirklich um das Haus gekümmert. Zuerst gehörte das Objekt noch der Mutter des heutigen Besitzers, wurde von einem Unternehmen vor Ort verwaltet. Der jetzige Eigentümer übernahm dann das Haus. Inzwischen hat der Verwalter die Betreuung des Hauses gekündigt.

Seitdem begannen die Probleme, wie die Mieter berichten. Der neue Eigentümer hatte keine Kontoverbindung angegeben, auf die die Miete gezahlt werden konnte. An ihn heranzukommen, sei unendlich schwierig, meint Tina Hentschel. Auch die Zittauer Stadtwerke haben angesichts der aktuellen Zahlungsrückstände mehrfach versucht, den Kontakt zum Vermieter herzustellen. "Leider ist uns dies bisher nicht gelungen", sagt Sandra Tempel.

Die SZ konnte den Vermieter ebenfalls nicht erreichen, um von ihm eine Stellungnahme zu den Zahlungsrückständen und Sperrungen zu bekommen. Er sei nicht erreichbar, rufe aber umgehend zurück, lässt er auf seiner Mailbox-Ansage wissen. Gemeldet hat er sich bis zum späten Freitagnachmittag nicht.

Besonders hart war es im Januar dieses Jahres nach einem Wasserschaden. Die Mieter sprachen ihm auf die Mailbox, dass es von der Decke tropfe und es günstig sei, wenn er sich melden würde. Er bat sie lediglich, das Wasser abzustellen. Zwei Wochen mussten Monika Penkert und ihre Nachbarn ohne Wasser auskommen. "Wir sind jeden Tag hereingekommen, haben den Haupthahn für eine halbe Stunde aufgedreht, damit sich die Bewohner in dieser Zeit duschen und etwas Wasser abfüllen konnten", berichtet Tina Hentschel.

Wahrscheinlich hätte diese Situation noch länger angedauert, wenn nicht ein Heizungsmonteur aus Jonsdorf seine Vermittlung angeboten hätte. Der Handwerker kontaktierte den Vermieter, der in Schwaben wohnt, und beseitigte anschließend den Wasserschaden. Die Bewohner der Klosterstraße 2 werden dennoch jeden Tag daran erinnert, denn im Hausflur ist dadurch eine Zwischendecke heruntergekommen.

Die Decke hat der Vermieter ebenso wenig erneuert wie die eingesackte Einfahrt. Über das Loch in der Einfahrt wurde nur ein Sperrgitter gelegt.

Eine Zwischendecke im Hausflur ist nach dem Wasserschaden heruntergekommen.
Eine Zwischendecke im Hausflur ist nach dem Wasserschaden heruntergekommen. © Foto: Jan Lange

Monika Penkert hat längst genug. Ende April kündigte sie ihre Wohnung. Nachdem das entsprechende Einschreiben nach 14 Tagen ungeöffnet zurückgekommen war, schaltete die Zittauerin einen Anwalt ein. Nächste Woche wird sie nun umziehen - zum Glück hat sie in der Nähe, in der Brüderstraße, eine Wohnung gefunden.

Dennoch macht sie sich Sorgen um die Nachbarsfamilien, die beide aus dem Ausland kommen. "Mein direkter Nachbar geht arbeiten, ist gut integriert", berichtet Monika Penkert. Er und seine Frau sind verzweifelt, weil sie die Situation nicht verstehen. Obwohl sie immer rechtzeitig die Mieten gezahlt haben, stehen sie nun ohne Wärme - und bald auch ohne Wasser - da. Schon allein aus sprachlichen Gründen ist es für sie nicht so einfach, eine neue Wohnung zu finden.

Wer kann helfen?

Tina Hentschel half ihnen in den vergangenen Wochen so gut es geht. Wer helfen kann, beispielsweise mit einer Wohnung, kann sich an ihr Büro wenden. Sie muss für ihr eigenes Büro ebenfalls eine Alternative finden. Erst im Sommer 2019 investierte sie eine Menge Geld in die jetzigen Räumlichkeiten, erhielt dafür auch eine Förderung der Stadt. Wegen dieser finanziellen Unterstützung muss das Ersatzbüro zwingend in der Innenstadt sein - andernfalls muss sie die Förderung zurückzahlen. Freitag unterschrieb sie einen Mietvertrag für die Neustadt 16, wo zuvor Michel-Reisen ein Büro hatte.

Die Stadtwerke haben derweil den Bewohner der Klosterstraße 2 angeboten, in die bestehenden Vertragsverhältnisse des Hauseigentümers einzutreten und die laufenden Forderungen gemeinschaftlich zu übernehmen. Für Tina Hentschel ist das keine Option - denn wenn einer nicht zahlt, müssten die anderen dessen Summe mit übernehmen.

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