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Was Denkmalpflege alles verhindern kann

Großschönau will eine neue Kinderkrippe bauen. Der Plan ist fertig, Fördergeld ist in Aussicht - nur damit hat niemand gerechnet.

Nicht nur die schöne Villa des Großschönauer Kinderhauses "Benjamin" steht unter Denkmalschutz, sondern auch das Gelände ringsum.
Nicht nur die schöne Villa des Großschönauer Kinderhauses "Benjamin" steht unter Denkmalschutz, sondern auch das Gelände ringsum. © Matthias Weber/photoweber.de

Es scheint der perfekte Plan: In Großschönau werden wieder mehr Kinder geboren - und schnellstmöglich auch mehr Betreuungsplätze gebraucht. Da gibt es für die Gemeinderäte gar keine Frage. Schon vor zwei Jahren haben sie einstimmig beschlossen, dem Glück der jungen Familien selbstverständlich Rechnung zu tragen. Mehrere Varianten und Möglichkeiten wurden geprüft, als wirtschaftlich am sinnvollsten hatte sich schließlich ein eingeschossiger Krippen-Neubau auf dem schönen Grundstück der Kinderhaus-Villa an der Hauptstraße erwiesen.

Gesagt, getan: Die Pläne sind fertig, die Fördermittel aus dem Investitionsprogramm "Kinderbetreuungsfinanzierung" sind zugesichert, der Bauantrag ist gestellt. Nur: Bauen darf die Gemeinde nicht. Jedenfalls nicht auf dem schönen Grundstück des Kinderhauses "Benjamin". Die schöne Villa steht nämlich unter Denkmalschutz - und nicht nur die Villa, sondern auch der Park, der sie umgibt.

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Dabei ist der Park jahrzehntelang schon kein historischer Villengarten mehr. Seit den 1950er Jahren wird das Haus als Kindergarten genutzt - und der schöne große Garten als Spielplatz mit großer Freifläche zum Toben, mit Sandkasten, Klettergerüst, Schaukel und Rutsche. "Der ursprüngliche parkähnliche Charakter ist längst verloren gegangen", sagt Bürgermeister Frank Peuker (parteilos) und schüttelt den Kopf. Schon vor zwei Jahren hatte die Gemeinde deswegen bei der Denkmalbehörde beantragt, den Garten aus ihrer Liste zu streichen.

Aber die Denkmalpfleger denken nicht daran. Die Untere Denkmalbehörde hat den Antrag rigoros abgelehnt. Ein Widerspruch der Gemeinde sei vollkommen zwecklos, hat die Obere Denkmalbehörde dem Bürgermeister signalisiert. Auch der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) hat nichts ausrichten können, als er sich persönlich bei den Denkmalschützern für den Großschönauer Krippen-Bau einsetzen wollte. "Es führt leider überhaupt kein Weg rein", sagt der Bürgermeister.

Dann wird eben auf das Nachbargrundstück gebaut

Aber so leicht lassen sich die Großschönauer Gemeinderäte nicht entmutigen. Die Krippenplätze werden dringend gebraucht. Der Neubau kann nicht aufgeschoben werden, bis die Denkmalpflege vielleicht doch eines fernen Tages ihre Zustimmung gibt. Der Baubeginn kann auch nicht länger warten, weil sonst die schon in Aussicht gestellten Fördermittel des Bundes in Höhe von fast 700.000 Euro nicht mehr in Anspruch genommen werden könnten.

"Um die Terminkette einhalten zu können, müssen wir spätestens Mitte Juni mit dem Bau beginnen", erklärt der Bürgermeister. Und nach vielen Überlegungen gibt es jetzt eine - im wahrsten Sinne des Wortes - naheliegende Lösung. Die neue Krippe wird jetzt direkt daneben auf das Nachbargrundstück gebaut, das ebenfalls der Gemeinde gehört.

Allerdings muss die Gemeinde dafür einen höheren Preis zahlen: Das Grundstück wurde viele Jahre als Lagerplatz genutzt, erklärt der Bürgermeister. Entsprechend des Baugrundgutachtens muss nun mit Mehrkosten für einen größeren Erdaushub gerechnet werden. Hinzu kommen zusätzliche Kosten für einen Zaun, für die Zufahrt und die Begrünung. "Wir rechnen mit rund 20.000 Euro", sagt der Bürgermeister.

Die Großschönauer Gemeinderäte tragen das Vorhaben mit. Einstimmig haben sie dem Ortswechsel des Bauvorhabens zugestimmt. Die Krippenplätze werden schließlich dringend gebraucht. Über die Haltung der Denkmalpfleger können auch sie nur den Kopf schütteln.

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