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Was im Schweizer Radio über Zittau läuft

Europa finden alle gut, nicht aber die EU. Das ist die Erkenntnis eines Reporters nach einem Besuch im Dreiländereck. Hier sein preisgekrönter Bericht:

Der Dreiländereck-Punkt in Zittau ist die Stelle, die auch Europa symbolisiert.
Der Dreiländereck-Punkt in Zittau ist die Stelle, die auch Europa symbolisiert. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der Schweizer Journalist Peter Voegeli hat gezeigt, wie man mit Zittau gewinnt: Für seine reichlich fünfminütige Radioreportage "Zittau – mitten in Europa, aber nicht mitten in der EU", die im öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunk lief, erhält er den renommierten europäischen Civis Medienpreis 2020 in der Kategorie "Kurze Programme Radio".

In seinem Bericht aus Zittau spürt Voegeli der These nach, dass die Stadt direkt im Dreiländereck doch wie nur wenige andere Regionen in Deutschland von der EU, von ihrem Geld und von den offenen Grenzen profitieren müsste. Und der Reporter fragt sich, warum Zittau dennoch eine Hochburg der eurokritischen, sich gegen den Rest der Welt abschottenden AfD ist. 

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Er geht unvoreingenommen und differenziert an seine Arbeit, lässt Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) genauso zu Wort kommen wie den AfD-Fraktionsvorsitzenden Jörg Domsgen. "Deutschland sollte eher in die eigene Wirtschaft investieren als Geld nach Brüssel zu überweisen", sagt letzterer und erklärt, dass alleine in Zittau in den letzten 20 Jahren ein Investitionsstau von fast 100 Millionen Euro aufgelaufen sei. 

Der OB erzählt, dass die offenen Grenzen hier längst Normalität sind, dass zu jedem Eishockeyspiel der Weißen Tiger auch 1.000 deutsche Fans nach Liberec (Reichenberg) fahren, und dass die Sparkasse in Zittau rund 50 Millionen Euro Spareinlagen von polnischen und tschechischen Kunden verwaltet.

Am Ende kommt Peter Voegeli zu dem Schluss: Europa finden in Zittau alle gut, nicht aber die EU. Und er glaubt auch zu wissen, warum das so ist: Weil sie sich hier ganz weit im Osten vergessen und vernachlässigt fühlen. Hier der Beitrag zum Nachhören:

Die Jury des Civis Medienpreises lobt, dass der Beitrag ein gelungenes Beispiel dafür sei, wie man unvoreingenommen an ein Thema herangehen und es doch sehr engagiert aufgreifen könne. Der Autor mache Europa erfahrbar und das auf unerwartete Weise, am Beispiel einer kleinen Stadt an den östlichen Grenzen Deutschlands.

Der Medienpreis für Migration, Integration und kulturelle Vielfalt zeichnet Sendungen im Radio, Film, Fernsehen und Internet aus, die das friedliche Zusammenleben in der europäischen Einwanderungsgesellschaft fördern. Für den diesjährigen Wettbewerb waren über 900 Programme aus 22 EU-Staaten eingereicht worden.

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