merken
PLUS Zittau

Was sollen diese Corona-Maßnahmen?

Manche Anordnungen lassen sich nur schwer erklären. Die SZ hat im Namen von Löbauer/Zittauer Gewerbetreibenden in Sachsens Sozialministerium nachgefragt.

Torsten Grundmann, Grit Ulbrich, Steffen Spata und Andreas Becker (v. l. o. n. r. .) gehören zu denen, die von den Corona-Schutzmaßnahmen betroffen sind.
Torsten Grundmann, Grit Ulbrich, Steffen Spata und Andreas Becker (v. l. o. n. r. .) gehören zu denen, die von den Corona-Schutzmaßnahmen betroffen sind. © Matthias Weber/Rafael Sampedro

In den sozialen Netzwerken machen gerade ein paar Zeilen die Runde, die das Dilemma ganz gut verdeutlichen: "Frau X. hat 10 Uhr einen Termin zum Schnelltest. 8 Uhr geht sie in den Supermarkt, 9 Uhr geht sie in die Drogerie, 9.30 Uhr ist sie in der Sparkasse, 9.45 Uhr beim Bäcker. Der Schnelltest um 10 Uhr ist negativ. Jetzt kann sie endlich ins Schuhgeschäft." Es gibt Anordnungen in der Corona-Schutz-Verordnung, die nur schwer zu verstehen sind, die teilweise auch unlogisch erscheinen. Warum ist das so? Die SZ hat Fragen von Betroffenen an das sächsische Sozialministerium weitergeleitet.

Grit Ulbrich, Uhren- und Schmuckhändlerin

Grit Ulbrich in ihrem Uhren- und Schmuckgeschäft im Zittauer Rewe-Zentrum.
Grit Ulbrich in ihrem Uhren- und Schmuckgeschäft im Zittauer Rewe-Zentrum. © Matthias Weber/photoweber.de

Das kleine Uhren- und Schmuckgeschäft von Grit Ulbrich liegt im Eingangsbereich zum Rewe-Center in Zittau. Zu ihr dürfen Kunden nur kommen, wenn sie einen Negativ-Test vorlegen, außerdem muss sie ihre Namen und Telefonnummern in eine Liste eintragen. Im gleichen Zuge aber gehen die Kunden weiter in den Rewe-Supermarkt. Auch im Post-Shop, im Blumen- oder Buchladen können Kunden ohne Test einkaufen. "Warum darf ich dann nur getestete Kunden bedienen? Was macht das für einen Sinn?", fragt die Händlerin.

Anzeige
Verstärkung in IT und Projektleitung gesucht
Verstärkung in IT und Projektleitung gesucht

Das Maschinenbauunternehmen AUMA Drives GmbH sucht einen Projektleiter Produkteinführung (m/w/d) und einen Senior IT-Administrator (m/w/d).

Das antwortet das Sozialministerium: Beim Supermarkt handelt es sich um ein Geschäft des täglichen Bedarfs, was beim Uhrengeschäft nicht der Fall ist. Da letzteres Angebot an die Infektionslage geknüpft ist, gelten hier gesonderte Auflagen. Es ist allgemeines Ziel, Kontakte und Mobilität so weit wie möglich zu reduzieren und Begegnungen auch so weit wie möglich einzuschränken.

Steffen Spata, Ferienwohnungs-Vermieter

Steffen Spata vermietet in Oybin Ferienwohnungen. Seit November stehen sie leer.
Steffen Spata vermietet in Oybin Ferienwohnungen. Seit November stehen sie leer. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Steffen Spata und seine Frau leben seit Anfang November vom Ersparten. Der Gastwirt aus Oybin darf weder sein Restaurant "Almanka" öffnen, noch die dazugehörigen Ferienwohnungen vermieten. "Warum dürfen Urlauber nach Mallorca fliegen, aber nicht in eine Ferienwohnung ins Zittauer Gebirge kommen?", fragt Steffen Spata.

Das antwortet das Sozialministerium: Die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung ist ebenso wie das Infektionsschutzgesetz im Geltungsbereich auf den Freistaat oder eben auf die Bundesrepublik begrenzt. Zudem darf deutschen Staatsbürgern die Wiedereinreise in die Bundesrepublik grundsätzlich nicht untersagt werden. Ein komplettes Ausreiseverbot ist nur schwerlich umsetzbar und verstößt gegen geltendes EU-Recht. Da Beherbergungsverbote somit nicht für das Ausland ausgesprochen werden können, bleibt allein die Möglichkeit dezidierter Einreiseregelungen wie Testpflicht oder Quarantäne. Grundsätzlich gilt aber auch in der neuen Corona-Schutz-Verordnung die Empfehlung, auf Reisen und Besuche zu verzichten, insbesondere wenn damit das Überschreiten der Landesgrenze Sachsens bzw. der Bundesgrenze einhergeht.

Andreas Becker, Gastwirt

Andreas Becker betreibt die Baude auf dem Oderwitzer Spitzberg.
Andreas Becker betreibt die Baude auf dem Oderwitzer Spitzberg. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

In der großen Baude auf dem Oderwitzer Spitzberg wäre es kein Problem, die Tische auf Abstand zu stellen - weder drinnen im Saal noch draußen im großen Biergarten. Aber weder drinnen noch draußen darf Baudenwirt Andreas Becker derzeit Gäste bewirten. Er fragt: "Wenn Menschen mit einem Negativtest jetzt einkaufen dürfen, warum dürfen sie dann nicht auch getestet zum Essen in seine Gaststätte kommen?"

Das antwortet das Sozialministerium: Grundsätzlich ist festzustellen, der Hauptübertragungsweg für SARS-CoV-2 ist „die respiratorische Aufnahme virushaltiger Partikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen, Singen und Niesen entstehen". Dabei erhöht sowohl die Anzahl von Kontakten als auch deren Dauer das Risiko einer Übertragung des Virus. Vor diesem Hintergrund wurden im Bereich der Gastronomie Maßnahmen zur Kontaktreduzierung ergriffen – insbesondere auch zur Vermeidung länger anhaltender Kontakte durch Verweilen in der jeweiligen gastronomischen Einrichtung. Beim Einkaufen mit "Click & Meet" gelten Quadratmetervorgaben pro Kunde, die in der Gastronomie kaum umsetzbar sind.

Torsten Grundmann, Bergbauden-Betreiber

Torsten Grundmann darf auf dem Hochwald auch draußen keine Gäste bewirten.
Torsten Grundmann darf auf dem Hochwald auch draußen keine Gäste bewirten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der zweithöchste Berg des Zittauer Gebirges ist ein beliebtes Ausflugsziel. Aber oben auf dem Hochwald darf Torsten Grundmann Wanderern und Mountainbikern nur einen Imbiss und etwas zu Trinken zum Mitnehmen anbieten. Der Verzehr ist erst in 50 Metern Entfernung von der Baude erlaubt. An die Tische auf der Terrasse darf sich - auch mit Abstand - niemand setzen. Nicht nur für Torsten Grundmann ist diese Regelung unverständlich. "Warum darf ich nicht wenigstens Außengastronomie anbieten?", fragt der Bergbaudenwirt.

Das antwortet das Sozialministerium: Auch in dieser Frage geht es um die weitmöglichste Reduzierung von Kontakten. Stehtische oder Sitzplätze im Freien können zu unerwünschten Menschenansammlungen einladen und damit zu vermeidbaren Kontakten führen. Im Rahmen eines Modellprojektes wird derzeit unter wissenschaftlicher Begleitung aber erprobt, unter welchen Bedingungen unter Umständen eine Öffnung von gastronomischen Einrichtungen in Erwägung gezogen werden könnte.

Zufrieden mit den Antworten aus dem Sozialministerium sind die Händler, Wirte und Gewerbetreibenden nicht. Vielen von ihnen steht das Wasser bis zum Hals. "Wir haben alle Hygiene-Konzepte, die gut funktionieren", sagt Grit Ulbrich. "Ich verstehe diese Regeln einfach nicht mehr."

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Weiterführende Artikel

Alle Infos zum Coronavirus im Kreis Görlitz

Alle Infos zum Coronavirus im Kreis Görlitz

Infektionszahlen, Polizeikontrollen und die Auswirkungen auf das Leben der Bewohner: Aktuelle Geschichten und Entwicklungen dazu sind hier zu lesen.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Zittau