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Diese Schule war mal ein Gymnasium

Vor 100 Jahren wurde die Weinau-Schule in Zittau eröffnet, in Kriesgszeiten zum Lazarett und trug in der DDR den Namen eines Bürgerrechtlers.

Die Zittauer Weinauschule heute. Errichtet wurde sie von 1914 bis 1920 an der Bismarckallee, die heute Weinauallee heißt.
Die Zittauer Weinauschule heute. Errichtet wurde sie von 1914 bis 1920 an der Bismarckallee, die heute Weinauallee heißt. © Matthias Weber (Archiv)

Deutsche Schulpolitik ist schon lange eine komplizierte und vor allem regionalisierte Sache. So gab es in Sachsen bereits vor 1900 zwei Arten von Gymnasien – „humanistische“ und „reale“. In Zittau teilten sich die beiden Modelle ein Haus. Der Bau eines neuen Gymnasiums an der damaligen Bismarckallee in der Weinau sollte das ändern.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 28. Mai 1914, also kurz vor dem 1. August, dem Eintritt Deutschlands in den Ersten Weltkrieg. Das brachte Bauplanung und -ablauf natürlich durcheinander. Nach fast planmäßigem Beginn ging es immer zögerlicher voran.

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1916 gelang es immerhin, den Hochbau abzuschließen, trotz schmerzlichster Auswirkungen des Krieges. So fielen Zittaus Stadtbaudirektor Trunkel und der Architekt Hähnel in den ersten Kriegsjahren. Auch zahlreiche Bauarbeiter waren an der Front, viele kamen nie wieder. Die Weiterführung des Baues in den Folgejahren war von Materialmangel gezeichnet. Weitergebaut wurde zwar, aber nicht mit der vorgesehenen Geschwindigkeit. Am Ende waren die Kosten von geplanten 654.000 Mark auf rund drei Millionen gestiegen, obwohl auf manches vorgesehene repräsentative Element verzichtet wurde, darunter einige Holzdecken.

Als das Gebäude eingeweiht wurde, tat sich ringsum noch eine große Leere auf.
Als das Gebäude eingeweiht wurde, tat sich ringsum noch eine große Leere auf. © Sammlung Hartmut Weickelt

Für die Fensterfront der Aula gab es dagegen eine besondere Konstellation. Erfreulicherweise fanden sich Spender für ihre künstlerische Gestaltung. Die Zittauer Kunstwerkstätten für Glasmalerei und Kunstverglasungen von Richard Schlein fertigten fünf prachtvolle Glasfenster, für die Dr. Friedrich Krampf die Zeichnungen lieferte. Die Idee stammte vom Zittauer Rechtsanwalt Dr. Franz Ulrich Apelt. Das neue Gymnasium hatte zwölf Klassenzimmer, ein Doppelklassenzimmer, Gesangssaal, Zeichensaal, Schulbibliothek, Elternsprechzimmer, Arztzimmer... Natürlich gab es auch eine Turnhalle und eine attraktive Wohnmöglichkeit für den Rektor.

Lazarett im Zweiten Weltkrieg

Die Eröffnung des neuen Gymnasiums erfolgte nach einem regelrechten Drehbuch. Es begann am Freitag, dem 8. Oktober 1920, mit einer Abschiedsfeier im Johanneum, dem bisherigen Gymnasium. Abends führten Schüler im Lindenhof das Schauspiel „Antigone“ auf. Am Sonnabendvormittag zogen die Gymnasiasten mit Fahnen von der Hauptturnhalle zum neuen Gymnasium. Dort gab es eine Einweihungsfeier, der sich ein Rundgang mit Besichtigung der Schule anschloss. Es folgte ein Schauturnen auf dem neuen Turnplatz. Ende der Feierlichkeiten war ein Festball in den „Kronensälen“, dem heutigen Volkshaus.

Eine lange Geschichte als Gymnasium sollte dieses Gebäude allerdings nicht erleben. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es Lazarett. Und das anders strukturierte DDR-Bildungssystem ordnete es als Oberschule ein. In der Reihe der Polytechnischen Oberschulen Zittaus bekam sie die Nummer 5. Ende der 1960er Jahre hob die Schule sich dann aber doch etwas heraus. Sie bekam den Namen „Du-Bois-Oberschule“ verliehen. Ein Name, der in Zittau vielfach wie geschrieben ausgesprochen wurde. Wäre die französische Aussprache richtiger gewesen? 

Viele Leute dürften die Namensänderung wohl aber nur am Rande registriert haben. „Ehrennamen“ wurden seinerzeit häufig vergeben. Oft wurde vermutet, dass Du Bois ein Präsident eines befreundeten afrikanischen Staates war. Das war Prof. Dr. William Du Bois aber nicht. In Zittau gab es wohl die einzige DDR-Schule, die den Namen dieses US-amerikanischen Bürgerrechtlers trug. Wie es dazu kam, ist sicher ein interessanter Forschungsgegenstand. Vielleicht für geschichtsinteressierte Schüler der heutigen „Schule an der Weinau“?

Sie sollten sich der spannenden Historie ihres hundertjährigen Schulhauses bewusst sein. Und sie sollten auch um die dort vor hundert Jahren trotz Knappheit entstandenen Kunstwerke wissen. Kunst am Bau und die inspirierende Fensterfront der Aula machen dieses Gebäude durchaus zu einer heimlichen Sehenswürdigkeit Zittaus. (mit hs)

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