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Rüge für Gubisch: Ist diese Werbung sexistisch?

Die Zittauer Rohstoff-Recycling-Firma hat ein frauenherabwürdigendes Motiv auf ihrem Fahrzeug, so der Deutsche Werberat. Was der Unternehmer dazu sagt.

Mit diesem Motiv wirbt Gubisch auf einem seiner Fahrzeuge. Der Werberat findet das sexistisch.
Mit diesem Motiv wirbt Gubisch auf einem seiner Fahrzeuge. Der Werberat findet das sexistisch. © Werberat/ Beschwerdeführer

Eine Frau in Dessous und mit Hut liegt auf einer Couch, in der Hand hält sie eine Zigarette, der Blick ist in die Kamera gerichtet. Das Motiv findet sich so auf der Rückseite eines Fahrzeuges der Firma Rohstoff-Recycling Gebrüder Gubisch aus Zittau. Darauf steht: "Zu alt? Zu verbraucht? Zu abgeledert? Wir entsorgen fast alles - auch Ihre ALTE (Couch :-)".

Der Deutsche Werberat hat dieses Foto jetzt als sexistisch und frauenherabwürdigend gerügt. Das Wortspiel verstärke den Eindruck, teilt er mit. "Und auch hier besteht kein Zusammenhang zur beworbenen Dienstleistung." Eine Öffentliche Rüge ist die schärfste Strafe des Werberats. Diese kommt immer dann zum Einsatz, wenn ein Unternehmen trotz Kritik nicht einsichtig ist und eine beanstandete Werbung auch nach Aufforderung nicht ändert oder entfernt.

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Und die Zittauer Firma hat das auch nicht vor. "Wir finden das nur lächerlich, deshalb bleibt die Werbung drauf", sagt Geschäftsführer Holger Gubisch. Zumal er sich nach eigenen Angaben bei der Entwicklung des Motivs vollkommen rausgehalten hat. Stattdessen kam die Idee dazu von den Frauen in seinem Unternehmen, die diese mit einer weiteren Dame von einer Werbeagentur schließlich auch umsetzten. Anlass war der Kauf eines neuen Sattelaufliegers, der seit März vornehmlich auf Autobahnen unterwegs ist.

Während auf den Seiten des Fahrzeugs mit dem Logo und Dienstleistungen für das Zittauer Unternehmen geworben wird, sollte hinten etwas Humorvolles stehen – einen Hingucker, der einen schmunzeln lässt. "Wir können alle darüber lachen und verstehen das Problem nicht", sagt Ehefrau Silke Gubisch. Die Dame auf dem Foto habe sich freiwillig ablichten lassen und Geld dafür erhalten. Es sei auch nirgendwo eine nackte Brust oder ein nackter Po zu sehen.

Konsequenzen hat die Rüge des Werberats nicht. Das Gremium darf nicht in die Veröffentlichungspraxis von Firmen und Medien eingreifen. Laut Werberat stoppt oder ändert die überwiegende Mehrheit der Unternehmen aber nach einer derartigen Intervention seine Werbemaßnahmen - und nur wenige müssen überhaupt gerügt werden. Die Durchsetzungsquote liegt nach eigenen Angaben bei 94 Prozent. "Wo sind wir nur hingekommen?", fragt sich Silke Gubisch. "Wen die Werbung stört, der soll nicht hinschauen."

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