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Woran ein gutes Hochwasser-Projekt scheitert

Die Gemeinde Großschönau wollte in Waltersdorf ein Hochwasser-Rückhaltebecken bauen. Sechs Jahre später ist das Projekt für die Tonne.

So sah es am 7. August 2010 in Waltersdorf aus. Die Gemeinde Großschönau wollte diese Situation in Zukunft verhindern.
So sah es am 7. August 2010 in Waltersdorf aus. Die Gemeinde Großschönau wollte diese Situation in Zukunft verhindern. © Feuerwehr/Norman Postler

Sechs Jahre Planung und 30.000 Euro Planungskosten: Für die Tonne! Auf ihrer Septembersitzung haben sich die Großschönauer Gemeinderäte einstimmig von einem grundsätzlich guten und sinnvollen Bauprojekt verabschiedet, das sie sechs Jahre zuvor ebenso einstimmig beschlossen hatten. "Es hat keinen Sinn, an dem Plan weiter festzuhalten", muss Bürgermeister Frank Peuker (parteilos) feststellen und klingt resigniert. "Das ist wirklich sehr schade."

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Dabei haben die Großschönauer überhaupt nichts falsch gemacht. Die ganze Geschichte geht nämlich so: Nach dem verheerenden Hochwasser am 7. August 2010 hatte die Gemeinde nicht nur den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur geplant, sondern auch nachhaltige Maßnahmen für einen besseren Schutz vor künftigen Sturzbächen. Zu diesen Maßnahmen gehörte auch der Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens am Pfarrbach im Ortsteil Waltersdorf.

Im März 2015 hatten die Gemeinderäte das Vorhaben beschlossen und die Planung in Auftrag gegeben. 364.000 Euro Baukosten waren veranschlagt, eine 90-prozentige Förderung vom Freistaat in Aussicht gestellt, und alle Unterlagen bei den Behörden zur Genehmigung eingereicht. Besagtes Genehmigungsverfahren allerdings läuft immer noch.

"Zwischenzeitlich mussten wir die Planung immer wieder überarbeiten, weil die Untere und die Obere Wasserbehörde und die Landesdirektion immer wieder unterschiedliche Anforderungen gestellt haben", erzählt Großschönaus Bauamtsleiter Markus Hummel. Und jetzt, nach fünf Jahren, sei eine Genehmigung des Vorhabens immer noch nicht abzusehen.

Es sei noch nicht einmal abschließend entschieden, wer nun eigentlich genau wofür zuständig ist - die Untere Wasserbehörde im Landkreis oder die Obere Wasserbehörde bei der Landesdirektion, sagt Hummel. So werde bei der Landesdirektion nunmehr zum Beispiel das Nutzen-Kosten-Verhältnis angezweifelt - was wiederum die Förderwürdigkeit infrage stellt. Und auch die Landes-Talsperren-Verwaltung hat weitere Auflagen gestellt.

"Alles in allem haben sich die Baukosten für das Hochwasserrückhaltebecken inzwischen auf 610.000 Euro nahezu verdoppelt", erklärt Markus Hummel. "Und weitere Kostensteigerungen sind abzusehen." Eine fehlende Zustimmung von Eigentümern der für die Baumaßnahme benötigten Fläche sei bei der ganzen Sache ebenfalls noch ein Problem. Aber Überzeugungsarbeit für das Projekt muss die Gemeinde nun nicht mehr leisten. Das Hochwasserrückhaltebecken in Waltersdorf wird unter diesen Bedingungen nun nicht mehr gebaut.

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