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Wie ansteckend sind die Geimpften?

Können Geimpfte wirklich auf Corona-Tests verzichten? Olbersdorfs Bürgermeister ist da nicht so sicher. Das Sozialministerium argumentiert mit Zahlen.

Wer nicht vollständig gegen das Corona-Virus geimpft ist, muss zum Test. Aber können Geimpfte tatsächlich problemlos von der Pflicht ausgenommen werden?
Wer nicht vollständig gegen das Corona-Virus geimpft ist, muss zum Test. Aber können Geimpfte tatsächlich problemlos von der Pflicht ausgenommen werden? © dpa

Es ist eine Frage, die Olbersdorfs Bürgermeister schon lange umtreibt: Können Personen, die vollständig geimpft sind, das Corona-Virus tatsächlich nicht mehr übertragen? Andreas Förster (FDP) hat seine Zweifel nach allem, was er bisher hören und lesen konnte über die Wirksamkeit der Impfung - gerade erst in einem Beitrag aus dem Robert-Koch-Institut (RKI):

In der Veröffentlichung des RKI heißt es: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, sei niedrig, aber nicht Null. Es müsse ebenfalls davon ausgegangen werden, dass einige Menschen, die sich trotz Impfung mit dem Virus infizieren, auch infektiöse Viren ausscheiden. Für Andreas Förster ein Fakt, den man nicht so ohne Weiteres unterschlagen dürfe: "Kann man denn mit dieser Erkenntnis ruhigen Gewissens den Geimpften tatsächlich immer mehr Freiheiten einräumen und sie von jeder Testpflicht befreien?", fragt er.

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Denn das würde ja auch bedeuten, dass Geimpfte, die nun beispielsweise Museen oder Freibäder ohne tagesaktuellen Test und allgemein empfohlene Schutzmaßnahmen besuchen, ungeimpfte Menschen anstecken könnten, folgert der Bürgermeister. "Diese Frage muss man doch mal stellen und darüber diskutieren", sagt Förster - und hat sich an Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) gewandt: "Wer schützt denn nun die Ungeimpften - unabhängig davon, warum sie nicht geimpft sind - vor den vollständig Geimpften?", will er wissen.

Auf seine E-Mail vom 14. Juli hat Förster bisher noch keine persönliche Antwort der Ministerin erhalten. Sehr ausführlich antwortet indes eine Sprecherin des Sächsischen Sozialministeriums gegenüber der SZ: Grundsätzlich bestätigt das Ministerium, dass sich auch vollständig Geimpfte erneut mit dem Corona-Virus infizieren und erkranken können. "Allerdings infizieren sich vollständige Geimpfte sehr viel seltener, und sie erkranken - wenn überhaupt - nur mit deutlich milderen Symptomen", so die Sprecherin. Im Sozialministerium geht man davon aus, dass Geimpfte im Falle einer Ansteckung nur eine geringe Viruslast tragen und dies dann auch nur für eine sehr viel kürzere Zeit als Ungeimpfte. Geimpfte seien damit prinzipiell sehr viel weniger ansteckend für andere Menschen. Und: Einen 100-prozentigen Impfschutz gebe es auch bei anderen Impfungen grundsätzlich nicht.

20 Geimpfte in Sachsen nach Covid-Infektion gestorben

Vollständig Geimpfte und Genesene seien deswegen bezüglich der Gefährdung anderer anders einzustufen sind als Ungeimpfte, erklärt die Sprecherin und beruft sich ebenfalls auf die Erkenntnisse aus dem RKI. Diese Einschätzung stützt sich auf die erfassten Fallzahlen: Mit Stand vergangener Woche haben sich nach Angaben des RKI 824 von rund 1,9 Millionen vollständig Geimpften in Sachsen nachträglich mit dem Corona-Virus infiziert. Das sind rund 0,04 Prozent.

433 der trotz Impfung Infizierten hätten zudem keinerlei Symptome gezeigt. Von den Geimpften mit Symptomen mussten allerdings 91 im Krankenhaus behandelt werden. 20 von ihnen sind trotz ihrer vollständigen Impfung an der Corona-Infektion gestorben. Die Verstorbenen waren alle über 70 Jahre alt.

Es sei bekannt, dass der Impfschutz bei über 70-Jährigen und bei immungeschwächten Menschen als etwas geringer einzustufen ist, als bei jüngeren, heißt es aus dem Ministerium. Generell bedeute dies aber nicht, dass Personen, die trotz Impfschutz erkranken, auch im gleichen Maße ansteckend seien wie Ungeimpfte. Auch diese Gefahr sei nach wissenschaftlichen Erkenntnissen um ein Vielfaches geringer.

Vor diesem Hintergrund sei es nicht nur möglich und legitim, sondern auch notwendig, Geimpften - und in diesem Zuge auch Genesen - mehr Freiheiten einzuräumen: So heißt es in einer juristischen Beurteilung aus dem Bundesjustizministerium: Ist aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse hinreichend belegt, dass das Restrisiko einer Weiterübertragung ganz erheblich und auf ein toleriertes Maß gemindert ist, müssen für diese Personengruppen im gebotenen Umfang Erleichterungen und Ausnahmen von Schutzmaßnahmen vorgesehen werden.

Daran halte man sich auch in Sachsen, so die Sprecherin des Sozialministeriums. Dennoch rät das Ministerium auch Geimpften, ein verbleibendes Ansteckungs-Restrisiko zusätzlich zu reduzieren. "Wir empfehlen, auch nach der Impfung die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten und Lüften weiterhin einzuhalten", sagt die Sprecherin.

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So richtig überzeugt ist Olbersdorfs Bürgermeister davon nicht. Gerade erst hat er in einem Zeitungsartikel gelesen, wie China mit der neuen Delta-Variante kämpft und das regelmäßige Testen - auch der Geimpften - weiter zur chinesischen Strategie in der Bekämpfung der Pandemie gehört. Und ganz so weit muss Andreas Förster gar nicht schauen. Im Klinikum Oberlausitzer Bergland beispielsweise werden auch geimpfte Mitarbeiter zwar nicht mehr regelmäßig, aber sobald mögliche Symptome auftreten, mit einem PCR-Test getestet.

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