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Sieben Grad Celsius im Kinderzimmer

Eine alleinerziehende Mutter aus Zittau und ihre drei Kinder müssen wochenlang in einer kalten Wohnung ausharren. Ein Fall, der betroffen macht.

Wenn das Thermometer in der Wohnung nur sieben Grad Celsius zeigt: Eine alleinerziehende Mutter und ihre drei Kinder haben einen wirklich harten Winter erlebt.
Wenn das Thermometer in der Wohnung nur sieben Grad Celsius zeigt: Eine alleinerziehende Mutter und ihre drei Kinder haben einen wirklich harten Winter erlebt. © Matthias Weber/photoweber.de

"Wenigstens hat uns das abgehärtet", wird Cindy S. am Ende sagen. Es wird keine Erleichterung aus ihren Worten klingen, nicht einmal ein bisschen Galgenhumor. Der alleinerziehenden Mutter von drei Kindern ist alles andere als nach Lachen zumute.

Wie verloren sitzt die 39-Jährige am Tisch, knetet ihre Hände und wirkt traurig. Sie weiß, dass sie sich von ihrem Vermieter viel zu viel hat gefallen lassen. Schon seit einigen Jahren wohnt sie mit ihrem 18-jährigen Sohn, der 14-jährigen Tochter und ihrem Jüngsten, der jetzt zweieinhalb ist, in der Mansardenwohnung eines Zittauer Altbauhauses: vier Räume, 72 Quadratmeter, schöner Garten.

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"Ich war riesig glücklich, als wir diese Wohnung gefunden hatten", erzählt sie. "Es war ja unglaublich schwer, überhaupt etwas Bezahlbares für uns zu finden." Cindy S. muss jeden Euro dreimal umdrehen. Seit sie als junge Frau bei einem schweren Verkehrsunfall auf dem Beifahrersitz saß und zwei Wirbelbrüche erlitt, ist sie erwerbsunfähig, muss sie mit den Schmerzen leben - und von EU-Rente.

Schon im ersten Winter zeigt sich, dass die obere Wohnung in dem Mehrfamilienhaus nicht so richtig warm wird. "Eigentlich hatten wir es nie viel wärmer als 17 Grad", erzählt die Zittauerin. Sie hat es hingenommen. Als sich an der Außenwand unter der Dachrinne Schimmel bildet, drückt der Vermieter ihr ein Merkblatt in die Hand, wie sie richtig zu Lüften hat.

"Wir haben immer viel und regelmäßig gelüftet", verteidigt sich Cindy S. Dem Schimmel aber wird sie nicht Herr, er bildet sich auch in den Fensternischen und im Bad. Cindy S. überstreicht und renoviert auf eigene Kosten, lüftet, wann immer es geht. Ihr Vermieter sieht sich nicht in der Pflicht.

Familie heizt mit Kerzen und Backofen

In den eisig kalten Tagen Anfang Februar fällt die Heizung für die Wohnung unterm Dach fast komplett aus. Im Kinderzimmer ihres Jüngsten zeigt das Thermometer nur noch sieben Grad, an den kältesten Tagen sogar nur 2,9 Grad. Das Wohnzimmer ist mit 15 Grad der wärmste Raum. Dort rückt die Familie zusammen. "Wir haben mit Kerzen geheizt und mit dem Backofen in der Küche", erzählt Cindy S., "und wir haben Tee gekocht und uns auf dem Sofa in dicke Decken gewickelt."

Am wärmsten sei es eigentlich gewesen, wenn sie mit ihren Kindern dick angezogen draußen im Schnee war, sagt sie. "Ich glaube, wir waren noch nie so viel draußen wie in diesem Winter." Und immer noch zahlt sie regelmäßig ihre Miete. Ein guter Freund schließlich drängt darauf, dass sich ein Heizungsfachmann die Sache ansieht. Seit voriger Woche ist die Heizung, die tatschlich kaputt war, repariert und die Wohnung der Familie endlich wieder warm.

Aber warum hat sich Cindy S. das so lange gefallen lassen? Die 39-Jährige blickt nachdenklich und sagt beinahe entschuldigend: "Ich dachte immer, der Vermieter wird sich doch kümmern. Ich hab mich einfach hilflos gefühlt." Als sie dann leise hinzufügt, dass sie mit den Nerven völlig am Ende sei, muss sie Tränen unterdrücken.

Stiftung Lichtblick kann helfen

Inzwischen haben Freunde Cindy S. geraten, sich an einen Anwalt zu wenden. Der hat jetzt durchgesetzt, dass sie ab Februar 30 Prozent weniger Miete zahlen muss. Wenigstens das. Und sie wird sich jetzt auch eine neue Wohnung suchen. Obwohl sie weiß, dass das nicht einfach wird. "Die beiden Großen und der Kleine wollen doch ihre eigenen Zimmer", sagt sie. "Ich weiß auch gar nicht, wie ich einen Umzug bezahlen soll."

Aber hier könnte es für die Familie einen kleinen Lichtblick geben. Der Förderverein der Schule ihrer Tochter will helfen und eine Unterstützung für den Umzug bei der Stiftung Lichtblick beantragen. Die Stiftung, für die Leser der SZ in dieser Saison mehr als eine Million Euro gespendet haben, hilft mit dem Geld Menschen in finanziellen Notlagen unkompliziert und schnell. Auch in der Region Löbau-Zittau haben die Spendengelder schon viel Gutes tun können. Sicher auch für Cindy S.

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