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Steigende Preise lassen Baupläne platzen

Großschönau will den Bahnhof retten und sichert das Gebäude denkmalgerecht. Das wird viel teurer als gedacht. Mit dem Problem steht die Gemeinde nicht allein.

Die Gemeinde Großschönau hat den Bahnhof ersteigert und sichert das Gebäude denkmalgerecht. Das ist nun viel teurer als gedacht.
Die Gemeinde Großschönau hat den Bahnhof ersteigert und sichert das Gebäude denkmalgerecht. Das ist nun viel teurer als gedacht. © Matthias Weber/photoweber.de

911.000 Euro werden nicht reichen! Die denkmalgerechte Sicherung des großen Großschönauer Bahnhofsgebäudes wird viel teurer als gedacht. Dabei hat sich bei den Planungen niemand verrechnet. Mit dem, was Bauherren wie die Gemeinde Großschönau derzeit erleben, konnte - vor der Corona-Pandemie - ja auch niemand rechnen.

Im weltweiten Lockdown wurden Produktionen gedrosselt und internationale Handelsbeziehungen gekappt. Die Folge: Baumaterial aller Art ist knapp und teuer geworden. Das spüren Baufirmen und Bauherren nun gleichermaßen. Nur ein Beispiel: Für die Natursteinarbeiten an der historischen Bahnhofs-Fassade, für Fenstergewände, Sockel und Simse, hatte das mit der Planung beauftragte Ingenieurbüro knapp 40.000 Euro eingeplant. Das preiswerteste Angebot auf die Ausschreibung liegt jetzt um 10.000 Euro darüber. Eine Verteuerung um 25 Prozent. Die Großschönauer Steinmetzfirma Dünnbier hat den Zuschlag für den Auftrag trotzdem erhalten. "Es ist einfach kein besseres Ergebnis mehr zu erwarten", muss Großschönaus Bauamtsleiter Markus Hummel feststellen.

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Das preiswerteste Angebot auf die ausgeschriebenen Malerarbeiten an der Bahnhofsfassade liegt zehn Prozent über den veranschlagten Baukosten. "Auch hier sehe ich keine Chance, dass wir noch mal ein günstigeres Angebot bekommen", sagt Hummel. Die Ausschreibung für den geplanten Zwischenbau an der Großschönauer Pestalozzi-Oberschule, der die beiden Schulgebäude verbinden sollte, hat die Gemeinde hingegen vor Kurzem aufgehoben, weil die Angebote der Firmen weit über den veranschlagten Baukosten lagen. Wieder aufgehoben ist auch die Ausschreibung für das Gründach auf dem neuen Kita-Gebäude. "Die beiden Angebote, die wir bekommen haben, waren für uns viel zu teuer", erklärt Bürgermeister Frank Peuker (parteilos). Die Gemeinde will das jetzt noch mal mit einer zweiten Ausschreibung versuchen.

Und, um wieder auf den Bahnhof zurückzukommen, es gibt immer wieder Nachtragsleistungen zu bezahlen, höhere Kosten also, die den Baufirmen während ihrer Arbeit aus Gründen entstehen, die im Vorfeld nicht abzusehen waren. So beispielsweise bei den Zimmer- und Holzbauarbeiten im Dachstuhl: Die werden jetzt um mehr als 70.000 Euro teurer, weil während des Baus viel größere Schäden am alten Holz festgestellt worden sind, als vorher angenommen. "Die Baufirma musste zwei Drittel aller Dachsparren komplett austauschen", erklärt der Bauamtsleiter, "und das bei den aktuellen Holzpreisen." Diese Mehrkosten könne man ja nicht der Baufirma aufhalsen.

Mehrkosten von einer Viertelmillion Euro

Um 144.000 Euro ist die geplante Sicherung des Großschönauer Bahnhofsgebäudes bisher teurer geworden, hat Markus Hummel ausgerechnet. Rechnet man die aktuellen Preissteigerungen in der Baubranche in die noch nicht ausgeschriebenen Leistungen für die Innensanierung der Bahnhofshalle ein, kommen Mehrkosten von einer Viertelmillion Euro zusammen - Geld, das die Gemeinde nicht aufbringen kann.

Den Großschönauern bleibt jetzt nur, das Landesamt für Denkmalpflege, das das Projekt zum größten Teil fördert, um eine Nachförderung zu bitten, erklärt der Bauamtsleiter. Wenigstens für die bereits ausgeschriebenen Arbeiten an Dach und Fassade. Notfalls muss die geplante Innensanierung der Bahnhofshalle erst einmal bleiben. "Wir können jetzt nur abwarten und hoffen", sagt Hummel. Auch die Fördertöpfe im Land sind durch die sinkenden Steuereinnahmen in der Corona-Pandemie nicht mehr wie bisher gefüllt.

Die Großschönauer Gemeinderäte sind sich aber einig, das Vorhaben Bahnhofssanierung jetzt auch irgendwie zu Ende zu bringen - notfalls aus eigener Kraft. Schließlich ist das Projekt ein großartiges Beispiel dafür, wie mit kommunalem Engagement gegen Leerstand und Verfall vorgegangen werden kann: Während Bahnhöfe vielerorts in privaten Besitzverhältnissen verfallen, hat Großschönau das Gebäude ersteigert - mit dem Ziel, es zu retten, zu sanieren und wieder zu nutzen. Nächste Woche sollen die Dachdecker kommen.

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