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"Ja, wir entlassen Mitarbeiter"

Beat Meienberger, Chef des Küsters-Mutterkonzerns aus der Schweiz, sagt im SZ-Interview, wie es um den traditionellen Zittauer Textilmaschinenbauer bestellt ist.

Der Sitz von Küsters an der Gerhart-Hauptmann-Straße in Zittau. Er gehört zur Benninger-Gruppe, deren Geschäfte Beat Meienberger leitet.
Der Sitz von Küsters an der Gerhart-Hauptmann-Straße in Zittau. Er gehört zur Benninger-Gruppe, deren Geschäfte Beat Meienberger leitet. © Rafael Sampedro/Benninger/Montage: SZ-Bildstelle

Beim traditionsreichen Zittauer Textilmaschinenbauer Küsters werden Mitarbeiter entlassen. Das vermeintliche Gerücht erreichte die SZ von verschiedenen Seiten. Bereits zum Beginn der Corona-Krise hatte der Schweizer Mutterkonzern Bennninger bestätigt, dass er die Einführung von Kurzarbeit an seinem Zittauer Standort mit rund 60 Mitarbeitern vorbereitet. Benninger-Geschäftsführer Beat Meienberger sagt, was wirklich los ist: 

Herr Meienberger, wie geht es Küsters? Entlassen Sie wirklich Mitarbeiter.

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Ja, das kann ich bestätigen. Wir passen den Personalbedarf dem mittelfristigen Marktbedarf an.

Wie viele Mitarbeiter entlassen Sie?

Es gibt sieben betriebsbedingte Kündigungen. 

Werden weitere folgen?

Das kann ich noch nicht sagen. Das hängt davon ab, wie sich der Markt entwickelt.

Was ist der Grund für die Entlassungen?

Die Textilmaschinenbranche kämpft seit Mitte 2018 mit einer Marktschwäche. Damals begann der Handelskrieg zwischen der USA und China. Schon heute wird weltweit die Hälfte aller Fasern und aller Textilien in China hergestellt. Das bringt viel Unsicherheit, sodass Hersteller nicht mehr oder weniger in Maschinen investieren. Wir haben schon Mitte 2019 mit einer Strategieänderung darauf reagiert und passen unsere Strukturen an, um effizienter zu werden. Früher hatten wir zum Beispiel drei Divisionen, jetzt nur noch eine.  Das beinhaltet Personalanpassungen. Wir vereinfachen auch unsere Warenflüsse. In dem Zusammenhang gehen Versand und Logistik von unserem Standort in Zell nach Zittau, so wie sie schon 2017 aus Uzwil nach Zittau gegangen sind.  Aber wir haben nicht nur passive, sondern auch offensive Maßnahmen ergriffen. Wir entwickeln neue Produkte - auch in Zittau -  und haben eine Firma, die uns neue Chancen eröffnet, hinzugekauft.

Hat sich die Corona-Krise auch ausgewirkt?

Die kam noch oben drauf. Wir hatten kürzlich eine Versammlung der Schweizer Textilmaschinenbranche. Da wurde das Ausmaß klar: Textilunternehmen wie Zara - eines der größten der Welt - haben Umsatzeinbrüche von bis zu 30 Prozent. Die Fabriken in Bangladesh standen komplett still. Jetzt arbeiten sie bei 40 Prozent. Einer unser großen Kunden in Indien hat 50 Prozent seines Umsatzes verloren. Es ist ja auch kein Wunder, dass die Menschen weniger Kleidung kaufen. Es finden kaum noch Hochzeiten statt, keine Events und man kann nicht mehr wie gewohnt in den Urlaub fahren. Das soziale Leben ist heruntergefahren. Wir gehen derzeit davon aus, dass der Bedarf nicht vor dem dritten, vierten Quartal 2021 zurückkommt. Das alles hat natürlich auch dramatische Auswirkungen auf uns Textilmaschinenbauer. Der Grund für unsere Anpassungen ist also der Markt. Und wir sehen nicht, dass er sich kurzfristig ändert. Aber ich möchte betonen: Wir glauben an die Zukunft. 

Warum trifft es speziell Zittau?

Als wir 2017 wegen des im Vergleich zum Euro starken Franken die Produktion von Uzwil nach Zittau verlagerten, haben wir ein bisschen zu viel aufgebaut. Dazu kamen jährliche Lohnsteigerungen von jährlich zwei bis vier Prozent in Deutschland. Der Standort muss also effizienter werden. Damit meine ich aber ausdrücklich nicht die Mitarbeiter in der Produktion.  

Wie viele Mitarbeiter hat die Benninger-Gruppe insgesamt abgebaut?

Mit einer Firma und ihren 30 Mitarbeitern, die wir verkauft haben und die Ende September unseren Verbund verlässt, rund 50.

Wie viele bleiben?

Rund 330. Wenn es wieder nach oben geht, werden wir zuerst auf Zeitarbeiter zurückgreifen.

Und wie viele davon werden es ohne die gekündigten Mitarbeiter in Zittau sein?

Rund 50.

Müssen die sich um ihre Zukunft bei Küsters sorgen?

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Beim Textilmaschinenhersteller Küsters geht es wieder aufwärts – weil einige Kunden bewusst höhere Preise zahlen.

Ich mache mir keine Sorgen. Das Glas ist immer halb voll. Was sind denn die Grundvoraussetzungen, dass eine Firma eine Daseinsberechtigung hat? Erstens muss es einen Kundenbedarf geben. Die Weltbevölkerung wächst und braucht Kleidung. Der Bedarf ist also da. Und zweitens muss eine Firma wettbewerbsfähig sein. Ich bin mir sicher, dass Benninger und auch Küsters wettbewerbsfähig sind, zumal wir innovative, neue Produkte entwickeln. Der Rest ist von sehr vielen Faktoren abhängig, von denen ich nicht weiß, wie sie sich entwickeln. Also kann ich nicht sagen, was in fünf Jahren ist. Aber kurzfristig, heute und in drei Jahren, müssen sich die Mitarbeiter bei Küsters keine Sorgen machen. Wir brauchen den Standort. Trotzdem werden wir alles dafür unternehmen, dass die Firma profitabel wird. Das sind derzeit viele im Textilbereich nicht.

Sind Benninger und Küsters derzeit profitabel?

Nein, das ist nicht möglich. Aber noch einmal: Wir haben keine Zukunftsangst.

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