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Zittau: Am Fraunhofer-Neubau beginnt der Innenausbau

Das Dach konnte erst später gedeckt werden als geplant. Doch die Zittauer Forscher hoffen, die zeitliche Verzögerung bis zum Frühjahr aufzuholen.

Der Erweiterungsbau des Fraunhofer Kunststoffzentrums Oberlausitz in Zittau schreitet sichtbar voran.
Der Erweiterungsbau des Fraunhofer Kunststoffzentrums Oberlausitz in Zittau schreitet sichtbar voran. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der Rohbau des neuen Fraunhofer Kunststoffzentrums in Zittau ist schon eine Weile fertig, doch lange fand sich keine Dachdeckerfirma, die das Gebäude oben dicht machen konnte. Nun ist das Dach drauf. Das führte zwar zu einer kleinen Verzögerung beim Bauablauf, erklärt Professor Sebastian Scholz, der Leiter des Fraunhofer-Instituts. "Aber wir laufen nicht völlig aus dem Zeitplan", versichert er. Im Frühjahr 2022 soll der Neubau fertiggestellt sein, etwa eineinhalb Jahre nach Beginn der Arbeiten.

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Vor genau einem Jahr rückten die Bagger an. Inzwischen steht der Rohbau, die Fenster sowie der Großteil der Außentüren sind drin. Und da nun auch das Dach drauf ist, geht es jetzt mit dem Innenausbau und den Fassadenarbeiten weiter.

Die neuen Räume - das Fraunhofer-Institut ist künftig etwa viermal so groß wie jetzt - werden dringend benötigt. Im bisherigen Haus arbeiten die Forscher seit Längerem an der Kapazitätsgrenze. Eigentlich sind die neun Büros für 16 Mitarbeiter gedacht - 25 sind hier mittlerweile tätig, wobei die wissenschaftlichen Hilfskräfte dabei noch nicht mit eingerechnet sind. In den Büros sitzen drei statt zwei Mitarbeiter. "Wir sind deutlich überbelegt", meint Professor Scholz mit Blick auf die Arbeitsbedingungen.

Corona konnte diese wegen Homeoffice etwas entschärfen. Nach dem Ende der Homeoffice-Pflicht führte Fraunhofer ein Hybrid-Modell ein: Abwechselnd arbeiten zwei Beschäftigte im Büro, der dritte zu Hause.

In einigen Monaten sind die beengten Verhältnisse am Forschungsinstitut Geschichte. Dann stehen 17 Büros für je zwei Mitarbeiter sowie zwei Großraumbüros zur Verfügung. Die sind auch erforderlich, denn die Zahl der Beschäftigten soll sich schrittweise auf über 40 erhöhen.

In dem Anbau, der direkt am Stadtring entsteht, werden vor allem Labore und die neue Technikhalle zu finden sein. So wird eine 2.000-Tonnen-Presse hier ihren Platz finden. Mit dieser gewaltigen Anlage können in Zukunft industrietaugliche Bauteile wie beispielsweise Autotüren oder Bekleidungen für Innenräume von Zügen oder Bussen hergestellt werden.

Einer der größten 3-D-Drucker Deutschlands

Gleich daneben wird einer der größten 3-D-Drucker in Deutschland stehen. Bei einem Arbeitsraum von 60 Kubikmetern verarbeitet er bis zu 15 Kilogramm Kunststoff-Granulat in der Stunde. Bei den derzeitigen 3-D-Druckern sind es 50 bis 100 Gramm pro Stunde. Die Bauteile können somit in einer viel schnelleren Zeit gedruckt werden und sind damit auch deutlich günstiger.

Da der gigantische 3-D-Drucker zusätzlich mit einer Fräsmaschine kombiniert ist, können die Bauteile auch direkt in der gleichen Anlage nachbearbeitet werden. Gedacht ist dieser 3-D-Drucker für Großkomponenten, die in kleiner Stückzahl produziert werden.

Vielleicht kommen auch bald individuelle, begrünbare Fassadenelemente aus diesem Drucker. Die Fraunhofer-Mitarbeiter forschen bald mit Architekten eines Dresdner Ingenieurbüros sowie mit Biologen der Zittauer Hochschule an deren Entwicklung. Gebäudefassaden könnten so künftig individuell gestaltet und gleichzeitig großflächig begrünt werden. Es ist eines von mehreren Projekten des Fraunhofer Kunststoffzentrums in Zittau.

Die jetzigen Projekte können auf der erweiterten Institutsfläche gut bearbeitet werden, sagt Scholz. Das deutlich größere Forschungszentrum ist dann gut ausgelastet. Das bedeutet aber auch, dass für zukünftige Großprojekte kaum zusätzlicher Platz vorhanden ist. Und Forschungsthemen gebe es nach Einschätzung von Professor Scholz jede Menge - seien es nachhaltige Kunststoffe und Verbundwerkstoffe oder eine CO²-neutrale, hochautomatisierte Produktion.

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"Es wird perspektivisch eine nochmalige Erweiterung des Standorts erforderlich sein", ist sich der Leiter des Zittauer Fraunhofer-Instituts schon jetzt sicher. Theoretisch gibt es auf dem Campusgelände noch Möglichkeiten, sich zu vergrößern. Fraunhofer müsste diese Fläche aber erst erwerben. Die eigene Fläche sei durch die aktuelle Erweiterung ausgeschöpft.

Fraunhofer auch in den Mandauhöfen aktiv

Für die derzeitige Erweiterung brauchte es immerhin vier Jahre, bis die Arbeiten starten konnten. Schon 2016 zur Einweihung des Fraunhofer Kunststoffzentrums war klar, dass das Institut vergrößert werden muss, weil der Platz nicht ausreicht. Während die Arbeiten am Erweiterungsbau noch laufen, nutzen die Fraunhofer-Forscher schon andere Gebäude in der Stadt - so die "LANDER"-Halle an der Hochwaldstraße und die Mandauhöfe an der Äußeren Oybiner Straße. Daran wird sich auch nach der Fertigstellung des größeren Instituts am Stadtring erstmal nichts ändern.

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