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Wirtschaftskrimi um die Magro geht weiter

Das Amtsgericht hat einen Haftbefehl gegen den letzten Geschäftsführer des Traditionsunternehmens ausgestellt. In Bayern muss der Unternehmer vor Gericht.

Manfred Grützmacher sieht sich um sein Lebenswerk betrogen. Sein Nachfolger hat die Großschönauer Maschinenfabrik ausgeblutet.
Manfred Grützmacher sieht sich um sein Lebenswerk betrogen. Sein Nachfolger hat die Großschönauer Maschinenfabrik ausgeblutet. © Matthias Weber

Manfred Grützmacher ist an diesem Dienstagvormittag im Schneetreiben nicht zum Lachen zumute. Der 78-Jährige steht vor dem Fabrikgebäude an der Waltersdorfer Straße in Großschönau, das bis vor noch nicht allzu langer Zeit ein gut gehendes Unternehmen mit ausgezeichnetem Ruf beherbergte: die Maschinenfabrik Großschönau, allseits bekannt unter der Abkürzung Magro.

Grützmacher hat den Traditionsbetrieb durch die Wendezeiten geführt, privatisiert und zu einem erfolgreichen Unternehmen ausgebaut. Die Magro ist sein Lebenswerk, von dem er geglaubt hatte, es im Sommer 2018, damals schon 76-jährig, in gute Hände gegeben zu haben.

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Jetzt steht er hier im Schnee und organisiert den Abtransport einer riesigen Fräsmaschine. Eine Bank holt sich das drei Meter hohe und fünf Meter lange Horizontal-Fräsbearbeitungszentrum, das mal eine Viertelmillion Euro gekostet hat, als Sicherheit. Zwei riesengroße Kräne sind da, die die Maschine auf zwei Tieflader heben sollen. Mitarbeiter der Herstellerfirma sind extra aus Chemnitz gekommen, um den Koloss für den Abtransport zu zerlegen.

Manfred Grützmacher ist froh, dass er die Maschine aus der Werkshalle bekommt. Der Anfang vom Platzmachen. Die Gebäude der Maschinenfabrik gehören nach wie vor ihm. Er will sie an den Hainewalder Getränkehersteller Menschel-Limo verkaufen, der sich vergrößern will.

Die Maschinen hat ihm sein Nachfolger im Sommer 2018 abgekauft: Rudolf Keller, ein Unternehmer aus Oberfranken, der die Firma weiterführen will. Wie sich später herausstellt, ist das Geld dafür von verschiedenen Banken geliehen oder stammt aus dem Verkauf von Maschinen aus anderen Unternehmen, die Keller kauft.

Angeklagt wegen Unterschlagung

Keine zwei Jahre braucht Rudolf Keller, bis die Magro ausgeblutet ist. Mitarbeiter und Aufträge gehen weg, Maschinen verschwinden, Ende März letzten Jahres schließen die letzten paar verbliebenen Mitarbeiter die Werkhalle zu, nachdem sie monatelang nichts mehr von ihrem Geschäftsführer hören und nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Vor dem Arbeitsgericht klagen sie auf dreieinhalb Monatslöhne, die Rudolf Keller ihnen noch schuldet. Ein Kollege stellt Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung.

Wo Rudolf Keller steckt, wissen die ehemaligen Mitarbeiter nicht. Beim Vollstreckungsgericht am Amtsgericht in Löbau wissen sie es auch nicht. Der Gerichtsvollzieher, der die ausstehenden Löhne der Mitarbeiter eintreiben soll, hat jetzt jedenfalls einen Haftbefehl in der Hand, den das Gericht Mitte Dezember ausgestellt hat.

Und nicht nur das Löbauer Amtsgericht befasst sich mit der Akte Rudolf Keller. Am Amtsgericht im oberfränkischen Wunsiedel ist der Unternehmer wegen Unterschlagung angeklagt. Aus einer Firma in Thiersheim, die er gekauft hatte, soll er aus einer angemieteten Werkhalle eine Krananlage gestohlen haben, die er dem Vorbesitzer nicht bezahlt hatte. Die Gerichtsverhandlung ist für den 4. Februar um 14.15 Uhr angesetzt.

Manfred Grützmacher steht immer noch im Schneetreiben an der Waltersdorfer Straße. Der 78-Jährige sieht sich um sein Lebenswerk betrogen. "Das ist alles sehr bitter für mich", sagt er leise. Er hatte gehofft, mit dem Verkauf der Firma gut für die Zukunft seiner damals noch 34 Mitarbeiter gesorgt zu haben. "Aber da habe ich wohl dem Falschen vertraut", fügt er hinzu.

Es stehen noch so eine riesengroße Fräsmaschine - genau die gleiche - und noch einige andere Maschinen in den Großschönauer Magro-Hallen. Sie gehören Grützmacher nicht, sie gehören verschiedenen Banken. Aber irgendwer muss sich ja darum kümmern, dass sie aus den Hallen kommen, in die nun der Hainewalder Limonadenhersteller einziehen will. "Ich werde jetzt wohl einen Anwalt einschalten müssen", sagt er niedergeschlagen. Seinen Nachfolger Rudolf Keller kann auch er nirgends erreichen.

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