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Neuer Rückschlag für Hirschfelder Handel

Die Boutique am Markt schließt Ende Januar. Es war eines der letzten Geschäfte im Ortszentrum. Das wirkt sich auch auf andere Pläne aus.

Entlang der Zittauer Straße in Hirschfelde reiht sich ein leeres Schaufenster an das andere.
Entlang der Zittauer Straße in Hirschfelde reiht sich ein leeres Schaufenster an das andere. © Matthias Weber

Es ist ein trauriges Bild: Entlang der Zittauer Straße in Hirschfelde reiht sich ein leeres Geschäft an das andere. Nun verliert Zittaus größter Ortsteil einen weiteren Laden: Ende Januar schließt die "Boutique am Markt". Nach 27 Jahren macht Kerstin Winkel Schluss und eröffnet ein neues Modegeschäft mit Post-Shop in Zittau.

"Es tut mir leid für Hirschfelde", sagt die 53-jährige Unternehmerin. Zwischenzeitlich habe sie überlegt, beide Läden in Hirschfelde und Zittau zu betreiben. Doch letztlich sei ihr bewusst geworden, dass zwei zu viel sind und sie sich lieber auf einen konzentriert. Damit war auch das Ende des Hirschfelder Geschäftes beschlossen.

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Bis Ende Januar ist die "Boutique am Markt" noch geöffnet.
Bis Ende Januar ist die "Boutique am Markt" noch geöffnet. © Matthias Weber

Mit der "Boutique am Markt" verliert der 1.300-Seelen-Ort einen seiner letzten Läden im Ortszentrum. Es ist ein weiterer Rückschlag für den Hirschfelder Handel: Erst Mitte vorigen Jahres hatte Nixdorfs Fahrrad-Shop geschlossen. Sie reihen sich in eine Serie von Geschäftsschließungen in den vergangenen Jahren ein. Angefangen bei der Drogerie über den Zeitungs- und Schreibwarenladen, das "Blumenmädchen", die Fleischerei bis hin zum Tante-Emma-Laden von Heidi Grafe.

Im Gegenzug gab es so gut wie keine Neueröffnungen. Das "Grüne Äpfelchen" war zwar in die lange leer stehende, ehemalige Schlecker-Filiale gezogen, doch Inhaberin Urszula Para hatte schon nach wenigen Monaten wieder "die Koffer gepackt" und war nach Zittau umgezogen.

Müller: "Mehr als traurig"

"Es ist mehr als traurig", meint Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller (FUW) mit Blick auf die jüngste Geschäftsschließung. Schade findet er, erst nach der Entscheidung über die Schließung davon erfahren zu haben. Müller hätte sich gewünscht, dass man ihn vorher mal angesprochen hätte.

Ein Grund, die Boutique in Hirschfelde aufzugeben, war laut Kerstin Winkel auch der bauliche Zustand des Gebäudes, in dem sie eingemietet war. Der Eigentümer, ein Franzose, hatte an dem Haus nichts gemacht. Sie hätte sich also so oder so nach neuen Räumlichkeiten umschauen müssen, so Kerstin Winkel.

Er hätte sie dabei unterstützen können, meint Bernd Müller. Dem Ortsbürgermeister fällt sofort das Wohn- und Geschäftshaus an der Komtur-/Kirchgasse als Alternative ein. Hierher war bereits die Sparkasse nach dem Abriss der alten Filiale am Markt umgezogen.

Mit der Modeboutique verliert Hirschfelde auch seine Poststelle. Es gibt aber Bemühungen, einen anderen Unternehmer zu finden, der künftig Postdienstleistungen anbietet.
Mit der Modeboutique verliert Hirschfelde auch seine Poststelle. Es gibt aber Bemühungen, einen anderen Unternehmer zu finden, der künftig Postdienstleistungen anbietet. © Matthias Weber

Vorerst keine Poststelle mehr

Die Hirschfelder verlieren aber nicht nur einen Modeladen, künftig gibt es auch keinen Post-Shop mehr in dem Ortsteil. Die nächste Poststelle befindet sich dann in Zittau, wobei sich auch hier mit der Schließung der Hauptpost das Angebot verändert.

Vielleicht müssen die Hirschfelder aber gar nicht nach Zittau, um Briefe oder Pakete aufzugeben. Zittaus Wirtschaftsförderung ist nach eigener Darstellung bestrebt, dass ein anderes Unternehmen die Postdienstleistungen in dem Ortsteil übernimmt. Man sei dazu mit mehreren Gewerbetreibenden im Gespräch, erklärt Wirtschaftsförderin Gloria Heymann.

Wie Bernd Müller berichtet, sollen schon einige Unternehmer abgelehnt haben, Postdienstleistungen anzubieten. Und so groß ist die Zahl der möglichen Kandidaten nicht. Die Stadtverwaltung bestätigte derartige Absagen auf SZ-Nachfrage nicht.

Belebung von "Hirsch" wird schwerer

Hirschfeldes Ortschef wünscht sich von der städtischen Wirtschaftsförderung, dass sie auch mehr Kontakt mit kleinen Unternehmern in den Ortsteilen hält. Man solle sich deren Sorgen und Nöte aufschreiben, um mögliche weitere Geschäftsschließungen in Hirschfelde zu verhindern, fordert Müller. Rund um den Marktplatz gibt es derzeit unter anderem noch eine Apotheke, einen Sanitärbetrieb, eine Fahrschule und eine Ergotherapie.

Vor allem aber stehen rund um den Markt viele baufällige Häuser - so auch die ehemalige Gaststätte "Hirsch". Für das Objekt sollen seit Jahren neue Nutzer gefunden werden. Wenn in der unmittelbaren Umgebung jetzt ein weiterer Laden schließe, werden diese Bemühungen auf alle Fälle schwerer, glaubt Bernd Müller.

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