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Neue Generation in Zittaus ältestem Laden

"Theile & Wagner" existiert seit 150 Jahren. Demnächst wird die sechste Generation übernehmen. Die SZ gab dazu den Anstoß.

Marie und Christian Schwarzbach sind die sechste Generation in Zittaus ältestem Geschäft "Theile & Wagner".
Marie und Christian Schwarzbach sind die sechste Generation in Zittaus ältestem Geschäft "Theile & Wagner". © Matthias Weber/photoweber.de

Gute Nachricht für Zittaus ältestes Geschäft: Auch nach 150 Jahren hat "Theile & Wagner" eine Zukunft. Demnächst übernimmt die sechste Generation. Das ist nicht selbstverständlich gewesen. Denn Christian Schwarzbach, der Sohn des momentanen Inhabers Matthias Schwarzbach, ist eigentlich studierter Soziologe und arbeitete viele Jahre für den Deutschen Kinderschutzbund.

Dass er in den Handel gewechselt ist, daran ist die Sächsische Zeitung nicht ganz unschuldig. 2017 war in der Lokalausgabe über Zittauer Geschäftsinhaber berichtet, die auf der Suche nach einem Nachfolger sind. Auch Matthias Schwarzbach, der 1985 in das Familienunternehmen eingestiegen war und dieses seit 1994 als alleiniger Inhaber weiterführt, kam zum Wort.

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Nach der Veröffentlichung wurde Christian Schwarzbach auf die Nachfolgersuche seines Vaters angesprochen. "Da war der Samen gelegt", sagt der 38-Jährige. In der Folge machte er sich Gedanken über die eigene berufliche Zukunft. Vor einer Entscheidung suchte er auch die Beratung der Industrie- und Handelskammer (IHK). Statt ihm abzuraten, weil er doch aus einer völlig anderen Branche kam, hielten die IHK-Mitarbeiter die Übernahme für möglich. Sie erklärten ihm, welche Fortbildungen er vorher absolvieren müsse und welche Förderungen es für Firmennachfolger gebe. "Danach war ich an einem Punkt, wo ich mir den Einstieg vorstellen konnte", erzählt Christian Schwarzbach.

Christian und Marie Schwarzbach (Mitte) wollen den Fachgroßhandel weiterführen, Matthias Schwarzbach (rechts) und seine Frau legen ihr Augenmerk auf das Einzelhandelsgeschäft in der Reichenberger Straße 11.
Christian und Marie Schwarzbach (Mitte) wollen den Fachgroßhandel weiterführen, Matthias Schwarzbach (rechts) und seine Frau legen ihr Augenmerk auf das Einzelhandelsgeschäft in der Reichenberger Straße 11. © Thomas Glaubitz

Familienerbe erhalten

Er habe sehr gern beim Deutschen Kinderschutzbund gearbeitet, wollte aber auch das Familienerbe gern erhalten. Schließlich gibt es kein Geschäft in Zittau, das auf eine längere Tradition zurückblicken kann. Im November 2020 hatte mit dem Lederwarenladen in der Bautzner Straße das bis dato ältestes Geschäft in Zittau für immer geschlossen. Seitdem trägt "Theile & Wagner" diesen inoffiziellen Titel.

Er guckte sich dabei wohl etwas von seinem Vater ab. Matthias Schwarzbach hatte auch zuerst einen anderen Beruf erlernt, war Ingenieur für Kraftwerksbau. Mit 32 sattelte er dann in den Handel um und stieg ins Familienunternehmen ein. Er konnte damals auch in die Wohnung über dem Geschäft einziehen, die größer als seine bisherige war. So hatte er mit dem Berufswechsel auch das familiäre Wohnungsproblem gelöst.

Matthias Schwarzbach war von der Entscheidung seines Sohnes überrascht, aber auch froh, doch noch einen Nachfolger in der eigenen Familie gefunden zu haben. Christian Schwarzbach arbeitete erst mal ein Jahr in der Firma mit. Im Herbst 2020 stand für ihn und seine Frau Marie, die ebenfalls nicht aus dem Handel kommt und seit einem halben Jahr bei "Theile & Wagner" tätig ist, fest: "Ja, wir machen das."

Allerdings wollen sie sich auf den Fachgroßhandel für Handwerker- und Industriebedarf in der Gerhart-Hauptmann-Straße 27 konzentrieren, die Eltern führen das Einzelhandelsgeschäft in der Reichenberger Straße 11 fort. Beide Geschäfte zusammen zu übernehmen, war ihnen zu viel für den Anfang, da ihre Erfahrungen im Handel noch zu gering sind. An seiner Entscheidung, in den Familienbetrieb einzusteigen und ihn mal weiterzuführen, habe er bis heute nicht gezweifelt. "Wir haben sie uns lange überlegt und bisher überwiegen auch die positiven Effekte", sagt der 38-Jährige.

Formale Trennung Ende des Jahres

Noch ist Matthias Schwarzbach der Inhaber von beiden Geschäften, Sohn Christian der Prokurist von "Theile & Wagner". Mit dem Jahreswechsel soll dann die formale Trennung des Fachgroßhandels und des Einzelhandelsgeschäftes erfolgen.

Die Mitarbeiter waren anfangs ein bisschen skeptisch über die beiden branchenfremden Uni-Absolventen. Die Skepsis war aber schnell verschwunden, weil Christian und Marie Schwarzbach zeigten, dass sie mitarbeiten und lernen wollten. Ihr Studium ist gerade bei der Mitarbeiterführung auch ganz hilfreich.

Und die Mitarbeiter merken, dass Christian und Marie Schwarzbach das Unternehmen auch weiterentwickeln wollen. So soll ein Online-Shop eingerichtet und der Fachgroßhandel neu eingerichtet werden. Die Kunden sollen künftig schneller das finden, was sie suchen und gleichzeitig soll die in die Jahre gekommene Ausstattung erneuert werden. Immerhin ist der Fachgroßhandel nun schon seit 30 Jahren an der Gerhart-Hauptmann-Straße zu finden. Der Umbau soll am 10. September abgeschlossen sein. Die für diesen Tag geplante Wiedereröffnung werde dann sicher auch dazu genutzt, um auf 150 Jahre "Theile & Wagner" anzustoßen, kündigt Christian Schwarzbach an.

Erstes Geschäft befand sich in der Inneren Weberstraße 6

Georg Theile gründete 1871 die Eisenwaren- und Werkzeughandlung, die sich anfangs in der Inneren Weberstraße 6 befand. Heute ist an diesem Standort das "Cavallino" zu finden. "Theile & Wagner" wiederum ist seit gut 130 Jahren in der Reichenberger Straße 11 ansässig. Der Firmengründer hatte dieses Gebäude 1891 erworben. Damals war er alleiniger Geschäftsinhaber, weshalb sein Name heute noch über dem Eingang hängt. Mit der Übernahme von Anteilen an der Gesellschaft durch Richard Wagner wurde 1921 aus der Einzelfirma Georg Theile die Handelsgesellschaft "Theile & Wagner".

Während der DDR-Zeit blieb das Geschäft ein reines Privatunternehmen. Es sei ein Wunder gewesen, dass man nicht verstaatlicht wurde, finden die Schwarzbachs. Nur etwa einer Handvoll Betriebe war das vergönnt. Einfach waren die Zeiten dennoch nicht. Vor allem war es schwierig, Waren zu bekommen. Mit Trabant und Anhänger fuhren sie dafür bis nach Tharandt oder Spremberg. Noch bevor sie mit den Waren zurück waren, war schon alles verkauft.

Nach dem Mauerfall war das Warenangebot deutlich umfangreicher und benötigte mehr Platz. Aus diesem Grund wurde der Großhandel in die Gerhart-Hauptmann-Straße verlagert, während Haushaltswaren, Glas, Porzellan und Spielwaren weiter in der Reichenberger Straße verkauft wurden.

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