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Der Coup mit den Cola-Dosen

Die Geschwister Ariane und Holger Handschick haben sich ziemlich viel Verantwortung aufgeladen: Sie führen in Zittau ein Maschinenbau-Unternehmen.

Die Geschwister Ariane und Holger Handschick waren Mitte 20, als sie gemeinsam ein Unternehmen gründeten: die RTT System GmbH in Zittau.
Die Geschwister Ariane und Holger Handschick waren Mitte 20, als sie gemeinsam ein Unternehmen gründeten: die RTT System GmbH in Zittau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Gesellschafterversammlung ist ausgerechnet an dem Tag, an dem die Oma stirbt. Ariane Handschick erinnert sich auch deswegen so genau an diesen 1. April 2011. Sie ist 26, ihr Bruder Holger 25 Jahre alt, als sie die Verträge unterschreiben: Die Geschwister übernehmen die gemeinsame Geschäftsführung der RTT System GmbH, einer Ausgründung aus der Firma RTT Robotertechnik ihres Vaters.

Sie sollten sich doch mal um die Cola-Dosen kümmern, so heißt auf einen kurzen Nenner gebracht die Aufgabe, die ihnen Bert Handschick damals stellt. Ariane arbeitet da nach ihrem BWL-Studium schon in der Firma ihres Vaters. Holger hatte Maschinenbau in Zittau studiert und in seiner Diplomarbeit den Prototypen eines Rücknahmeautomaten für Getränkedosen und Plastikflaschen mitentwickelt. Den sollten die Geschwister nun in ihrer eigenen Firma in die Serienfertigung bringen.

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Heute, neuneinhalb Jahre später muss Holger Handschick schmunzeln: "Das hat unser Vater wahrscheinlich ganz genau geplant und auch ziemlich schlau eingefädelt", vermutet der 34-Jährige. Auch wenn am Ende aus der Serienfertigung dieser Automaten nichts wurde.

"Es war eigentlich ein tolles Gerät", erinnert sich Holger Handschick. In die von den Zittauern entwickelten Automaten hätten die Amerikaner die Dosen und Flaschen nämlich nicht jede einzeln einwerfen müssen, sondern konnten die großen Mengen, die sie dort austrinken, gleich auf einen Ruck loswerden. Ein paar Automaten können Handschicks in den USA verkaufen, doch als der Aluminiumpreis in den Keller fällt, lohnt sich das Geschäft schon nicht mehr, ehe es so richtig begonnen hat.

Für Ariane und Holger Handschick ist die Sache mit den Cola-Dosen dennoch ein Gewinn: einer an Erfahrung. Heute, neuneinhalb Jahre später, sitzen die beiden in einem schicken Konferenzraum über einer neuen Werkhalle im Zittauer Gewerbegebiet in der Weinau und führen einen modernen Maschinenbau-Betrieb.

"Wir haben uns festgenagelt"

Spätestens 2016 mit dem Bau dieses neuen Firmengebäudes und den Kreditverträgen, die die Geschwister dafür unterschrieben haben, haben sie sich auch endgültig entscheiden müssen: Für die Verantwortung für Millionen-Projekte und für 15 Mitarbeiter, die inzwischen bei ihnen arbeiten.

"Wir haben uns festgenagelt", so sagt es Ariane Handschick. Ganz so selbstverständlich ist es das nicht, dass junge Leute mit Anfang 30 ihren Lebensweg schon derart festlegen. Es ist viel Verantwortung, die sich die Geschwister da aufgeladen haben. Ariane wird nachdenklich: "Das ist schon so, dass ich mir viele Gedanken mache. Und natürlich hat man auch schlaflose Nächte, wenn mal was nicht so gut läuft", sagt die 35-Jährige.

Jetzt zum Beispiel, wenn es wieder darum geht, wer im Lockdown die Kinder betreut. Weder sie als Chefin eines Maschinenbau-Unternehmens, noch ihr Mann als Rechtsanwalt gehören gerade zu den "Systemrelevanten". Ihre vier und sechs Jahre alten Kinder bekommen keinen Platz in der Notbetreuung. Und die Kinder der Mitarbeiter auch nicht.

Sie werden es wieder so machen wie im Frühjahrs-Lockdown: Sie führen Schichten ein. Jeder Mitarbeiter kann so kommen, wie es für ihn am besten geht. Unkomplizierte Work-Life-Balance in Krisenzeiten - auch das ist wohl etwas, das die junge Unternehmer-Generation von der der Eltern unterscheidet.

Über die Frage, ob sie sich denn nicht manchmal in die Quere kommen, müssen die Geschwister lachen. "Noch nie", kommt es von beiden wie aus einem Munde. "Wahrscheinlich, weil wir ja nur ein Jahr Altersunterschied haben und schon von klein auf immer zusammen waren", vermutet Ariane. "Weil ich keine Ahnung von ihrem Kaufmännischen habe und sie keine von meinem Technischen", lacht Holger. Tatsächlich kümmert sie sich um alles Betriebswirtschaftliche, er um Produktion und Vertrieb. Arbeitsteilung, die funktioniert.

Dienstreisen in Corona-Zeiten

Holger ist gerade aus Frankreich zurückgekommen. Er hat einen "Flakeanalyser" verkauft, die neueste Produkt-Entwicklung, einen Automaten, der gemahlene Stoffe wie zum Beispiel geschredderten Kunststoff, auf Qualität und Inhaltsstoffe analysieren kann. Das Reisen in Corona-Zeiten ist nervig: Bescheinigungen, Negativ-Tests, ständig wissen müssen, was in welchem Land gerade möglich ist und was nicht. Die Kollegen, die letzte Woche in Tschechien waren, um die dortigen Mitarbeiter in der Bedienung eines solchen Automaten einzuweisen, mussten innerhalb von 72 Stunden wieder zurück sein - von einem Ort nahe der Grenze zur Slowakei!

"Aber wir wollen uns nicht beschweren", sagt Ariane Handschick. "Wir können wenigstens weiterarbeiten, sind weiter handlungsfähig." Das sei viel wert in dieser Zeit. Unten in der großen Werkhalle sieht es gerade ziemlich leer aus. "Nicht besonders gut fürs Foto", findet Ariane. "Aber gut für uns", sagt Holger. Die Roboter-Anlagen und Analyse-Geräte, die bis vor ein paar Tagen noch in der Halle standen, sind alle ausgeliefert. Es ist wieder Platz für Neues.

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