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Die "Neue" vom Kunstgewerbe

Evelyn Tietz hat das Zittauer Geschäft in der Frauenstraße von ihrer Großmutter übernommen. Bevor sie durchstarten kann, steht erst mal ein Umbau an.

Evelyn Tietz ist die neue Inhaberin des Kunstgewerbegeschäftes in der Zittauer Frauenstraße.
Evelyn Tietz ist die neue Inhaberin des Kunstgewerbegeschäftes in der Zittauer Frauenstraße. © Matthias Weber

Sie als die "Neue" zu bezeichnen, passt eigentlich nicht. Denn Evelyn Tietz bedient im Kunstgewerbeladen auf der Zittauer Frauenstraße seit Jahren die Kunden. Doch offiziell war immer noch ihre Großmutter Erika Müller, die das Geschäft vor 30 Jahren gegründet hatte, die Inhaberin. Mit dem Jahreswechsel übergab sie den Betrieb ihrer Enkeltochter. Die jüngere Generation soll nun ihr Lebenswerk fortführen.

Ihre Großmutter habe ein Alter erreicht, in dem der Zeitpunkt gekommen war, das Geschäft abzugeben, erzählt Evelyn Tietz. Hinter dem Ladentisch stand die Firmengründerin schon seit Jahren nur noch selten. Erika Müller war da, wenn ihre Enkelin Urlaub machte, half in der Weihnachtszeit oder zu besonderen Veranstaltungen wie dem Lichterfest aus und fuhr gemeinsam mit Evelyn Tietz zum Einkauf auf die Messe. Letzteres war nur noch bis Leipzig möglich.

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Evelyn Tietz kann sich vorstellen, künftig auch weiter entfernte Messen zu besuchen. Hier könnte sie Kontakte zu anderen Herstellern knüpfen oder viele schöne Sachen für ihre Kunden einkaufen. "Ich muss natürlich schauen, ob sich das lohnt", meint die neue Inhaberin.

Herrnhuter Sterne sind ganzjährig beliebt

An dem bisherigen Sortiment will sie aber im Großen und Ganzen festhalten. Schließlich läuft das Geschäft seit 30 Jahren erfolgreich und bestimmte Produkte wie beispielsweise die Herrnhuter Sterne sind das ganze Jahr gefragt. Beliebte Waren sind auch die Oberlausitzer Keramik und die Weihnachtsdeko aus dem Erzgebirge.

Angeboten wurden diese Produkte zuerst auf der Bahnhofstraße. Hier hatte Erika Müller ihr Kunstgewerbegeschäft eröffnet. Später zog sie auf den Markt, um ein paar Jahre danach in die Frauenstraße zu wechseln, wo der Laden nun schon über 20 Jahren zu finden ist.

Seit acht Jahren steht Evelyn Tietz hier hinter der Verkaufstheke. Gelernt hatte sie ursprünglich den Beruf der Ergotherapeutin. Da dieser seinerzeit aber noch nicht so anerkannt war, wechselte sie nach der Ausbildung in die Gastronomie. Zwischenzeitlich war sie schon mal im Kunstgewerbegeschäft ihrer Großmutter tätig, ging aber nach einiger Zeit zurück in die Gastronomie. Vor acht Jahren, als Erika Müller bereits über 70 war, fragte sie dann ihre Enkelin, ob sie wieder einsteigen möchte. Evelyn Tietz sagte zu und ihre Großmutter zog sich in der Folge immer mehr aus dem Geschäft zurück.

Aus kleiner Renovierung wird große Sanierung

Bevor Evelyn Tietz richtig durchstarten kann, steht sie erst einmal steht vor einer riesigen Herausforderung - nicht nur wegen Corona. Das Geschäft musste sie wie viele Einzelhändler wegen der Pandemie schließen. Nun könnte der Betrieb aber länger stillstehen als gedacht. Denn die Ladenräume müssen umfangreich saniert werden.

Die Zeit während des Corona-Lockdowns wollte sie nutzen, die Wände zu renovieren und den Fußbodenbelag zu erneuern. Nun ist aus der kleinen Renovierung jedoch eine große Sanierung geworden. Als die ersten Regale beiseite geräumt waren, wurden große Schäden sichtbar. Und je mehr weggebaut wurde, umso mehr Schäden taten sich auf. "Es haben sich gravierende Mängel in der Grundsubstanz des Geschäftes offenbart", sagt Evelyn Tietz. Teilweise bröckelt der Putz von den Wänden, an der Decke gibt es einen Wasserschaden, der von der Mieterin obendrüber stammen muss, der Fußboden hat sich an einzelnen Stellen abgesenkt und zudem dringt Feuchtigkeit von unten nach oben.

Diese Schäden zu beheben, sei nun Aufgabe des Vermieters. "Für uns heißt es jetzt, abzuwarten, ob und wann der Vermieter mit der Sanierung beginnen wird", so die Inhaberin des Kunstgewerbegeschäftes.

In den vergangenen Jahren habe der Eigentümer, der aus Nordrhein-Westfalen stammt, nichts an dem Haus gemacht. Doch Evelyn Tietz ist zuversichtlich, dass er die nun notwendige Sanierung durchführen lässt. Die bisherigen Gespräche mit ihm lassen das hoffen.

Zeitpunkt für Wiedereröffnung noch unklar

Da aber noch nicht klar ist, wann die Sanierung beginnt und wie lange sie dauern wird, kann Evelyn Tietz auch noch keinen konkreten Zeitpunkt benennen, wann sie das Kunstgewerbegeschäft wieder öffnen kann. Sie hofft, recht bald wieder für die Kunden da sein zu können. Bis dahin bietet sie zumindest einen Auslieferungsservice an. Einen eigenen Online-Shop betreibt sie aber nicht.

Dass sie vermutlich mehrere Monate keine oder nur sehr geringe Einnahmen hat, raubt Evelyn Tietz nicht den Schlaf. Sie habe immer gut gewirtschaftet. Auch das Weihnachtsgeschäft lief gut - und ist nun eine hilfreiche Basis für die Schließungszeit. "Wir kommen zurück, versprochen", versichert die Inhaberin des Kunstgewerbeladens.

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