merken
PLUS Zittau

Wie Krusekopfs in Hirschfelde Familiengeschichte umschreiben

In der Gärtnerei vom Urgroßvater wird heute nur noch am Rande gegärtnert. Thomas Krusekopf braucht jetzt Platz für Pakete und Büros - und für eine Medaille.

Drei Generationen Krusekopf: Senior-Chefin Irmgard, Carmen und Thomas Krusekopf und Tochter Emily, die den Familienbetrieb weiterführen wird. In diesem Jahr feiert die Firma ihr 125-jähriges Bestehen.
Drei Generationen Krusekopf: Senior-Chefin Irmgard, Carmen und Thomas Krusekopf und Tochter Emily, die den Familienbetrieb weiterführen wird. In diesem Jahr feiert die Firma ihr 125-jähriges Bestehen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Thomas Krusekopf ist sichtlich ergriffen, als der Hirschfelder Ortsbürgermeister Bernd Müller an diesem Mittwochvormittag nach dem Mikrofon greift. Mit dieser Überraschung hat der Geschäftsführer des traditionsreichen Familienunternehmens nicht gerechnet. Aber das, was ihm Bernd Müller bei der kleinen Feier zum 125-jährigen Firmenjubiläum und zur Einweihung des neuen Anbaus in Hirschfelde in die Hand drückt, ist das wohl schönste Geschenk für den 58-Jährigen.

Anzeige
Komm ins Team: Gesundheits- und Krankenpfleger (w/m/d) gesucht!
Komm ins Team: Gesundheits- und Krankenpfleger (w/m/d) gesucht!

Das Sächsische Krankenhaus Großschweidnitz sucht ab sofort Gesundheits- und Krankenpfleger (w/m/d) auf unbefristeter Basis. Jetzt bewerben!

Der Ortsbürgermeister hat Thomas Krusekopf die Ehrenmedaille der Ortschaft verliehen. Krusekopf ist damit erst der sechste Hirschfelder, dem diese Anerkennung - seit es sie gibt - zuteil wird. Den 58-Jährigen freut das sehr. Er fühle sich sehr geehrt, sagt Thomas Krusekopf, und es sei für ihn auch eine Verpflichtung.

In vierter Generation führt er jetzt das Familienunternehmen in Hirschfelde - immer noch an dem Ort, an dem es sein Urgroßvater 1896 gründete. Aus der reinen Gärtnerei ist 125 Jahre später "Hals-über-Krusekopf" geworden, eine Marke und ein Unternehmen, in dem nur noch am Rande gegärtnert wird. In den Gewächshäusern werden im Frühling zwar noch Beet- und Balkonpflanzen gezogen, zwar betreiben Krusekopfs noch drei Blumenläden - einen am Sitz in Hirschfelde und zwei in Zittau, das große Geschäft aber macht das Unternehmen heute im Internet.

Thomas Krusekopf hat von Ortsbürgermeister Bernd Müller für sein Engagement in Hirschfelde die Ehrenmedaille der Ortschaft bekommen.
Thomas Krusekopf hat von Ortsbürgermeister Bernd Müller für sein Engagement in Hirschfelde die Ehrenmedaille der Ortschaft bekommen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Blick auf den neuen Anbau am Firmensitz in Hirschfelde. In dem Gebäude ist jetzt Platz für den Versandhandel und neue Büros.
Blick auf den neuen Anbau am Firmensitz in Hirschfelde. In dem Gebäude ist jetzt Platz für den Versandhandel und neue Büros. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Ein Blick in die neue Versandhalle. Die Firma Hals-über-Krusekopf verschickt schöne Dinge im Online-Geschäft auch für Plattformen wie Amazon oder Otto.de.
Ein Blick in die neue Versandhalle. Die Firma Hals-über-Krusekopf verschickt schöne Dinge im Online-Geschäft auch für Plattformen wie Amazon oder Otto.de. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Blick ins Treppenhaus des neuen Firmen-Anbaus. Carmen und Thomas Krusekopf sind große Kunstfreunde und -Förderer.
Blick ins Treppenhaus des neuen Firmen-Anbaus. Carmen und Thomas Krusekopf sind große Kunstfreunde und -Förderer. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Thomas Krusekopf hat einen florierenden online-Handel für Lifestyle- und Wellnessartikel, für schönes Design und schöne Dinge aufgebaut. Hunderte Pakete werden jetzt Woche für Woche von Hirschfelde aus in die Welt geschickt - rund 300.000 Pakete im Jahr. Das Hirschfelder Versandzentrum arbeitet auch für die Großen in der Branche wie amazon, amazon prime oder otto.de. Rund 6.000 Artikel sind ständig im Angebot. Und der Online-Handel boomt - besonders seit dem Corona-Lockdown im vergangenen Jahr.

Die Firma brauchte mehr Platz für ein neues Versandzentrum und neue Büros mit Computerarbeitsplätzen. "Wir sind aus allen Nähten geplatzt, wir mussten anbauen", sagt der Geschäftsführer. Einen sechsstelligen Betrag haben er und seine Frau Carmen nun in einen Neubau auf dem Hirschfelder Firmengelände investiert. Das Geld bleibt in der Region. Thomas Krusekopf hat ganz bewusst ausschließlich mit hiesigen Firmen gebaut. "Regionale Wirtschaftskreisläufe sind wichtig", sagt er. Und er lobt die gute Zusammenarbeit mit der Sparkasse und der Sächsischen Aufbaubank.

Jeden Abend die wichtigsten Nachrichten aus Löbau-Zittau in Ihrem Postfach: Hier können Sie sich für unseren kostenlosen Newsletter anmelden.

Mit großem Stolz erzählt er an diesem Vormittag auch von seiner Familiengeschichte, die er und seine Frau weiterschreiben - und die sie mit dem Online-Handel nun auch ein bisschen umschreiben. Obwohl: So ganz neu ist die Idee mit dem Warenversand nun auch wieder nicht: "In den 1920er Jahren hat mein Großvater in den Gewächshäusern Lorbeerpflanzen gezogen und überall hin verschickt", erzählt Thomas Krusekopf.

Der Großvater kehrt nicht aus dem Krieg zurück, der Vater ist erst 15, als er die Gärtnerei mit seiner Mutter allein am Laufen halten muss. "Er musste Kohlen besorgen, die im Nachkriegswinter ja nicht nur die Menschen, sondern auch die Gewächshäuser warm halten mussten", erzählt Thomas Krusekopf. Er setzt heute Fotovoltaikanlagen auf die Dächer der Firmengebäude.

Und er setzt auf ein familiäres Unternehmen. Einige der 16 Mitarbeiter haben schon in der Firma gelernt und sind immer noch da, erzählt er. Die jüngste Angestellte gehört auch zur Familie. Krusekopfs Tochter Emily, Mitte 20, hat ihren Job bei einer Bank in Dresden aufgegeben und sich für ein Leben in der Heimat entschieden. Carmen und Thomas Krusekopf freut das sehr. Irgendwann werden sie ihr die Geschäfte übergeben. Emily wird das Unternehmen in Hirschfelde dann in fünfter Generation führen - und vielleicht noch weiter ausbauen.

Mehr zum Thema Zittau