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Zu welchen Zeiten das Tanken günstiger ist

Die Preise an den Zapfsäulen sind so hoch wie lange nicht. Betreiber wie die Gaßmayrs in Oderwitz haben davon nichts. Im Gegenteil. Aber sie haben einen Tipp.

Verena Gaßmayr betreibt mit ihrem Mann die Sprint-Tankstelle an der B96 in Oderwitz. Von geschlossenen Grenzen kann sie nicht unbedingt profitieren.
Verena Gaßmayr betreibt mit ihrem Mann die Sprint-Tankstelle an der B96 in Oderwitz. Von geschlossenen Grenzen kann sie nicht unbedingt profitieren. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

An diesem Morgen um halb neun kostet der Liter Diesel an der Sprint-Tankstelle in Oberoderwitz 1,32 Euro, der Liter Super 1,55 Euro. Die Frau an Zapfsäule 1 zieht die Augenbrauen hoch und zögert kurz: "Nutzt ja nichts", sagt sie dann mit einem Seufzen und greift nach dem Zapfhahn. Normalerweise würde sie zum Tanken rüber nach Varnsdorf fahren, erzählt die Mittvierzigerin, aber das gehe ja schon seit Wochen nicht.

Seit die Grenzen nach Polen und Tschechien für den kleinen Grenzverkehr geschlossen sind, ist auch an der Sprint-Tankstelle in Oderwitz mehr los. "Aber es ist längst nicht so viel mehr, als man erwarten könnte", sagt Verena Gaßmayr. Seit 2013 betreibt die 54-Jährige mit ihrem Mann Hermann die Tankstelle. Seit früh um vier ist sie auch an diesem Morgen auf den Beinen. Und bis jetzt ist sie noch nicht zum Pause-Machen gekommen.

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"Seit die Grenzen zu sind, kommen zwar mehr Kunden, aber sie tanken nicht unbedingt mehr", haben die Gaßmayrs festgestellt. "Im Lockdown wird ja viel weniger gefahren", erklärt Verena Gaßmayr. Viele sind im Homeoffice, niemand fährt shoppen, zu Veranstaltungen oder in den Urlaub. "Und wenn der Diesel teuer ist, fahren die Leute ohnehin weniger und bewusster", so ihre Erfahrung.

"Ganz schön teuer", sagt die Frau von Zapfsäule 1 beim Bezahlen an der Kasse. "Es war auch schon mal teurer", entgegnet ihr Verena Gaßmayr. "2013 im Januar, an dem Tag, als wir hier angefangen haben, hat der Diesel 1,53 Euro gekostet und der Benzin 1,67." Daran erinnert sie sich noch genau. Seit Jahresbeginn sind es die CO2-Steuer, der Rohölpreis und die Mehrwertsteuer, die den Preis wieder in die Höhe getrieben haben.

Tankstellen-Betreiber haben nichts von hohen Preisen

Die Tankstellenbetreiber selbst haben weder Einfluss auf die Preisgestaltung, noch können sie von einem höheren Preis profitieren. Im Gegenteil: "Wir werden nach verkauften Litern bezahlt", erklärt Verena Gaßmayr. "Wenn der Diesel teurer ist, wird weniger gekauft - und wir verdienen am hohen Preis sogar weniger."

Am frühen Morgen war der Diesel noch sechs Cent billiger als jetzt am frühen Vormittag, Super-Benzin hat am Morgen sogar neun Cent weniger gekostet. Wie die Preise sich an diesem Tag noch entwickeln werden, wie hoch sie noch steigen oder sinken oder erst steigen, dann sinken und dann wieder steigen, das kann auch Verena Gaßmayr nicht sagen. Und sie kann es gleich gar nicht beeinflussen.

Die Preise werden von der Vertriebsgesellschaft festgelegt, die die Tankstellen beliefert. "Wir bekommen nur eine Mitteilung, die Kasse wird automatisch umgestellt", erklärt Verena Gaßmayr. "Da sitzt in der Zentrale jemand am PC und verfolgt den Markt und das Tankverhalten der Kunden. Danach werden die Preissprünge festgelegt."

Günstiger ist es frühmorgens, mittags und spätabends

"Das kann aller drei Stunden sein oder dreimal in einer halben Stunde - wir sind selbst manchmal überrascht", sagt die Betreiberin. Aber es hätten sich im Tagesverlauf Zeiten verfestigt, in denen die Preise in der Regel am günstigsten sind. Verena Gaßmayr empfiehlt die Morgenstunden vor 6.30 Uhr und den späteren Abend ab 20.30 Uhr. Etwas günstiger würden die Preises meistens auch noch zwischen 12.45 und 13.15 Uhr sein. "Es ist auch nicht so, dass es ab dem Nachmittag dann stetig günstiger wird", so ihre Erfahrung. "Neuerdings geht der Preis 19.15 Uhr noch mal hoch."

Vom Kraftstoff allein können Tankstellen allerdings kaum überleben. Das Tanken macht gerade 30 Prozent des Umsatzes aus, weiß Hermann Gaßmayr. Das meiste muss aus dem Laden-Geschäft und dem Bistro-Angebot kommen. 120 belegte Brötchen schmiert Verena Gaßmayr jeden Morgen. Ende 2018 haben sie ihre Tankstelle umgebaut und extra noch eine Kaffee-Lounge eingerichtet.

Die Corona-Verordnung aber verbietet seit Monaten, das Handwerker und Lkw-Fahrer hier Pause machen. Sie müssen sich Kaffee und Brötchen mit ins Auto nehmen. Auf den Tischen hat Verena Gaßmayr derweil fertig verpackte Oster-Präsente ausgebreitet. "Die sind aus einem Geschenke-Laden in Ebersbach", erzählt die Chefin. "So können wir uns doch gegenseitig ein bisschen unterstützen."

Der Kaffeeautomat dampft an diesem Vormittag aber auch ohne Kaffee-Lounge ununterbrochen, und die belegten Brötchen gehen weg wie warme Semmeln. Verena Gaßmayr wird wohl noch mal nachbacken müssen. Kein Problem für die Chefin. Auch die Frau von Zapfsäule 1 hat noch schnell einen Milchkaffee und ein Ei-Brötchen mitgenommen. "Vielleicht bleiben uns ja einige von den Kunden erhalten, die bisher immer in Varnsdorf getankt haben", sagt Verena Gaßmayr. Freuen würde sie sich darüber.

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