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Zittauer Krankenhaus baut im großen Stil an

Eigentlich war "nur" eine neue Küche für eine neue Koch-Methode geplant. Nun fließen 14 Millionen Euro. In ein deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt.

Von Thomas Mielke
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René Kießling, Geschäftsführer der Krankenhausservicegesellschaft Löbau Zittau und Marco Krause (links), Abteilungsleiter Gebäudetechnik, besichtigen die Baustelle am Zittauer Krankenhaus.
René Kießling, Geschäftsführer der Krankenhausservicegesellschaft Löbau Zittau und Marco Krause (links), Abteilungsleiter Gebäudetechnik, besichtigen die Baustelle am Zittauer Krankenhaus. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

René Kießling und Marco Krause sind schon ein bisschen stolz auf das, was da zwischen dem Haus II des Zittauer Krankenhauses und der Weinauallee passiert. Schließlich hat die Bundesregierung die vor einigen Tagen gestarteten Arbeiten als ein innovatives Modellprojekt anerkannt und fördert den rund 14 Millionen Euro teuren An- und Umbau mit mehr als neun Millionen Euro. Als eines von ganz wenigen in Ostdeutschland. Und laut Kießling mit dem derzeit höchsten Zuschuss im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative deutschlandweit. Das eines Tages vielleicht in vielen deutschen Krankenhäusern Schule macht.

So soll der Anbau nach der Fertigstellung aussehen. Unten ist die Weinauallee angedeutet. Der Neubau kommt direkt an die Rückseite von Haus II, das unter anderem die Notaufnahme beherbergt.
So soll der Anbau nach der Fertigstellung aussehen. Unten ist die Weinauallee angedeutet. Der Neubau kommt direkt an die Rückseite von Haus II, das unter anderem die Notaufnahme beherbergt. © Krankenhaus

Ursprünglich wollten der Chef der Krankenhausservicegesellschaft Löbau Zittau, der Abteilungsleiter Gebäudetechnik und ihre Kollegen nur eine neue Küche bauen. Die alte war gleich nach der Wende renoviert worden und in die Jahre gekommen. "Wir wollen richtig groß angreifen", sagt René Kießling. Ein Ziel: die Zeiten für das Kochen entzerren. Auf der einen Seite bekommen die Krankenhaus-Patienten ihr Mittagessen verspätet, wenn am Vormittag gekocht wird und etwas den Ablauf stört. Auf der anderen Seite wollen immer mehr Köche die Wochenenden lieber bei ihrer Familie verbringen als zu arbeiten. Um die Patienten trotzdem tagtäglich mit selbst gekochtem Essen versorgen zu können, will die Servicegesellschaft die Herstellung der warmen Speisen auf die in Großküchen immer häufiger verwendete Methode "Cook & Chill" (Kochen und kühlen) umstellen. Dabei werden die warmen Speisen innerhalb einer bestimmten Zeit gekühlt, sodass sie sich mehrere Tage halten. Ohne, dass sich Keime bilden. Ohne, "dass etwas mit den Vitaminen oder anderen Inhaltsstoffen passiert", sagt Kießling. So müssen die warmen Speisen für die Zittauer - und künftig auch für die Ebersbacher - Patienten des Klinikums Oberlausitzer Bergland vor dem Servieren nur noch erwärmt werden.

Erhitzen, kühlen, wieder erwärmen - das braucht Energie. Weil zudem das Zittauer der energetisch schlechteste Standort im Verbund der Kreiskrankenhäuser ist, wurde die Energieversorgung Thema des Projekts. Am Ende der Überlegungen stand die ganz große Lösung: Die Energieversorgung des Krankenhauses soll neu aufgestellt werden.

Nun wird am Krankenhaus nicht nur die neue Küche gebaut, sondern unter anderem ein Blockheizkraftwerk für Pellets, eine Kraft-/Wärmekopplungs- und eine Absorptionskältemaschine und ein Eisspeicher. Das alles und die Verbraucherabteilungen werden über eine neue Ringleitung verbunden. Wenn alle Pläne aufgehen, wird das Krankenhaus zwar künftig mehr Energie verbrauchen, weil zum Beispiel mehr Stationen klimatisiert werden sollen. Aber die Energiemenge pro Essen sinkt um mehr als die Hälfte. Das Krankenhaus produziert einen guten Teil seiner Energie selber - und das angesichts der derzeitigen Preise möglichst günstig. Und zudem könnten auch noch rund 2.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden. "Wir hoffen, damit unseren kleinen Beitrag zu den klimapolitischen Zielen zu leisten", sagt Kießling.

Knapp 30 Meter tief werden Löcher in die Erde gebohrt, damit das neue Gebäude sicher steht. Vier Meter unter der Erdoberfläche beginnt die Braunkohle.
Knapp 30 Meter tief werden Löcher in die Erde gebohrt, damit das neue Gebäude sicher steht. Vier Meter unter der Erdoberfläche beginnt die Braunkohle. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

2017 ist das Projekt angeschoben worden. Im Sommer 2021 begannen die ersten Vorbereitungen auf dem Krankenhausareal. Am 28. April ist der Bau richtig losgegangen. Die bisherige Küche am Haus II wird entkernt und vergrößert. Während dieser Zeit wird im ehemaligen Speisesaal gekocht, der durch die neue, größere Cafeteria frei geworden ist. In der Ecke zwischen Küche, Haus II und Weinauallee entsteht der Anbau für die neue Energie-Technik. Aktuell bohren Maschinen bis zu 30 Meter tiefe Löcher für eine Gründung in den Boden, damit Gebäude und Anlagen später sicher stehen - denn vier Meter unter der Erdoberfläche beginnt laut Kießling eine Schicht Braunkohle, die wenig tragfähig ist.

Bis 2024 soll der An- und Umbau nach derzeitigem Stand der Planung dauern. Abgesehen von den üblichen Begleiterscheinungen von Baustellen und zwischenzeitlichen Umzügen für Interimslösungen erwarten Kießling und Krause keine größeren Einschränkungen für Patienten und Mitarbeiter.