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Zittauer Bahnhof wird für drei Monate abgekoppelt

Wegen der Bauarbeiten in Zittau fährt von August bis November kein Zug. Ärger hat die Bahn aber derzeit aus anderen Gründen.

© Thomas Eichler

Von Thomas Mielke

Marie Hosang kommt gern mit ihren Kindern zur Oma nach Zittau zu Besuch. Auch vor ein paar Tagen ist sie wieder mit dem Zug aus Ulm angereist – und landete auf der Riesenbaustelle Bahnhof Zittau. Da sie jung und flexibel ist, hat sie keine Probleme mit den Umwegen von und zu den Bahnsteigen und hält die Beschilderung für ausreichend, wie sie sagt. Nur eine große Tafel, auf der steht, was, wie und warum gebaut wird, fehlt ihr.

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Carmina Burana Konzerte am See
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Der Chor der Europa Akademie Görlitz feiert unter der Leitung von Joshard Daus mit der „Carmina Burana“ einen leidenschaftlichen Ausblick für die kommende Saison.

Ganz so entspannt sehen das nicht alle Fahrgäste. Der SZ gegenüber hat es mehrere Beschwerden gegeben: Die Ausschilderung sei nicht zielführend, die auf einem Zettel an den Ankunfts- und Abfahrtstafeln in der Haupthalle des Bahnhofs versprochenen Durchsagen zur Orientierung würden nicht stattfinden und die Wege zu den noch benutzbaren Bahnsteigen seien zu lang und zu umständlich.

Der Zweckverband Nahverkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien – kurz Zvon –, der für die Landkreise Bautzen und Görlitz die Züge bestellt, kennt die Probleme und Beschwerden. „Der Zustand, wie er sich jetzt darstellt, ist für uns unbefriedigend“, so Zvon-Sprecherin Sandra Trebesius aus Bautzen an die Adresse der Deutschen Bahn, die den Bahnhof mit großem Aufwand zukunftsfähig macht. „Wir kennen Beispiele, wo die Kommunikation deutlich besser ist, zum Beispiel am Knoten Cottbus.“

Auch die Länderbahn, die mit ihrem Trilex von Dresden und aus Tschechien Zittau ansteuert, ist nicht zufrieden. Wegen der langen Wege zum Beispiel habe man vorgeschlagen, Holzübergänge über das derzeit schienenlose Gleisbett zu legen, sagt Jörg Puchmüller, Sprecher der Länderbahn. „Das wurde abgelehnt.“ Auch er kritisiert die schlechte Ausschilderung und die fehlende Kommunikation über den Bau und die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten. Puchmüller erzählt sogar, dass die Baustelle einmal so schlecht gesichert gewesen wäre, dass ein blinder Fahrgast gegen einen Lkw gelaufen sei.

Die Deutsche Bahn als Besitzer des Bahnhofs und Bauherr lässt die Kritik so nicht gelten. „Die geänderten Abfahrzeiten sind im Regelfahrplan und auf den Abfahrtstafeln bereits eingearbeitet“, teilt die Leipziger Bahn-Pressestelle auf SZ-Anfrage mit. „Ansagen sind technisch nicht möglich.“ Alle Informationen zu Änderungen „erfolgen optisch und akustisch über die Zuganzeiger, welche mit aktuellen Daten gespeist werden“, heißt es weiter.

„Weitergehende Informationen der Reisenden müssten durch das jeweilige Eisenbahnverkehrsunternehmen zur Verfügung gestellt werden.“ Also von der Länderbahn und der Odeg, die von Cottbus über Görlitz nach Zittau fährt. „Wir machen alles, was wir können, vom Zug aus“, sagt Länderbahn-Sprecher Puchmüller dazu.

Zu den Problemen soll es laut der Zvon-Sprecherin demnächst ein Treffen aller Beteiligten geben. Dabei werden auch die nächste Etappe der Bauarbeiten und ihre Begleiterscheinungen zur Sprache kommen, darunter die Komplettsperrung des Bahnhofs von August bis November für alle Züge. Zurzeit werden unter anderem die Gleise an den Bahnsteigen 1 und 2 erneuert. Deshalb fahren die Züge in allen Richtungen seit Wochen von den Gleisen 51, 5b und 54 ab. „Die Abfahrten erfolgen bis 11.  August auch von Gleis 50“, so die Bahnpressestelle. „Danach ist bis 11. November wegen der Bauarbeiten kein Zugverkehr mehr möglich.“

Die Bahnreisenden müssen dann auf Busse umsatteln, die im Schienenersatzverkehr pendeln. Die Odeg fährt ab und bis Hagenwerder. Dadurch müssten sich die Reisenden auf längere Fahrzeiten einstellen, kündigte ein Unternehmenssprecher gegenüber der SZ an. Die Trilex-Züge starten voraussichtlich in Mittelherwigsdorf und enden dort. Man werde zusätzliches Personal einsetzen, um den Fahrgästen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, kündigt Puchmüller an.

Am 11. November sollen die Züge wieder rollen. Dann gehen auch die neuen Fahrstühle auf den Bahnsteigen 1 und 2/5 in Betrieb. „Weitere Arbeiten erfolgen nachfolgend am Bahnsteig und an den Gleisen, aber ohne weitreichende Einschränkungen für die Fahrgäste“, teilte die Bahn mit. Bis Ende 2018 werde Infrastruktur zur Abstellung von Zügen und für den Güterverkehr in Betrieb genommen. Zudem würden noch Arbeiten an Bahnsteigen und Bahnsteigdächern folgen.

Die Bahn modernisiert den Bahnhof für rund 45 Millionen Euro. In dieser Zeit werden unter anderem ein elektronisches Stellwerk errichtet, Gleise abgerissen und neue Brücken gebaut.