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Zittauer kontrollieren Görlitzer Busse und Bahnen

Die Firma H.S.D. Holdinghausen ist seit Kurzem für die Verkehrsgesellschaft in der Neißestadt tätig. Die Aufgabe ist nicht neu.

© Archivfoto: Rafael Sampedro

Von Ingo Kramer

Zittau. Vier Mitarbeiter des Zittauer Sicherheitsdienstes H.S.D. Holdinghausen sind täglich in den Bahnen und Bussen in Görlitz im Einsatz. Mitte März übernahm die Firma aus der Mandaustadt die neue Aufgabe an der Neiße. Und es sind seither deutlich weniger Schwarzfahrer festgestellt und Widersprüche eingereicht worden, wie Frank Müller, Chef der Verkehrsgesellschaft Görlitz (VGG) nach zwei Monaten resümiert. Das könne verschiedene Gründe haben: Die Zahlungsmoral der Fahrgäste könnte sich verändert haben – was aber unwahrscheinlich sei – oder der Dienstleistungsgedanke stehe bei H.S.D. mehr im Vordergrund. Damit meint Müller, dass die Kontrolleure zuerst schauen, ob jemand beim Fahrscheinkauf Schwierigkeiten hat und ihm helfen, wenn er nicht weiß, wie es geht.

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Es könnte aber auch schlichtweg daran liegen, dass durch die vielen Feiertage und Baustellen weniger Menschen Bus und Bahn genutzt haben. Ende des Jahres, schätzt Müller, sei ein guter Zeitpunkt für eine erste Bilanz.

Mit der Fahrscheinkontrolle hat Holdinghausen schon Erfahrungen: Für die Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG) in Zittau arbeitet er seit etwa zehn Jahren: „Und das sehr erfolgreich.“ Dort gehe es vor allem um den Schülerverkehr, in Görlitz auch um jede Straßenbahn und einen Teil der Busse. „Die Kontrollen in Görlitz sind gut angelaufen“, sagt Holdinghausen. Müller bestätigt das insofern, als dass es bisher erst eine Beschwerde gegeben habe. Die hatte es in sich: Ein Mann aus dem Ruhrgebiet sollte für seinen Hund löhnen, weil er ihm kein Ticket gekauft hatte. Der Fall war über die SZ und die sozialen Netzwerke publik geworden und passte auf den ersten Blick in die Reihe der Probleme der Vorjahre. Vielleicht war es aber nur noch einmal eine Ausnahme.

Prinzipiell sei zweierlei wichtig: Die Sicherung der Erlöse, also das Verhindern von Schwarzfahren, und der beschriebene Dienstleistungsgedanke. Die Balance zu finden, sei nicht immer einfach, weil teils unklar sei, ob jemand wirklich Schwierigkeiten hat oder das nur vortäuscht. „Eigentlich haben die Kontrolleure keinen Ermessensspielraum“, betont Müller.

Die Zittauer Firma H.S.D. hat zunächst einen Vertrag für ein Jahr erhalten – mit Verlängerungsoption. „Wir haben dafür einerseits neues Personal eingestellt, andererseits mit der Firma GRS auch einen Subunternehmer ins Boot geholt“, sagt Firmenchef Jens Holdinghausen. Von den Dussmann-Mitarbeitern, die bisher die Fahrkartenkontrollen übernommen hatten, stellte er aber niemanden ein, sagt Holdinghausen.

Bereits zum 31. Januar haben die VGG und Dussmann ihre Zusammenarbeit bei der Fahrkartenkontrolle beendet. „In gegenseitigem Einvernehmen“, wie beide Seiten jetzt betonen. Öffentlich gemacht haben sie den Schritt aber bisher nicht. Und auch jetzt wollen sie auf Nachfrage nicht näher auf die Gründe eingehen. „Nach neun Jahren haben wir einfach gemerkt, dass es für die Kontrollen neue Impulse braucht“, formuliert es VGG-Chef Müller diplomatisch. Dass der schlechte Ruf, den die Dussmann-Kontrolleure seit einiger Zeit in der Öffentlichkeit hatten, der Hauptgrund für die Kündigung war, dementiert Müller nicht. „Ich will nicht näher darauf eingehen“, sagt er stattdessen.

Auch Dussmann-Sprecherin Michaela Mehls sagt nichts Konkretes über die Gründe. Stattdessen spricht sie von einer langen, guten Zusammenarbeit, die in beiderseitigem Einverständnis zu Ende gegangen sei. Das Geschäftsfeld Fahrkartenkontrolle sei eine von rund 70 Leistungen, die Dussmann anbietet. „Allerdings haben wir derzeit in keiner deutschen Stadt einen Auftrag in diesem Feld“, sagt sie. Görlitz sei hier die vorerst letzte Stadt gewesen. In anderen Feldern aber habe Dussmann auch in Görlitz noch Kunden – und sei stetig an neuen Zusammenarbeiten interessiert.

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VGG-Chef Müller hat derweil in der Firma Holdinghausen einen neuen Geschäftspartner gefunden. Vor der Übernahme der Kontrollen durch die Zittauer gab es sechs Wochen keine Kontrollen, bestätigt Müller. Holdinghausen habe erst einmal geeignetes Personal finden und schulen müssen. Auch der Chef der Zittauer Sicherheitsfirma will nicht über das Ende der Zusammenarbeit von VGG und Dussmann spekulieren. Fakt ist freilich: Dussmann hatte bis vorigen November auch einen Reichsbürger beschäftigt. Reichsbürger seien ihm bisher nicht untergekommen, betont Holdinghausen: „Ich achte aber sehr darauf, nicht die falschen Leute einzustellen.“ In den Görlitzer Bahnen und Bussen sind aber nicht jeden Tag dieselben vier Leute im Einsatz. „Unsere Mitarbeiter haben auch andere Tätigkeiten“, betont Holdinghausen. Unter anderem sichert das fast 20 Jahre bestehende Unternehmen seit 17 Jahren die Veranstaltungen in der Landskron-Brauerei ab, zudem unter anderem Altstadtfest, Veranstaltungen der Hochschule Zittau/Görlitz und, seit zehn Jahren, sämtliche Filmdrehs in Görlitz, aktuell „Wolfsland“.