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Zittauer wird Bürgermeister in Rammenau

Ein Pärchen aus Rothenburg darf nicht im dortigen Standesamt heiraten. Das hat seine Gründe.

© Steffen Unger

Von Mario Heinke

Unternehmer Andreas Langhammer hat am Sonntag die Bürgermeisterwahl im beschaulichen Rammenau bei Bischofswerda für sich entschieden. 528 Rammenauer (60,7 Prozent) stimmten laut statistischem Landesamt für ihn. Er wurde von der im Gemeinderat vertretenen „Initiative für Rammenau“ nominiert. Die einzige Mitbewerberin Jana Simmert von Wählervereinigung „Vereine für Rammenau“, die ebenfalls im Gemeinderat vertreten ist, holte 342 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 80,3 Prozent.

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In Zittau ist Andreas Langhammer kein Unbekannter, denn der Unternehmer lebt in einem Einfamilienhaus in Eichgraben und ist Vereinsvorsitzender der Wählervereinigung „Zittau kann mehr“ (Zkm), die bekanntlich im Zittauer Stadtrat sitzt und den Oberbürgermeister stellt. Im OB-Wahlkampf verwaltete der Zittauer als Kassenwart die Wahlkampfkasse von Zkm und tauchte immer wieder an der Seite des heutigen Oberbürgermeisters Thomas Zenker auf. Der 42-Jährige wird nun die Gemeinde Rammenau neben seiner Tätigkeit als geschäftsführender Gesellschafter des Rammenauer Fensterwerkes ehrenamtlich führen. Die Sachsenfenster GmbH & Co. KG beschäftigt 65 Mitarbeiter am Standort Rammenau, produziert pro Jahr 14 000 Fenstereinheiten und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von sieben Millionen Euro.

Nach seiner Motivation befragt, ein weiteres Ehrenamt und noch mehr Verantwortung zu übernehmen, erklärt Andreas Langhammer: „Die Arbeit als ehrenamtlicher Bürgermeister ist für die in einer Verwaltungsgemeinschaft befindlichen Gemeinde und ihre Bürger sehr wichtig.“ Auch die Vorstandsarbeit bei Zkm in Zittau ist auf sieben Schultern verteilt und im Unternehmen habe er fähiges Führungspersonal, deshalb sei alles nur eine Frage der Organisation und effizienter Arbeit, so der Ingenieur mit Masterabschluss in Organisationsentwicklung.

Der Rammenauer Gemeinderat, dessen Mitglieder der Zittauer gut kennt, habe ihn schon vor längerer Zeit angesprochen, ob er für das Amt kandidieren wolle. Das sächsische Kommunalwahlgesetz schreibt nicht zwingend vor, dass Kandidaten für das Bürgermeisteramt ihren Wohnsitz in der Gemeinde haben müssen, für die sie kandidieren. Schon wegen der Distanz von 85 Kilometern und dem eigenen Unternehmen unterhält der Eichgrabener eine Nebenwohnung in Rammenau, fährt aber fast täglich nach Zittau.

Gewählt werden Bürgermeister in Sachsen für sieben Jahre. Die Wahlen in Rammenau fanden außerhalb dieses Turnusses statt, denn die Amtsinhaberin gibt ihr Amt vorfristig zum 31. Oktober ab. Hiltrud Snelinski (parteilos), seit 1986 Bürgermeisterin in Rammenau, wird im Oktober 66 Jahre alt und verabschiedet sich in den Ruhestand. Andreas Langhammer beschreibt die Rammenauer als stolze Bürger, die zwar in einer Verwaltungsgemeinschaft mit Bischofswerda leben, aber unbedingt ihre Eigenständigkeit bewahren möchten. Der Geburtsort des Philosophen Johann-Gottlieb Fichte im Landkreis Bautzen hat rund 1 400 Einwohner und ist vor allem durch sein Barockschloss bekannt, das auch Märchenschloss der Neuzeit genannt wird. Das eindeutige Wahlergebnis sei ein Vertrauensvorschuss der Rammenauer Bürger für seine künftige Arbeit als Bürgermeister, sagt Langhammer. Die unterlegene Kandidatin Jana Simmert möchte sich auch weiterhin für das Dorf engagieren, vor allem als Mitglied des Heimatvereins. Auch wenn sie außerhalb der Vereinsarbeit um Hilfe gebeten wird, werde sie wie bisher für die Gemeinde Rammenau da sein, erklärte Jana Simmert gegenüber der SZ. Am 1. November tritt der Zittauer sein neues Amt an. (mit SZ/ir)