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Zoll entdeckt sechs blinde Passagiere

Ein mazedonischer Lkw-Fahrer musste an der serbischen Grenze Strafe wegen Übeladung bezahlen. Jetzt weiß er warum.

© Symbolfoto: dpa

Nossen/Dresden. Mitarbeiter vom Hauptzollamt Erfurt, eingesetzt zur Einfuhrabfertigung von Lkw aus Nicht-EU-Staaten, kontrollierten am Freitagmorgen gegen 8.30 Uhr einen mazedonischen Lkw-Fahrer, der seine Ladung zur Warenabfertigung beim Zollamt Nossen vorstellte. Beim Öffnen der Ladefläche machte der Beamte des Zollamtes plötzlich eine untypische Feststellung. Statt der erwarteten Stahlteile saßen zusätzlich sechs Personen auf der Ladefläche und wollten aussteigen. Völlig überrascht von der Entdeckung, alarmierte er die Kollegen der Bundespolizei Dresden.

Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass die sechs männlichen Personen seit drei Tagen auf der Ladefläche hockten, um ungesehen die Grenzkontrollen in Ungarn umgehen zu können. Der 55-jährige mazedonische Fahrer war ebenfalls erstaunt über die Zuladung und erklärte den Polizisten, dass er schon in Serbien, beim Grenzübertritt zur Europäischen Union, Strafe wegen Übergewicht zahlen musste, da sein Lkw 120 Kilogramm zu viel auf die Waage brachte. Da die angebrachte Plombe für sicheren Warenverkehr jedoch verschlossen und unbeschädigt war, gingen die Grenzkontrollbeamten in Ungarn davon aus, dass der Lkw mit Stahlteilen überladen wurde. Mit der schweren Last und der gezahlten Strafe, fuhr der Mazedonier drei Tage von Ungarn über Tschechien nach Deutschland zum Zollamt Nossen.

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Die sechs blinden Passagiere wurden von den Bundespolizisten und dem Zollbeamten sofort von der Ladefläche geholt. Augenscheinlich konnten keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen festgestellt werden. Trotz der fehlenden Ausweispapiere erklärten die Personen, dass drei von ihnen aus Afghanistan und drei aus Bangladesch kommen. Die Männer im Alter von 16 bis 29 Jahren, reisten auf diesem Wege unerlaubt nach Deutschland ein.

Die sechs Insassen und der Lkw-Fahrer wurden für weitere polizeiliche Maßnahmen durch die Bundespolizisten zur Dienststelle nach Dresden begleitet. Bei Ermittlungen im Nachgang stellte sich heraus, dass die asylsuchenden Gäste den Lkw-Fahrer in Serbien bei nächtlicher Ruhe überraschten und sich, kurz vor Grenzüberfahrt nach Ungarn, Zutritt über die Plane des Anhängers verschafften.

Dem mazedonischen Lkw-Fahrer konnte kein fehlerhaftes Verhalten nachgewiesen werden, er wurde auf freiem Fuß belassen. Die sechs Insassen wurden nach ihrem Asylgesuch der Ausländerbehörde übergeben. Die ungewollten Fahrgäste müssen sich wegen des Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz verantworten, so die Bundespolizei. (SZ)