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Zu Besuch bei Bienen

Bei den ersten Sonnenstrahlen werden die Insekten aktiv. Das konnten Elstraer Kita-Kinder jetzt hautnah erleben.

© Matthias Schumann

Von Manuela Reuß

Ab auf den Grill

Warme Sommernächte, schönes Wetter. Zeit zum Grillen! Doch worauf muss man achten und was schmeckt am besten auf dem Grill?

Tessa und Elisabeth sind ganz aufgeregt. Überall schwirren Bienen umher. Angst haben die fünfjährigen Mädchen nicht. Die Neugier ist stärker. Dicht stehen sie und die anderen Kita-Kinder neben Heiko Höhne, der einen Bienenstock in seinem Garten öffnet und eine Honigwabe herauszieht. Svenja will so wie alle anderen in dem Gewusel die eine Biene entdecken. Die mit dem blauen Punkt. Die Königin. „Da ist sie“, ertönt es vielstimmig.

Für den Elstraer Hobbyimker ist solcherart Besuch nichts Neues. Gern erklärt der Diplom-Ingenieur den Steppkes alles über das Leben der Bienen. Erst recht, wenn es sich um die Kindergartengruppe seines Töchterchens Jovita handelt. Die kennt die geflügelten Haustiere natürlich schon. Trotzdem darf auch sie nur mit Schutz an den Bienenstock herantreten: Sprich mit Imkerhut und Netz. Heiko Höhne selbst begegnet seinen Völkern ohne Schutz. Leichtsinn ist das nicht. Seine Bienen seien nicht aggressiv, sagt er. Gezüchtet würden ohnehin nur sanftmütige Tiere.

Biene sticht bei Bedrohung

Behutsam nimmt der die nächste Wabe aus dem Stock und lächelt. „Sehen Sie, da passiert nichts.“ Die Insekten mit den schwarz-gelb gestreiften Hinterteilen wuseln über die Waben, über die Holzrahmen und bald auch über seine Hand. Eine kriecht zwischen Mittel- und Ringfinger und zack, plötzlich sticht sie doch. Kein Wunder, verrät der Hobbyimker. Weil er die Finger schloss, fühlte sie sich bedroht. Für den Elstraer kein Problem. Er kratzt den Stachel aus der Haut und steckt seinen Ehering um. Nur für den Fall, dass der Ringfinger anschwillt. „Auf die Art habe ich schon einen Ring eingebüßt“, verrät er. Er legte ihn auf einen Baumstumpf und später war er weg. Vermutlich hat ihn eine Elster geholt. Von diesen diebischen Vögeln gibt es eine Menge in der Umgebung.

Sein Onkel, der auch Imker ist, habe bei ihm das Interesse für Bienen geweckt, erzählt der 39-Jährige. Also fasste er den Entschluss, auch der Imkerei zu frönen, wenn er mal alt ist. Doch so lange dauerte es dann doch nicht. Mit 23 Jahren startete er durch. Weil sich ein Freund von ihm als Imker versuchte. Mit drei Völker von seinem Onkel fing es an, erinnert sich der Elstraer. Und er stellte fest, dass sich dieses Hobby gut und gerne nebenher betreiben lässt.

Erster Flugbetrieb ab 18 Grad

Inzwischen besitzt Heiko Höhne 20 Völker. Allerdings stehen derzeit nur fünf der Styropor-Kästen, in denen sie untergebracht sind, im Garten hinterm Haus. Der Rest ist verteilt – an Rapsfeldern und in einer Dresdner Kleingartenanlage. Schließlich brauchen die Bienen ausreichend Nahrung. Bisher sei es allerdings „noch nicht so dolle“ mit der Honigproduktion, verrät der Hobbyimker. Es ist zu kalt. Wenn aber die Bienen nicht fliegen, werden auch nur wenig Blüten bestäubt. Der beste Flugbetrieb sei ab 18 Grad zu verzeichnen. Derzeit krebsen die Temperaturen aber eher im einstelligen Bereiche herum. „Letztes Jahr um die Zeit hatten wir schon zwischen 20 und 25 Grad“, weiß Heiko Höhne.

Das kann er so genau sagen, weil er über entsprechende Technik verfügt. Eine elektronische Waage registriere stündlich das Gewicht des Stockes, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Daten sendet sie ans Internet. Statt immer wieder rauszufahren, um nach dem Stock zu schauen, reicht dem Technikfreak, der auch beruflich in einer IT-Firma arbeitet, ein Blick in den Computer. So erfährt er, ob er seinen Stock umsetzen muss, weil beispielsweise die Tracht zur Neige geht. Doch das Gerät kann noch mehr. Es schicke beispielsweise auch eine SMS an sein Handy, wenn der Stock angehoben wird. Deshalb will der Elstraer dieses Jahr noch eine zweite Stockwaage anschaffen. Überhaupt investiere er immer wieder Einnahmen in seine Bienen. Die Imkerei ist ein kostenintensives Hobby.

1,5 Tonnen Honig geerntet

Dass er bei der Haltung seiner Bienen alles richtig macht, beweist deren Fleiß. Im letzten Jahr konnte er rund 1,5 Tonnen Honig ernten. Das war sein absolutes Rekordjahr. Das Hobby betreibt der Elstraer aber nicht nur, weil er Honig mag. Denn nebenher leisten die Imker und deren Bienen einen bedeutenden Anteil bei der Bestäubung von Pflanzen und Bäumen. Zwei Drittel ihrer Lebenszeit verbringt die Biene nur mit Bestäuben. Ohne Bienen gäbe es wenig Obst an den Bäumen oder andere Früchte. Deshalb ist es den Imkern wichtig, auch dem Nachwuchs klarzumachen, welch wichtige Funktion Bienen im Naturkreislauf überhaupt haben. Denn nach Rind und Schwein ist die Biene das drittwichtigste Nutztier in Deutschland.

Der Imkerverein Kamenz, in dem Heiko Höhne organisiert ist, unterstützt seine Mitglieder bei dieser Aufklärungsarbeit. Zum Beispiel, indem er einen Satz Schutzkleidung angeschafft hat, den sich die Imker für Besuche von Schulklassen oder Kita-Gruppen ausleihen können. So geschützt trauen sich Tessa, Elisabeth, Svenja und ihre Spielkameraden freilich ganz nah an die Insekten ran. „Darf ich auch mal streicheln“, fragt Elisabeth. Sie darf. Heiko Höhne lässt sogar ein paar der Tiere über mutige Kinderhände krabbeln. „Das sind Drohnen. Die haben keinen Stachel“, erklärt er schmunzelnd.