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Kritik an Fassade des Einkaufzentrums am Albertplatz

© Christian Juppe

Am DVB-Hochhaus am Albertplatz in Dresden sind die Gerüste gefallen. Die Fassade wird natürlich schon kritisiert.

Von Sandro Rahrisch

Zu viel Beton, zu viel Glas, zu konturlos heißen die häufigsten Kritikpunkte, wenn über den Postplatz oder den Wiener Platz diskutiert wird. In die Liste der streitbaren Neubauten reiht sich nun das Einkaufszentrum neben dem ehemaligen DVB-Hochhaus am Albertplatz ein, das in zwei Wochen öffnet. Geschäfte wie Edeka ziehen dort ein. Geprägt wird der Neubau durch die markante Keramik-Paneel-Fassade in den Farben Ocker, Terrakotta und Grau. Und kaum sind die Gerüste gefallen, melden sich die ersten Kritiker, darunter Architekten wie Benjamin Grill von der Initiative für zeitgenössische Baukultur.

Blick ins Einkaufszentrum am Albertplatz

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„Die Farben haben etwas Biederes“, sagt Grill. Das habe nichts damit zu tun, dass das Haus in der Neustadt steht. Die Paneele hätten seiner Meinung nach kleinteiliger, bunter und farbenkräftiger aussehen können. Ein gelungenes Beispiel sei das Museum Brandhorst in München. Auch dort sind Keramikplatten verbaut worden, nur eben in fast allen Farben, die die Palette zu bieten hat. Grill erkennt an, dass sich jemand Gedanken gemacht hat und ambitioniert gewesen ist. Aber letztendlich sei es Investorenarchitektur – gesichtslos, austauschbar und kostengünstig im Unterhalt.

Die Farben der villenartig platzierten Kuben sind eng mit der Stadtverwaltung abgestimmt worden, betont Sven Schirmer, Sprecher des Investors Peter Simmel. Das Hochhaus als das markanteste Gebäude des Areals soll bis zum September einen groben Putz erhalten, der dann creme-weiß gestrichen wird, so wie es in den 1920er-Jahren schon einmal war. „Die Neubauten bilden farblich einen Kontrast, sollen aber nicht ganz so sehr von der hellen Hochhaus-Fassade abweichen“, so Schirmer. Schaue man seitlich auf die Paneele, erscheine die Fassade komplett in Beige.

Ursprünglich sollten die Hauswände einmal begrünt werden. Damals plante noch Regine Töberich den Neubau und die Sanierung des Hochhauses. Simmel war zu dieser Zeit noch nicht als Investor involviert. Er hat Töberichs Plan später abgelehnt. „Das wäre nicht umsetzbar gewesen“, so Schirmer. Im Sommer hätte freilich alles schön grün ausgesehen. Im Winter wäre verdorrtes Gestrüpp und Beton zum Vorschein gekommen. Dafür wird das Dach des Neubaus in den nächsten Wochen begrünt. Erste Tests zur Tragfähigkeit hat es bereits gegeben. Dabei ist Wasser in das Becken gefüllt worden. Auch mit der Idee, dort oben Bienen anzusiedeln, spielen die Planer noch.

Eine große Eröffnungszeremonie wird es am 2. Juli nicht geben, diese soll im September nachgeholt werden. In den Läden werden derzeit die Regale und Theken eingebaut. Simmels Edeka-Markt wird das gesamte Untergeschoss belegen, die ersten Selbstbedienungskassen stehen schon. In der ersten Etage lassen sich Aldi und Rossmann nieder, Medimax öffnet wahrscheinlich erst im September. Auf einer weiteren Fläche, etwa so groß wie der geplante Technik-Markt, darf nicht an Händler vermietet werden. Hierfür sucht Peter Simmel noch einen Dienstleister. Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Fitnessstudio, so Schirmer. In der Tiefgarage ist Platz für 350 Autos.

Das ehemalige DVB-Hochhaus soll bis zum September fertiggestellt werden und das Simmel-Logo erhalten. Es wird über zwei abgetragene Seitenflügel mit dem Neubau verbunden. Etwa die Hälfte der Büroflächen sei bereits vermietet. Im Erdgeschoss wird Sternekoch Alfons Schuhbeck mit einem Gewürzladen einziehen, auch ein Schnellrestaurant ist geplant.

Mit Simmels 30-Millionen-Euro-Projekt werden die Dresdner leben können, trotz aller Kritik sei der Bau kein totaler architektonischer Fehlgriff, sagt Grill. Mit einer Sache wird er sich aber nicht anfreunden können: der fast gänzlichen Umbauung des alten Brunnenhauses. „Es wirkt einfach nur hineingeklemmt“, sagt er. Zu sehen ist nur noch die Frontseite. Wäre das Areal um den Brunnen ausgespart worden, hätte man nicht die einheitliche, villenartige Baustruktur einhalten können, entgegnet Sven Schirmer. Die Giebel hätten nicht den gleichen Abstand zur Antonstraße gehabt.