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Zu Ehren von Wolfgang Hänsch

© Marion Doering

An der Semperoper erinnert nun ein Bronzerelief an den verstorbenen Architekten. Dafür haben seine alten Kollegen Geld gesammelt.

Von Sandro Rahrisch

Was wäre aus Dresden geworden, hätte es Wolfgang Hänsch nicht gegeben? Würde der Kulturpalast so aussehen, wie er aussieht? Hätte die Semperoper ihr historisches Antlitz wieder erhalten? Leopold Wiel hält inne vorm Bronzerelief des verstorbenen Architekten. Davor sind Blumen niedergelegt. Für Wiel bietet sich das erste Mal die Möglichkeit, seines Freundes dort zu gedenken, wo dieser gewirkt hat – im Herzen Dresdens, an der Semperoper. Zwischen dem Opernhaus und dem Spielraum „Semper Zwei“ ist am Sonntag, Hänschs fünftem Todestag, ein Relief mit dem Gesicht des Architekten und seinen Lebensdaten eingeweiht worden.

„Wolfgang Hänsch fiel durch seine Menschlichkeit auf“, erinnert sich Wiel, der während der Bauzeit des Kulturpalastes dem damals noch jungen Architekten aus Königsbrück als Mentor und Berater zur Seite stand. „Daraus ist eine lebenslange Freundschaft geworden“, erzählt der 102-Jährige. Dresden habe ihm viel zu verdanken. „Deshalb tut es mir unendlich leid, dass bei dieser Einweihung niemand von der Stadt hier ist.“ Tatsächlich waren wohl mehrere Bürgermeister zu der Zeremonie eingeladen worden.

Dass das Bronzerelief überhaupt an der Sandsteinmauer angebracht werden konnte, ist einer Initiative der Architektenkammer Sachsen zu verdanken. Ein Teil der Herstellungskosten wurde durch Spenden finanziert. „Mit dem Relief erinnert die Architektenkammer an den herausragenden Architekten der Dresdner Moderne, dessen Beiträge zur Baukunst der Nachkriegszeit bahnbrechend wirkten und vor allem in qualitativer Hinsicht Maßstäbe setzten“, heißt es. Bemerkenswert sei die Vielfalt seiner Projekte – sie reichten vom ensemblehaften Wohnungsbau der Borsbergstraße über die Ladenstraße Webergasse oder das Bürohochhaus Haus der Presse bis eben zu zum Dresdner Kulturpalast, der international Aufsehen erregte. Der Umbau, der nach den Vorstellungen der Stadt und gegen seinen Protest erfolgte, habe Hänsch tief getroffen, sagt Wiel. „Er war ein sehr sensibler Mensch.“

Immerhin will die Stadt Hänschs Bauten in den Mittelpunkt von Projekten zur kulturellen Bildung stellen. Auch ein Wolfgang-Hänsch-Stipendium ist geplant. Die Idee, eine Straße nach ihm zu benennen, fand keine Mehrheit, weil es keine unbedeutende Straße am Stadtrand sein sollte.