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Zu Fuß über die Grenze, im Auto heim

© Ausriss SZ

Der Diebstahl des Porsche Cayenne von René Menzel aus Bischdorf sorgte Mitte Juni für Aufsehen. Jetzt erklärt die Polizei die Methoden der Diebe - und wie man sich günstig und wirksam schützt.

Von Markus van Appeldorn

Der Diebstahl des Porsche Cayenne von René Menzel aus Bischdorf sorgte Mitte Juni für Aufsehen. Weil solche Autos hier selten sind, war das auch für die beiden Kommissare Andreas Wirth und Robert Meißner vom Kommissariat für Bandenkriminalität bei der Polizeidirektion Görlitz ein besonderer Fall. SZ sprach mit den beiden Experten darüber, wie die Diebe arbeiten und wie man sich wirksam vor ihnen schützen kann.

Gibt es in den Banden tatsächlich Spitzel, die Autos auskundschaften?

„Man kann das nicht verallgemeinern, aber es kommt gelegentlich vor“, erzählt Hauptkommissar Andreas Wirth aus seiner Ermittlungspraxis. Man könne sich durchaus vorstellen, dass das so passiert.

Wie gehen die Autodiebe in der Region in der Regel vor?

„Besonders in Grenzstädten wie Zittau oder Görlitz kommen die Täter in der Regel zu Fuß über die Grenze aus Polen oder Tschechien und fahren dann mit dem gestohlenen Auto zurück“, sagt Andreas Wirth. Die Täter hätten ein genaues Wissen, was auf dem polnischen Markt gebraucht wird. „Der nimmt sich dann einen Passat, Audi A4 oder Ford Mondeo mit. Wir können am Diebstahlgeschehen ungefähr ablesen, welche Autos in Polen gerade beliebt sind.“

Was geschieht mit den hier gestohlenen Autos?

„Wir gehen davon aus, dass 80 Prozent der Autos nach dem Diebstahl sehr schnell zerlegt werden“, sagt Andreas Wirth. Viele Teile landen auf einem riesigen Teilemarkt in Lubin, einem der größten Europas. „Es gibt dort natürlich auch viele Händler, die Autos ganz legal aufkaufen und zerlegen.“

Wie brechen die Täter in die Autos ein und überlisten Wegfahrsperren?

„Es gibt immer noch den sogenannten Polenschlüssel“, sagt Oberkommissar Robert Meißner. Das ist eine Art Schlüsselnachbildung, mit dem man Türschlösser mit großer Hebelwirkung öffnen kann. „Dieses Werkzeug ist zuverlässig und wahnsinnig schnell“, sagt Meißner. Ein Profi brauche damit zehn Sekunden. Im Inneren schließen die Täter ein Manipulationswerkzeug an die sogenannte On-Board-Diagnose-Buchse (OBD) an, an denen Werkstätten die Fehler eines Bordsystems auslesen. „Das mitgebrachte OBD-Tool gaukelt der Wegfahrsperre vor, ein berechtigter Nutzer zu sein“, erklärt Meißner.

Die Hersteller verbessern die Systeme. Wie gelangen die Täter an das Wissen?

„Alles was die Fahrzeugindustrie entwickelt, wissen auch bald die Täter“, sagt Meißner. Die Polizei geht davon aus, dass der Technik-Transfer teilweise über ganz legale Unternehmen stattfindet. Die bedient Kunden im Osten, die solche Technik kennen müssen, zum Beispiel legale Werkstätten oder Schlüsseldienste. Die Polizei glaubt aber, dass sich auch die Diebesbanden dort ihr Wissen holen.

Wie kann man sich am wirksamsten vor Autodieben schützen?

„Diebstahl wird sich nie ganz verhindern lassen, man kann ihn erheblich erschweren“, sagt Meißner, „Alles, was den Dieb Zeit bei seiner Tat kostet, ist gut.“ Die Polizei empfiehlt daher als Primärschutz mechanische Sicherungen wie zusätzliche massive Lenkradkrallen, oder Gangschaltsperren, die den Schalthebel blockieren. „Mit am günstigsten und gleichzeitig wirkungsvollsten sind sogenannte OBD-Saver“, sagt Meißner. Die schützen die OBD-Buchse vor unerlaubtem Zugriff. „Die Diebe bekommen diese Dinger nicht ab, ohne den Stecker zu zerstören“, erklärt er.

Was ist mit zusätzlichen elektronischen Sicherungen?

„Wir empfehlen eine Kombination“, sagt Meißner. Zum Beispiel ein zusätzliches GPS-Ortungssystem. Dessen Signal könnten Täter aber mit einem Störsender unterbinden. Bei Alarmanlagen empfiehlt er, sich nicht auf eine serienmäßig eingebaute zu verlassen. „Eine nachträglich eingebaute schützt oft besser“, sagt Meißner. Denn auf alles, was nicht serienmäßig sei, könnten sich Täter auch nicht einstellen.