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Zu Lande und in der Luft: Immer mehr Mängel beim ADAC

Ein Hubschrauber als Föhn vor dem Dynamo-Spiel, dann ein Manager-Sohn als Passagier im Rettungsflieger – der Autoklub hat die Neugierde geweckt.

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München/Dresden. Jahrzehntelang hat der ADAC Urteile über Autos und Autobahnen gefällt – jetzt urteilen immer mehr Menschen über ihn. Nach dem Skandal um manipulierte Umfragedaten wurde gestern bekannt, dass im Jahr 2006 ein Hubschrauber des ADAC als Föhn benutzt wurde. Er sollte einen unter Wasser stehenden Fußballplatz mit dem Wind seiner Rotorblätter trocknen. Es war nicht irgendeine Partie, die damit in Braunschweig gerettet werden sollte: Im Zweitliga-Match trat immerhin Dynamo Dresden an.

Der ADAC bestätigte gestern in Laatzen bei Hannover, dass der Hubschrauber vom damaligen ADAC-Vorsitzenden in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Reinhard Manlik, angefordert wurde. Manlik sitzt für die CDU im Braunschweiger Stadtrat. Das Innenministerium war für die Sicherstellung der Luftrettung zuständig und habe den Flug gerügt, sagte eine Ministeriumssprecherin. Daraufhin sei der Einsatz von der Stadt Braunschweig bezahlt worden.

Der ADAC bestätigte auch einen Stern-Bericht, wonach die Vorsitzenden der Regionalklubs Rettungshubschrauber nutzten. Dies sei ausschließlich im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit bei Veranstaltungen geschehen, sagte eine Sprecherin.

Die Bild-Zeitung berichtete, dass eine ehemalige ADAC-Führungskraft ihren Sohn in einem Rettungsjet des Klubs mitfliegen ließ. Er hatte im August 2012 seinen Abflug zum Taucherurlaub nach Ägypten verpasst und durfte dann in einer Rettungsmaschine mitfliegen, die mit intensivmedizinischem Gerät an Bord unterwegs nach Ägypten war. Die Managerin löste später ihren Vertrag mit dem ADAC.

ADAC-Präsident Peter Meyer sagte gestern in München, der Klub solle sich mithilfe externer Berater ganz neu aufstellen. „Wir glauben, dass wir nur durch eine grundlegende Reform die aktuellen Schwachstellen beheben können“, sagte Meyer. In einer außerordentlichen Hauptversammlung, der ersten seit 66 Jahren, soll die Neuausrichtung beschlossen werden. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Sterns überlegen sieben Prozent der Mitglieder, den ACAC zu verlassen. (dpa)