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Zu schnell, zu dicht, zu waghalsig

Dresden ist Sachsens Unfallhauptstadt. Aber nicht immer sind Autofahrer die Rowdys.

© Steffen Füssel

Von Sandro Rahrisch

Sechs Menschen verunglücken Tag für Tag auf Dresdens Straßen. Die Polizei hat im vergangenen Jahr 14.919 Unfälle gezählt, rund 260 mehr als 2012. Dresden ist damit Sachsens Unfallhauptstadt. In den meisten Fällen waren Autos verwickelt. Das größte Problem haben Fahrer offenbar mit dem Abstandhalten.

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Entwicklung 1: Vorfahrtsfehler fordern die meisten Verletzten

Unfallursache Nummer eins ist wie schon in den vergangenen Jahren ein zu geringer Abstand zum vorausfahrenden Auto. Deshalb krachte es auf Dresdens Straßen gleich 1.862-mal. Fehler beim Wenden und Rückwärtsfahren sowie zu hohes Tempo führten ebenfalls häufig zu Unfällen. Besonders viele Verletzte hat es bei Vorfahrtsverstößen gegeben – 488 Menschen kamen dabei zu Schaden.

Entwicklung 2: Insgesamt weniger Menschen verunglückt

Obwohl die Zahl der Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr leicht gestiegen ist, zählte die Polizei rund fünf Prozent weniger Verletzte. Von den insgesamt 2.461 Verunglückten mussten 388 stationär behandelt werden, darunter 38 Kinder. Die meisten jungen Verletzten sind als Fußgänger in Unfälle verwickelt worden. Nicht zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Todesopfer: 13 Menschen sind auf Dresdens Straßen ums Leben gekommen, genauso viele wie im Vorjahr.

Entwicklung 3: Unfallschwerpunkte konnten nicht entschärft werden

Der Strehlener Platz, der Rathenauplatz und der Sachsenplatz sind die größten Unfallschwerpunkte in der Stadt. Die Kreuzungen zählte die Unfallkommission schon im vergangenen Jahr zu den drei gefährlichsten Stellen. Besonders häufig kracht es außerdem auf dem Georgplatz, dem Carolaplatz, dem Albertplatz sowie auf den Kreuzungen Leipziger/Rehefelder Straße, Schlesischer Platz/Dr.-Friedrich-Wolf-Straße und Strehlener/Franklinstraße. Auch auf die Albertbrücke ist die Polizei oft gerufen worden.

Entwicklung 4: Mehr Radfahrer bei Verstößen erwischt

Das zweite Jahr in Folge hat die Polizei weniger verletzte Radler gezählt. Das heißt allerdings nicht, dass diese plötzlich vorsichtiger unterwegs sind: 2013 sind an fast jedem zehnten Unfall Radfahrer beteiligt gewesen. Außerdem hat die Dresdner Polizei bei 5.335 Fahrern, die sie kontrolliert hat, Verstöße festgestellt – 25 Prozent mehr als 2012. „Unsere Beobachtungen offenbaren oft eine mangelnde Verkehrsmoral“, sagt der Leiter der Verkehrspolizei, Peer Barthel. Außerdem würden sich Beschwerden gegen Rad-Rowdys häufen. Oft müssten sich die Beamten dann vorwerfen lassen, dass sie zu selten kontrollieren würden. „Daher werden wir in diesem Jahr unsere Einsätze, insbesondere im Zusammenhang mit dem Fahrradverkehr, spürbar intensivieren“, so Barthel. Seit fast fünf Jahren sind die Dresdner Beamten mit einer eigenen Fahrradstreife unterwegs.

Entwicklung 5: Weniger Unfälle im Vollrausch verursacht

Die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen Alkohol oder Drogen im Spiel waren, ist von 315 auf 256 gesunken. Meistens waren die Fahrer betrunken. Zieht die Polizei bei Routinekontrollen Autos heraus, gehört die Suche nach Drogen schon zum Alltag, so Barthel. Das sei natürlich aufwendiger als eine reine Durchfahrtskontrolle, der erzieherische Effekt sei aber deutlich größer.

Entwicklung 6: Mehr Fahrer flüchten von der Unfallstelle

Immer wieder sucht die Polizei Unfallzeugen, besonders dann, wenn sich ein Fahrer nach dem Zusammenstoß schnell aus dem Staub gemacht hat. Im vergangenen Jahr ist das häufiger vorgekommen: 3.944 Verursacher verließen den Unfallort, bevor die Polizei zur Stelle war. „Das sind mehr als ein Viertel aller Verursacher“, sagt Peer Barthel. Eine Unfallflucht sei kein Kavaliersdelikt. Ermittelte Tatverdächtige müssten damit rechnen, dass ihnen die Fahrerlaubnis entzogen wird. Den größten Ärger hätten aber die geschädigten Autobesitzer, denn sie würden oftmals auf dem Schaden sitzen bleiben. In den meisten Fällen konnte die Polizei den verschwundenen Fahrer nicht mehr finden, nur 1.529 konnten aufgespürt werden.

Entwicklung 7: Mehr Verletzte auf Dresdens Autobahnen

Wegen zu hoher Geschwindigkeit, fehlenden Sicherheitsabstands und Mängeln am Fahrzeug sind auf den Autobahnen, die von der Dresdner Polizei betreut werden, 256 Menschen verletzt worden, vier starben. Im Gegensatz zu den Stadtstraßen verunglückten hier mehr Menschen als 2012.