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„Zu spät auf die Lage reagiert“

Die neue Struktur der Neustadthalle geht mit Kündigungen einher.

© Daniel Förster

Von Nancy Riegel

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Der Stadtrat von Neustadt hat die Zukunft der Neustadthalle besiegelt. Die gastronomischen Einrichtungen, also das Restaurant Schützenhaus, die Kneipe Kugel samt Bowlingbahn und das Eisfenster, sollen 2019 aus der GmbH ausgegliedert und an einen Pächter übergeben werden. Als erster Schritt wird die Kugel zum Jahresende geschlossen. Die Öffnungszeiten im Schützenhaus sollen ab 1. Januar erweitert werden. Zurzeit ist das Restaurant nur am Wochenende geöffnet, künftig soll es von Mittwoch bis Sonntag öffnen. Bürgermeister Peter Mühle (NfN) hielt sich beim Thema Neustadthalle immer bedeckt. Nun äußerte er sich gegenüber der SZ.

Im Restaurant Schützenhaus werden ab Januar 2019 die Öffnungszeiten ausgeweitet. Zeitgleich schließt die Kugel ihre Türen – vorerst. Für beide Lokale wird kommendes Jahr ein neuer Betreiber gesucht. Fotos: Dirk Zschiedrich
Im Restaurant Schützenhaus werden ab Januar 2019 die Öffnungszeiten ausgeweitet. Zeitgleich schließt die Kugel ihre Türen – vorerst. Für beide Lokale wird kommendes Jahr ein neuer Betreiber gesucht. Fotos: Dirk Zschiedrich © Dirk Zschiedrich

Herr Mühle, wieso wird die Kugel geschlossen und nicht das Restaurant Schützenhaus?

Die Kugel ist einfacher auszugliedern als das Schützenhaus. Der Hauptgrund ist allerdings, dass die Kneipe keine richtige Küche hat und Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Gastraum nicht zur Verfügung stehen. Und wir müssen die Veranstaltungsgastronomie sicherstellen, was in der Kugel nicht möglich wäre.

Die Kugel ist eine Kneipe, das Schützenhaus ein Restaurant. Die Klientel ist also unterschiedlich. Glauben Sie, dass trotzdem wieder mehr Besucher ins Restaurant kommen werden?

Natürlich muss das Angebot im Schützenhaus zwingend erweitert werden, also auch günstigere Gerichte angeboten werden. Und dann hoffen wir natürlich, dass die Kugel nicht lang leer stehen wird, sondern sich schnell ein neuer Betreiber findet. Am besten zurück zu den Wurzeln, also eine Kneipe mit ganz kleinem Imbissangebot, mit Livekonzerten oder Ähnlichem.

Wird es mit der Schließung der Kugel Entlassungen geben?

Ja. Wir werden drei Personen entlassen müssen: den Hausmeister sowie zwei Angestellte der Gastronomie. Die Kündigungen wurden bereits ausgesprochen.

Sie wollten die Gastrosparte der Neustadthalle immer erhalten, eine Ausgliederung hatten Sie immer abgelehnt. Warum der Sinneswandel?

Die Neustadthalle-Veranstaltungs GmbH erhält Fördermittel vom Kulturraum Meißen – Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Eine Forderung des Kulturraumes ist, dass die Gastronomie bei Kultureinrichtungen eine untergeordnete Rolle spielt. In der Neustadthalle war das nicht so, ein Großteil der Kosten musste für die Kneipe und das Restaurant aufgebracht werden. Mit der Schließung der Kugel und der Ausgliederung der Lokale kommen wir der Forderung des Kulturraums nach.

Wäre es so weitergegangen, wie bisher, hätte es also keine Fördermittel mehr gegeben?

Richtig.

Glauben Sie, dass die Stadt einen Pächter für die Kugel und das Schützenhaus finden wird?

Ich persönlich glaube kaum, dass sich jemand findet, der das Schützenhaus samt Veranstaltungsgastronomie übernimmt. Die Fülle an Aufgaben ist zu groß. Der Aufsichtsrat und ich persönlich hätten nur die Kugel ausgegliedert und das Restaurant im Haus behalten. Aber der Stadtrat von Neustadt hat anders entschieden, die Mehrheit favorisiert jetzt eine Ausgliederung beider Lokalitäten. An den Beschluss hat sich die Verwaltung jetzt dementsprechend zu halten. Damit die Erfolgschancen höher sind, werden wir uns professionelle Hilfe bei der Ausschreibung suchen.

Die Bilanz der Neustadthalle im Jahr 2017 war ein sechsstelliges Minus. Ist das für 2018 wieder zu erwarten?

Noch haben wir keine konkreten Zahlen vorliegen, das Jahr ist ja noch nicht vorbei. Ich gehe aktuell davon aus, dass der Jahresabschluss weniger negativ ausfallen wird. Wir müssen aber realistisch bleiben. Eine kommunale Gesellschaft dieser Art wird immer ein Zuschussgeschäft bleiben. Die Gastronomie der Neustadthalle hat schon immer ein Minus gemacht, nur ist das erst im Jahr 2015 aufgefallen. Damals wurde die sogenannte Spartenrechnung eingeführt – die einzelnen Sparten wie Kultur, Gastronomie und Tourismus-Servicecentrum werden seitdem separat betrachtet. So fiel auf, dass die Gastronomie nicht so gut läuft wie der Veranstaltungssektor.

Die fristlose Kündigung des Geschäftsführers Udo Preusche im Mai ist Gesprächsthema in der Stadt. Haben die vergangenen Monate dem Ansehen der Neustadthalle geschadet?

Ja. Ganz schlimm sogar. Auch die Berichterstattung und die Kommentare in den sozialen Medien haben dazu beigetragen.

Sie geben also der SZ die Schuld für die schlechte Lage der Neustadthalle?

Das habe ich nicht gesagt. Klar hat es Fehler gegeben, eine Ursache für die Lage muss es doch geben – in der wirtschaftlichen Führung des Hauses, dass zu spät auf negative Tendenzen reagiert wurde, das Sanierungskonzept nicht konsequent umgesetzt wurde … Man hat nicht immer gleich erkannt, wie schlecht die Lage ist und dementsprechend spät reagiert.