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Zu viel Glühwein im Advent

Auch nach vier Jahren ist der Angeklagten ihr Auftritt auf dem Weihnachtsmarkt einfach nur peinlich. Sie hat eine gnädige Richterin gefunden.

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© René Meinig

Von Alexander Schneider

Bald ist es wieder so weit, und Dresden wird seine Tradition als Striezelhochburg feiern. Schon am Dienstag gab es einen kleinen Vorgeschmack auf das Fest der Nächstenliebe in einem Prozess am Amtsgericht Dresden, ganz nach abendländischem Brauch. Es war im Grunde jedoch weder fröhlich noch selig, was sich im Jahre 2013 spätabends auf dem Weihnachtsmarkt in der Hauptstraße abgespielt hatte. Die Ursache dafür liegt an einer Überdosis Glühwein. Zunächst war ein Mann aufgrund seiner erheblichen Alkoholisierung derart aufgefallen, dass Zeugen die Polizei alarmierten. Als die Beamten eintrafen, griff die ebenfalls stark betrunkene Lebensgefährtin ins Geschehen ein – und das Unheil nahm seinen Lauf. Die 55-Jährige stand nun wegen Widerstands gegen Polizeibeamte, Körperverletzung und Beleidigung vor Strafrichterin Annegret Lissel.

Laut Anklage hatte sich die Deutsche auf dem Neustädter Weihnachtsmarkt an ihrem Partner festgeklammert, weil sie ihn nicht der Obhut der Polizeibeamten überlassen wollte. Die Uniformierten mussten Verstärkung anfordern, um den Volltrunkenen zum Ausnüchtern in Gewahrsam auf der Schießgasse bringen zu können. Als die Beamten dann aber versuchten, die 55-Jährige von ihrem Partner zu lösen, hat die Frau einem Beamten gegen das Schienbein getreten. Danach beleidigte sie drei Beamten lautstark – Arschloch, Wichser, Schlampe, Hure, Nazi – das volle Programm dessen, was Uniformierte leider oft hören. Es führte dazu, dass die Polizisten der Frau sogar Handschellen anlegten, damit sie sich wieder beruhigt.

„…zu Hitlers Zeiten…“

Die Angeklagte räumte die Vorwürfe ein. „Es ist mir sehr peinlich. Ich kann mich nur in aller Form entschuldigen“, sagte die gelernte Schneiderin, die noch nie strafrechtlich aufgefallen ist. Sie habe eine Herz-Operation gehabt und sei an jenem 14. Dezember das erste Mal wieder draußen gewesen.

Die Polizisten bestätigten, dass die Angeklagte auch bei der Auseinandersetzung immer wieder von einer Bypass-OP gesprochen habe. Das habe sie irritiert, so eine Beamtin: „Sie hat immer wieder betont, dass sie Bypass-Patientin sei, obwohl sie sich doch benommen hat wie wild.“ Daher habe man die Frau auf eine Bank gesetzt und fixiert. Weniger gebrechliche Störer würden in solchen Situationen „schon eher mal abgelegt“, wie sie es nannte, sie machen also Bekanntschaft mit dem Neustädter Straßenpflaster. Der 31-Jährigen gingen die Beleidigungen sichtlich nahe. Besonders gekränkt habe sie eine Formulierung der Angeklagten: „So eine hässliche Hure wie dich hätte man zu Hitlers Zeiten erschossen!“ Auch nach vier Jahren war die 31-Jährige nicht in der Lage, die Entschuldigung der Angeklagten anzunehmen.

Angesichts der langen Zeit seit der Tat verwarnte Richterin Lissel die Angeklagte wie von Staatsanwaltschaft und Verteidiger gefordert. Die Frau muss eine Geldauflage von 500 Euro an einen gemeinnützigen Zweck zahlen, und ihr droht eine Geldstrafe von weiteren 2 000 Euro, sollte sie sich im nächsten Jahr erneut etwas zuschulden kommen lassen.