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Zu viel nackter Beton?

In der jüngsten Radeberger Stadtratssitzung wurde kritisch über die laufende Sanierung des Kriegerdenkmals debattiert.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Radeberg. Was für ein Wortspiel: „Es ist schön, dass gebaut wird – aber nicht alles, was gebaut wird, ist auch schön …“ Radebergs CDU-Stadtrat Matthias Hänsel machte in der jüngsten Stadtratssitzung jedenfalls kein allzu großes Geheimnis daraus, dass ihm rund um die Sanierung des Krieger-Denkmals unterhalb der Stadtkirche so einiges missfällt.

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Warum, so fragt er sich zum Beispiel, müssen die Sitzmöglichkeiten am Denkmal eigentlich aus Beton sein? Und warum wurde die historische Feldsteinmauer am Weg zwischen Denkmal und Kita mit einem Drahtgeflecht und aufgefüllten Steinen verlängert, „statt sie historisch zu sanieren“? Gerade die Sache mit der Mauer ärgert Matthias Hänsel. „Es ist ja Teil der historischen Radeberger Stadtmauer, da hätte man sich schon ein bisschen mehr Mühe geben können“, findet er.

Die Frage nach der Mauer-Sanierung will Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) nun noch einmal prüfen lassen, versprach er in der Stadtratssitzung. „Das ist tatsächlich so nicht geplant gewesen“, machte er deutlich. Für die von Matthias Hänsel kritisierten Beton-Bänke werden hingegen noch Holz-Aufleger montiert, so der OB mit Blick in die Planungsunterlagen. „Aber das Projekt war ja nicht nur in den Ausschüssen des Stadtrats besprochen und auch so beschlossen worden, sondern das Denkmal und sein Umfeld sollten ja auch wieder so gestaltet werden, wie es einst gewesen ist“, bekräftigte Lemm, dass sich die Sanierung hier an enge Vorgaben halten musste.

Zähes Ringen um Sanierung

Der Sanierung des Denkmals mit der stolzen Walküre aus Beton war zudem ein wirklich zähes Ringen vorausgegangen. Vor allem die Aktiven der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte, die unter anderem alljährlich die „Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte“ herausbringen, hatte die Diskussion um eine dringend notwendige Sanierung regelmäßig ins Blickfeld gerückt.

Wobei zunächst die offensichtlich nicht ganz leichte Frage zu klären war, wer die Sanierung eigentlich bezahlen solle. Denn das Denkmal, das an die im sinnlosen Kriegswahn zwischen 1914 und 1918 gefallenen 485 Radeberger erinnern soll, war zwar von den Bürgern der Stadt durch Spenden finanziert worden, aber das Grundstück gehört der Kirche. Man wurde sich letztlich doch noch einig, und die Stadt brachte die Mittel für die dringend notwendige Sanierung auf. Runde 95 000 Euro kostet es, das 1927 errichtete Denkmal und vor allem das Areal ringsum auf Vordermann zu bringen.

Die Sanierung dürfte dabei durchaus so etwas wie ein Auftakt sein. Nach und nach könnten weitere Denkmale in der Stadt und den Ortsteilen angepackt werden. Allerdings brauche es vorher eine Art Denkmalkonzeption, fordern „Stadtgeschichtler“ in Radeberg schon seit Längerem. Und auch nicht zuletzt CDU-Mann Matthias Hänsel hatte sich in den vergangenen Jahren immer wieder für ein solches Konzept stark gemacht – „weil es eine ganze Menge kleiner Gedenktafeln oder Steine gibt, die unwürdig beschmiert, oft vollkommen unscheinbar in irgendwelchen Ecken stehen“. Und auch der OB hatte bekanntlich vorgeschlagen, mit einem solchen Konzept nachzudenken, ob an bestimmten Denkmalen eine Art Info-Tafel aufgestellt werden solle, um Hintergründe zu erläutern.

Spätestens bei der feierlichen Übergabe des sanierten Kriegerdenkmals dürfte das Thema wohl wieder auf den Tisch kommen. Geplant ist das voraussichtlich für den 20. November, dann jährt sich die Einweihung des Denkmals zum 90. Mal.