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Zu warm, zu sonnig, zu trocken

Das Wetter voriges Jahr hat auch Görlitz zu schaffen gemacht. Das blieb nicht ohne Folgen.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Görlitz. Das Jahr 2015 wird nach 2014 als zweitwärmstes seit Beginn der Wetteraufzeichnungen geführt. Jetzt liegen Auswertungen vor, wie sich die Extreme und Besonderheiten im Witterungsverlauf 2015 in Sachsen einordnen lassen, im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961 bis 1990. Sachsens Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat die Ergebnisse heute gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst in Dresden vorgestellt.

Das vorige Jahr brachte eine Jahresmitteltemperatur von Plus 1,9 Grad, 21 Prozent mehr Sonnenstunden und ein Niederschlagsdefizit von durchschnittlich zehn und bedeutet. Es sei extrem zu warm, viel zu sonnenreich und zu trocken gewesen, berichtet Karin Bernhardt vom Landesamt. Markante Temperaturabweichungen brachten der Winter mit Plus 2 Grad und der Sommer mit Plus 2,5 Grad. Bei den Sonnenstunden war es das Frühjahr mit einem Plus 25 Prozent und der Sommer mit Plus 20 Prozent. Besonders heraus sticht der Dezember mit Plus 5,9 Grad, 80 Prozent mehr Sonnenstunden und 60 Prozent weniger Niederschlag.

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Die um 2,5 Grad erhöhte Sommertemperatur resultiert Experten zufolge aus mehr Sommertagen über 25 Grad und deutlich mehr heißen Tagen über 30 Grad. Diese erhöhten sich im Vergleich zum Referenzwert beispielsweise in Görlitz um das Sechsfache. Hingegen sind weniger Frost- und deutlich weniger Eistage aufgetreten. Der Winter 2014/2015 brachte 20 Prozent weniger Niederschlag. Das Frühjahr gilt mit einem Defizit von 30 Prozent als viel zu trocken. Spitzenreiter waren die Monate Februar mit einem Defizit von 80 Prozent und der Mai mit 70 Prozent weniger Niederschlag.

Die Witterungsbedingungen blieben nicht ohne Folgen. Insbesondere die hohen Temperaturen führten mit dem Wassermangel zu einer landwirtschaftlichen, forstlichen und hydrologischen Trockenheit. So stellte sich in ganz Sachsen ab Frühsommer eine verschärfte Niedrigwassersituation in den Flüssen ein. Angefangen von kleinen Bächen, die trocken lagen, bis hin zu Tiefstständen im Flussgebiet der Lausitzer Neiße. Die Durchflüsse lagen dort laut Karin Bernhardt mit geringen Unterbrechungen über Monate unter den langjährigen mittleren Niedrigwasserabflüssen.

„Grundwasser hat ein noch längeres Gedächtnis“, sagt sie. Seit dem Hochwasserereignis 2013 haben sich die Grundwasserstände und Quellschüttungen landesweit quasi kontinuierlich verringert. Nachdem bereits im Winter 2013/14 keine Grundwasserneubildung registriert werden konnte, fiel diese auch den Winter darauf praktisch aus. „Das in den Talsperren gespeicherte Wasser hat wesentlich dazu beigetragen, die Trinkwasserversorgung in Sachsen auf einem hohen Niveau zu halten“, so Karin Bernhardt. Zudem konnte so auch die Situation in den Flüssen zumindest stabilisiert werden.

Das außergewöhnlich hohe Niederschlagsdefizit von Februar bis einschließlich Mai stellte die Landwirtschaft nach Auskunft der Sprecherin auf eine harte Probe. Erst die Niederschläge im Juli und August fielen deutlich höher als die Verdunstung aus. „Sie beendeten die extreme landwirtschaftliche Dürre und führten zu einer Erholung der Bestände“, berichtet Karin Bernhardt. So konnten bei der Ernte Anfang August noch gute bis mittlere Erträge eingefahren werden. Nur beim Mais hat der Wassermangel zu schlechteren Erträgen geführt.

Die anhaltend hohen Temperaturen und Sonnenstunden im Sommer führten dazu, das erstmals nach 2010 die Zielwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Vegetation nicht eingehalten werden konnten. (szo/tc)