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Zu wenig Bitterstoffe fürs Bier

© Kristin Richter

Die Hopfenernte in Gävernitz fiel dieses Jahr eher durchschnittlich aus – mit deutlichen Qualitätseinbußen.

Von Manfred Müller

Priestewitz. Es war weniger die Trockenheit als vielmehr die Hitze, die den Hopfenbauern auf der Gävernitzer Plantage dieses Jahr zu schaffen machte. Durch ihr ausgeklügeltes Bewässerungssystem konnten sie den Pflanzen zwar genügend Flüssigkeit zuführen. Allerdings führten die hohen Temperaturen dazu, dass in den Dolden weniger Bittersäuren enthalten sind. Diese spielen aber beim Bierbrauen eine entscheidende Rolle; sie geben dem Gerstensaft erst den typischen Geschmack. „Wir können nur hoffen, dass durch die Ernteausfälle in den unbewässerten Hopfengärten die Preise etwas anziehen“, sagt Christoph Liebelt.

Das gelbe Harz in der Hopfendolde enthält die Bitterstoffe, die fürs Bierbrauen gebraucht werden. © René Meinig

Der Chef der Gävernitzer Hopfen GmbH hat mit seinen Leuten die Ernte mittlerweile komplett eingefahren. Die Pflanzen müssen verarbeitet werden, wenn die sogenannte Alphasäure in den Dolden die höchste Konzentration erreicht hat. Deshalb wurde in den vergangenen Tagen rund um die Uhr gearbeitet. Anderthalb Hektar Hopfenranken pro Schicht riss die Erntemaschine von den sieben bis acht Meter hohen Gerüsten beiderseits der Bundesstraße 101.

Die Gävernitzer Hopfen GmbH ist im Jahr 1991 als Tochterunternehmen der Meißner Agrarprodukte AG gegründet worden. Sie bewirtschaftet 37 Hektar Anbaufläche, wo vor allem die Sorten Hallertauer Magnum und Herkules gezogen werden. Neben den beiden Plantagen in Gävernitz und Kmehlen gehören auch Flächen im westelbischen Scharfenberg zur Hopfen GmbH. Vier festangestellte Mitarbeiter wachen über die Gerüstanlagen der Hopfengärten. Im Frühjahr werden zum Anleiten, das heißt zum Befestigen der Pflanzen an den Drähten, Saisonkräfte aus Polen engagiert. Ebenso im September bei der Ernte. „Wir haben über die Jahre eine zuverlässige Truppe gewonnen“, erklärt Christoph Liebelt. „Sie kommt jedes Jahr wieder, manche bringen jetzt ihre Kinder oder sogar schon die Enkel mit.“

Für 10 000 Liter Bier benötigt man etwa 170 Kilogramm Hopfen. Bitterstoffe befinden sich ausschließlich in den Dolden, das heißt in den Blütenständen der Hopfenpflanze. Zunächst werden die Hopfenreben maschinell knapp über dem Boden abgeschnitten und von den Gerüstanlagen gerissen.

In der Hopfendarre trennt eine Pflückmaschine die Dolden vom Hopfenstock. Die Stängel und Blätter werden mitsamt den Anleitdrähten kompostiert und als Dünger auf die Anbauflächen ausgebracht. Die Dolden durchlaufen mehrfach eine Trocknungsanlage, wo der Feuchtigkeitsgehalt auf 11 Prozent gesenkt wird. Danach werden sie zu 60 bis 65 Kilogramm schweren Paketen gepresst und abgepackt.

Die Weiterverarbeitung des Gävernitzer Hopfens erfolgt in der bayerischen Hallertau, dem größten Anbaugebiet Deutschlands. Hier wird der Hopfen zu Pellets gepresst, die dann vermarktet und in den Brauereien dem Bier zugesetzt werden. Zum Brauen werden ausschließlich die Dolden der weiblichen Hopfenpflanzen verwendet. Mittlerweile stapeln sich in der Gävernitzer Hopfendarre die Säcke tonnenweise. Der Absatz ist zum Teil durch langfristige Verträge gesichert. Der Rest kann über Händler auf dem freien Markt an den Mann gebracht werden. Die Preisentwicklung ist Moment aber noch etwas undurchsichtig. „Wir warten jetzt erst einmal ab“, sagt Christoph Liebelt. „Ende September wissen wir mehr.“

Mit einem Ertrag von 57,5 Zentner pro Hektar Hopfen hat der Agrarbetrieb im vorigen Jahr das beste Ernteergebnis im gesamten mitteldeutschen Raum eingebracht. Damit machte er sich auch bundesweit einen guten Namen. Ende Juli waren die Gävernitzer Gastgeber des Elbe-Saale-Hopfentages, zu dem Pflanzer aus ganz Deutschland anreisten. Mitte September kam eine Delegation von Braumeistern, Biersommeliers und Hobbybrauern zu einer Hopfenwanderung nach Gävernitz und Scharfenberg.

Die Experten zeigten sich beeindruckt von den speziellen Aromen des Anbaugebietes. „Elbe-Saale Hopfen“ ist übrigens seit 2014 ein von der EU geschütztes Produkt, das mit einem speziellen geografischen Qualitätssiegel beworben werden darf.