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Familie

Zuckerkrank während der Schwangerschaft

Auf den angebotenen Diabetes-Test sollten werdende Mütter in keinem Fall verzichten. Auch im Interesse des ungeborenen Lebens.

© pixabay.com/Greyerbaby (Symbolfoto)

Von Bernd Lemke, verfasst für "Medizin Heute"

Eine Schwangerschaft bedeutet unvergleichliche Momente: der erste Herzschlag des Kindes, die ersten Bewegungen. Aber auch Vorsorgeuntersuchungen gehören zu diesen Monaten. Wie der Test auf Gestationsdiabetes, im Volksmund Schwangerschaftsdiabetes. Eine Erkrankung, die seit Jahren deutlich zunimmt. Schwangere sollten den angebotenen Test daher unbedingt wahrnehmen.

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Prinzipiell kann jede Frau betroffen sein, es gibt allerdings Faktoren, die das Risiko beeinflussen. Ab dem 25. Lebensjahr steigt es beispielsweise. Auch wenn es Verwandte ersten Grades gibt, die "Altersdiabetes" haben. Zudem: Bei Frauen, die vor der Schwangerschaft rauchen, ist das Risiko ungefähr 40 Prozent erhöht, ebenso bei Übergewicht.

Therapie mit Insulin meist nicht notwendig

Der Test ist ein standardisiertes Verfahren aus drei Messungen. Zunächst wird der Blutzuckerwert auf nüchternen Magen bestimmt, anschließend trinkt die Schwangere eine Glukoselösung. Es folgen zwei weitere Messungen. Für die drei Ergebnisse gibt es Grenzwerte. Wird einer davon überschritten, steht die Diagnose: Gestationsdiabetes.

Bei der Behandlung wird zunächst auf Medikamente verzichtet, stattdessen erhält die Patientin eine Ernährungsschulung und muss ihren Blutzuckerwert regelmäßig selbst messen. 80 Prozent der Betroffenen kommen damit zurecht - und benötigen keine Insulintherapie.

Diabetes-Risiken nicht unterschätzen

Mediziner warnen davor, den Schwangerschaftsdiabetes zu unterschätzen. Zu den Akut-Risiken für die Mutter zählt vor allem ein erhöhtes Infektrisiko. So können beispielsweise Infektionen in den harnleitenden Systemen bis zu siebenmal häufige auftreten. Auch Pilzinfektionen, die wiederum Konsequenzen für das ungeborene Kind haben. 

Generell ist Diabetes für das Kind gefährlich. Die Babys werden teilweise mit erhöhtem Geburtsgewicht entbunden. Auch sind Kaiserschnitte viel öfter notwendig, als bei gesunden Schwangeren. Bei der Geburt können Komplikationen auftreten, angefangen vom Dammriss bei der Mutter bis hin zu Anpassungsstörungen beim Kind direkt nach der Geburt. 

Reifung der Lunge kann beeinträchtigt sein

Unbehandelte Schwangere mit Gestationsdiabetes können Kinder mit nicht abgeschlossener Lungenreifung auf die Welt bringen, was dazu führen kann, dass das Kind direkt nach der Geburt auf einer Intensivstation behandelt und beatmet werden muss. Auch die sogenannte Neugeborenengelbsucht tritt deutlich häufiger auf, wenn die Patientin nicht behandelt wurde. Kinder von Müttern, die einen Gestationsdiabetes hatten, neigen im Verlauf ihrer Entwicklung zu Übergewicht, was mit einem erhöhten Risiko für Diabetes einhergeht. Es gibt also eine Reihe von Akut- und Langzeitrisiken.

Der Gestationsdiabetes verschwindet nach der Entbindung. Allerdings: 40 bis 60 Prozent derjenigen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, werden innerhalb von zehn Jahren einen "richtigen" Typ-2-Diabetes entwickeln. Die Empfehlung der Deutschen Diabetesgesellschaft ist, den Diabetestest einige Zeit nach der Entbindung zu wiederholen.

Für Schwangere mit Gestationsdiabetes gibt es bei den Krankenkassen eine Reihe von kostenlosen Behandlungsprogrammen wie Schulungen oder Ernährungsberatung - Betroffene sollten einfach nachfragen.